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Fernreisemobiltreffen mit 1500 Teilnehmern: Rückkehr der Globetrotter nach Enkirch ist möglich

FOTO: Jürgen C. Braun
Enkirch. So was hat Enkirch noch nicht erlebt: Rund 1500 Globetrotter aus 18 Nationen und mit 700 Fahrzeugen sorgten für eine internationale Atmosphäre bei Willys 37. Fernreisemobiltreffen in Enkirch. Ob die friedliche Invasion zur Dauereinrichtung wird? Es sei eine Option, sagt der Veranstalter. Jürgen C. Braun


Wilhelm Busch wusste es schon vor eineinhalb Jahrhunderten. Seine Jünger des frühen dritten Jahrtausends tun es ihm nach: "Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's! Reise, reise!"

Auf einem einen Kilometer langen und sieben Hektar großen, idyllisch an der Mosel gelegenen Geländestreifen in Enkirch haben sich eingedenk dieser Erkenntnis Weltenbummler, Globetrotter und von Fernweh geplagte Menschen zur 37. Auflage von "Willys Fernreise-Mobiltreffen" getroffen. Die Zusammenkunft gilt als Kultveranstaltung in der Szene von reiselustigen Geländewagen- und Wohnmobilfahrern.

Norbert Lüdtke gehört zu dem Veranstalter-Quintett, das dieses Treffen im Sinne des verstorbenen Initiators Willy Janssen fortführt. In dessen Garten gab es das Treffen 1980 zum ersten Mal. Bisher in Bad Kreuznach beheimatet, mussten Janssens Erben sich nun nach einem neuen Gelände umsehen, weil dem Pächter des dortigen Geländes gekündigt wurde.

"Ich hatte via Facebook nachgefragt, ob jemand einen geeigneten Platz wisse. Wir brauchen bestimmte Voraussetzungen: Toiletten, Frischwasser, Abwasser, Verkehrsanbindung und Beschaffenheit des Untergrunds."

Das Internet mit seinen zahlreichen Foren sei ideales Mittel zum Zweck gewesen. Nach Gesprächen mit dem Beigeordneten Enkirchs, Gerald Caspari, habe man sich zunächst auf ein Jahr geeignet. "Wir brauchen Erfahrungswerte und die andere Seite auch", sagt Lüdtke. Der 59-jährige gebürtige Kölner lebt seit vielen Jahren in der Nähe Saarbrückens und ist wie das gesamte Team vom Fernreise-Bazillus befallen.

Trotz der scheinbaren globalen Freizügigkeit gibt es bei "Willys Fernreise-Mobiltreffen" feste Regeln. Ein solches Instrumentarium muss es bei rund 700 Fahrzeugen mit Teilnehmern aus 18 Nationen, die der Veranstalter zum Höhepunkt des Meetings gezählt hat, geben. "Wir rechnen pro Fahrzeug mit zwei bis drei Teilnehmern. Dann kommt man schnell auf eine recht genaue Teilnehmerzahl." Denn, so Lüdtke, "das ist ein Treffen, kein Markt." Tauschen und Suchen nach Ersatzteilen, das sei alles im Rahmen. "Aber keine Verkaufsstände."

Hinzu kommen viele Schaulustige, Einwohner, Feriengäste - magisch angezogen vom Treiben derer, die sich offensichtlich ihre heimlichsten Sehnsüchte erfüllen. Frei sein, ungebunden, fast alle Konventionen über Bord werfen. Doch das Vagabundieren zwischen den Polen erfordert die Anpassung des Menschen an die Natur: Wohnmobile im Format riesiger Trucks, ausgestattet für heißeste Wüsten, endlose Savannen, für das Überqueren hochalpiner Gebirgszüge. Es ist kein Sommer-Camping, es ist ein Stück Lebensphilosophie.

Was bleibt hängen für Enkirch, für die Gemeinde und die Gäste? Werden die unkonventionellen Gäste angenommen? Kann so was zum Wirtschaftsfaktor werden? "Ich bekam nur positive Reaktionen", sagt Lüdtke, der sich im Ort umgehört hat. "Aber es gibt sicher auch andere."

Dazu gehört Udo Kettermann vom Hotel Steffensberg: "Das Treffen war zu kurzfristig organisiert, als dass wir mehr Übernachtungen hätten erzielen können. Wir haben höchstens ein oder zwei zusätzliche Zimmer vermietet." Daher habe das Treffen nicht die erhoffte Wirkung auf die Gastronomie gehabt.

Veranstalter und Gemeinde wollen sich noch zur Manöverkritik treffen, um die Möglichkeit einer Dauereinrichtung zu erörtern. "Das ist zumindest eine Option", sagt Lüdtke. Bürgermeister Roland Bender hatte im Vorfeld auf Signalwirkung für Gewerbetreibende im Ort gehofft. Und auf einen Nachhaltigkeitseffekt für die Region. Nun wird man sich zusammensetzen, um Für und Wider abzuwägen. Und um zu sehen, ob Wilhelm Busch auf Dauer weitere Spuren in Enkirch hinterlassen hat.