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Auslese
Feinherb ist genial

Simon Winfried
Simon Winfried FOTO: TV / klaus kimmling
Die vielleicht beste Begriffsschöpfung für deutschen Wein in letzter Zeit ist der Bezeichnung „feinherb“. Fast jeder Winzer kann bestätigen: Die Kunden stürzen sich regelrecht auf feinherbe Weine. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Feinherb – das klingt viel besser wie trocken, halbtrocken, lieblich oder gar süß.

Trocken erinnert an Staub und Durst, lieblich wirkt altbacken und bei süß denken viele an Diabetes und Karies. Und erst halbtrocken: Wer will schon etwas „Halbes“ kaufen.

Was früher halbtrocken hieß, ist heute zumeist feinherb. Feinherbe Weine sind „jung und chic“. Dem Erfinder dieses Namens sollten die Winzer einen Orden verleihen. An erster Stelle die Moselwinzer, denn die dezente Süße passt ideal zu den leicht säurebetonten Mosel-Rieslingen.

Das Kuriose: Im Gegensatz zu den Begriffen „trocken“, „halbtrocken“, „lieblich“ und „süß“ ist die Geschmacksangabe „feinherb“ weingesetzlich nicht definiert. Ein feinherber Wein könnte also theoretisch knochentrocken oder pappsüß sein. Aber die meisten Feinherben bewegen sich mit ihrem Zuckergehalt im Bereich halbtrocken bis leicht darüber.

Es wäre auch zu dumm von den Winzern, würden sie von dieser Regel abweichen. Der Kunde würde nur noch mehr verwirrt und der gute Name schnell .entwertet.