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Exklusiver Musikgenuss auf höchstem Niveau

TRABEN-TRARBACH. (red) Meisterkonzert der besonderen Art: Rund 50 Zuhörer erlebten im historischen Ambiente der Barockvilla Böcking exklusiven Musikgenuss.

Selten fand der Begriff "Meisterkonzert" für eine Musikveranstaltung im Mittelmosel-Museum in Traben-Trarbach größere Berechtigung als am vergangenen Wochenende. Während man auch in der Doppelstadt dem letzten WM-Spiel der schwarz-rot-goldenen Kicker entgegenfieberte und zeitgleich nur wenige Meter entfernt das "Moselwein-Festival" einlud, erlebten die Gäste im historischen Musiksalon der Villa Böcking zwei Stunden lang einzigartigen Musikgenuss auf höchstem Niveau. In Kooperation mit dem Musikkreis Springiersbach hatte der Museumsverein zu einem Abendkonzert mit dem renommierten Bratschisten Ulrich von Wrochem eingeladen, das zweifellos zu den Höhepunkten der aktuellen Kulturreihe in der Doppelstadt zählte: Von Wrochem, der als Solist bereits mit zahlreichen namhaften Orchestern zusammenarbeitete und auch schon in der Mailänder Scala unter Claudio Abbado auftrat, gestaltete auf seiner "alemannischen" bemalten Bratsche aus dem Jahre 1700 eine hochkarätige Zeitreise, wie sie sich kaum authentischer in das geschichtsträchtige Ambiente des altehrwürdigen Patrizierhauses hätte einfügen können. Begleitet wurde er hierbei am historischen, 1811 in Wien von der Beethoven-Vertrauten Nanette Streicher gebauten Hammerflügel von Wolfram Lorenzen, der kurzfristig für die erkrankte Pianistin Tatjana Prevelic eingesprungen war. Lorenzen, Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und Gast bei vielen Festivals wie den Luzerner Festwochen, dem Schleswig-Holstein-Musikfestival und den Salzburger Festspielen, spielte als Solist unter anderem bereits mit den Berliner Sinfonikern und unter Dirigenten wie Ernest Bour oder Michael Gielen. Die rund 50 Zuhörer, die in dem romantischen, mit einer originalen Leinwand-Bildtapete des 18. Jahrhunderts ausgestatteten Musiksalon Platz gefunden hatten, erlebten somit in dem intim-heimeligen Rahmen einstiger großbürgerlicher Hauskonzerte ein wahrhaft exklusives Musikereignis. Auftakt hierbei war die Sonate in D-Dur von Gaetano Brunetti, gefolgt von Mozarts aus diversen Fragmenten rekonstruierten Sonate in B-Dur, in deren Verlauf Lorenzen und von Wrochem trotz zunehmend schweißtreibender Temperaturen von Anfang an die ungebrochene, facettenreiche Klangfülle und -schönheit ihrer historischen Instrumente entfalteten. Zart und intensiv zugleich entführten die beiden Interpreten, die bereits seit vielen Jahren gemeinsam konzertieren, mit routinierter Virtuosität in die barock-klassische Musikwelt des 18. Jahrhunderts. Die zweite Konzerthälfte war mit Schumanns "Märchenbildern", opus 113, und Schuberts "Arpeggione"-Sonate dem romantisierenden 19. Jahrhundert gewidmet. Letztere avancierte zum Höhepunkt des Konzerts: Schwärmend, melancholisch, träumerisch, und dann wieder dynamisch sprühend interpretierte von Wrochem Schuberts subtile kammermusikalische Komposition. Langanhaltender Applaus war schließlich der Lohn der beiden schweißdurchtränkten Musiker, die es sich dennoch nicht nehmen ließen, mit einer Bearbeitung des langsamen Satzes aus Mozarts Klarinettenkonzert die Forderung nach einer Zugabe zu erfüllen.