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Erden, Bremen und die Römer

Fördervereinsvorsitzender Stefan Justen, Historiker Michael Kuhn und Archäologin Tanja Baumgart (von links) in der Anlage. TV-Foto: Winfried Simon
Fördervereinsvorsitzender Stefan Justen, Historiker Michael Kuhn und Archäologin Tanja Baumgart (von links) in der Anlage. TV-Foto: Winfried Simon FOTO: (m_mo )
Erden. Zweite römische Kelteranlage ist eine weitere Attraktion des Moselortes. Zwei Ministerpräsidenten und ein bekannter Kellermeister aus der Hansestadt geben sich die Ehre. Winfried Simon

Erden Eigentlich wollten sie zur Weinlese kommen. Doch Ende Oktober hängt so gut wie keine Traube mehr an den Rebstöcken. Die Winzer haben die Ernte so früh eingeholt wie noch nie. Aber die Lesehelfer aus Bremen kamen nicht umsonst. Der Kellermeister des Bremer Ratskellers, Karl-Josef Krötz, war wieder mit einer großen Delegation aus dem hohen Norden an die Mittelmosel gereist. Ihr Ziel: "Ihr" Bremer Weinberg im "Erdener Treppchen", direkt neben der römischen Kelteranlage gelegen. An der Spitze der Delegation war kein Geringerer als Carsten Sieling, Bürgermeister der Hansestadt.
Nicht Trauben lesen war angesagt, sondern Reben schneiden. Sieling hatte eine weitere prominente Politikerin an seiner Seite: Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die nicht zum ersten Mal Gast an der Erdener römischen Kelteranlage war, machte beim Schau-Rebschnitt mit. Sie war aber in erster Linie wegen der zweiten römischen Kelteranlage gekommen, die 1998 neben der bereits ausgegrabenen Anlage entdeckt wurde und in den vergangenen Wochen ein Schutzdach erhielt. Am Samstag war die offizielle Einweihung. Geladen hatten Ortsbürgermeister Alois Kaufmann und der unermüdliche Vorsitzende des Vereins Römerkelter, Stefan Justen. An der Freilegung und Sicherung der einzigartigen historischen Anlage haben viele Leute ehrenamtlich und mit großem Engagement mitgewirkt: unter anderem Michael Kuhn, Historiker und Buchautor, sowie die Archäologen Tanja Baumgart, Andrea Grotzke und Jochen Starke. Und immer zur Stelle, wenn es galt anzupacken, war der Förderverein Römerkelter Erden e.V. Viele Vereinsmitglieder und weitere Helfer - auch aus Nachbarorten - legten in den Sommermonaten Hand an, um das 300 Quadratmeter große Schutzdach zu errichten. Zimmermeister Rainer Klink war mit seinem Knowhow eine unersetzliche Hilfe. Stefan Justen dankte ihm besonders. "Letztlich geht es darum, ein Stück Geschichte und Weinkultur zu erhalten", sagte Malu Dreyer. Und sie lobte die vielen freiwilligen Helfer: "Es ist ein tolles Beispiel für bürgerschaftliches Engagement."
Die 2017er Ernte aus dem Bremer Weinberg im Erdener Treppchen liegt bereits als gärender Most im Keller. Diesmal müssen sich die Bremer mit 500 Liter begnügen, während in anderen Jahren schon mal 1500 Liter auspresst wurden. Ratskellermeister Karl-Josef Krötz, der von der Mosel stammt, ist dennoch zufrieden: "Das gibt eine wunderbare edelsüße Auslese. Solche Weine brauchen wir."
Seit 2012 wird der Wein vom Martinshof als "Bremer Senatswein" angeboten. Der Martinshof ist ein Eigenbetrieb der Stadt Bremen und bietet zahlreichen Menschen mit Behinderung individuelle berufliche Bildung und Beschäftigung.Extra: DIE RÖMISCHEN KELTERHÄUSER IN ERDEN


Im Jahr 1992 wurde im Rahmen der Flurbereinigung in der steilen Südlage Erdender Treppchen eine bis dahin unbekannte Kelteranlage freigelegt. Die Reste eines 38 mal 16 Meter großen Kelterhauses aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus kamen ans Tageslicht. Es bestand aus Maischebecken, Pressbecken, Wohn-, Lager- und Speicherräumen und einer Rauchkammer. Im Jahr 1998 wurde kaum 40 Meter moselabwärts ein weiteres römisches Kelterhaus entdeckt. Bei den anschließenden Grabungen kamen neben Resten zweier älterer Gebäude aus der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus auch ein 14,2 mal 10,2 Meter großes Kelterhaus zutage. Bei den Erdener Keltern handelt es sich nicht nur um die älteste, sondern auch um eine der größten Anlagen an der Mosel.