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Festung soll Weltkulturerbe werden

Traben-Trarbach. 2017 könnte die ehemalige Festungsanlage auf dem Mont Royal Weltkulturerbe der Unesco werden. So sieht der Plan der Stadt Traben-Trarbach aus. Auch örtliche Vereine arbeiten daran, die Überreste der französischen Festung aus dem 17. Jahrhundert stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. David Zapp

Traben-Trarbach. Hoch über der Mosel auf dem Halbinselberg Mont Royal thronte im späten 17. Jahrhundert die französische Festungsanlage Mont Royal. Der einstige Trutzbau ist heute fast nur noch kundigen Besuchern des Plateaus bekannt. Sichtbar sind lediglich im Ruinenfeld noch die zugewucherten Kellergewölbe und Kasematten. Statt Wehrtürmen und unüberwindbaren Zinnen ragen nun Douglasien in den Himmel.
Da sich am 25. Juli die Grundsteinlegung der französischen Festungsanlage zum 325. Mal jährt, arbeiten die Stadt Traben-Trarbach und örtliche Vereine daran, die ehemalige Festung wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und vor dem voranschreitenden Verfall zu bewahren.
Nicht nur Matthias Holzmann, Touristik-Chef der Stadt Traben-Trarbach, sondern auch der Förderverein der Festung sowie der Arbeitskreis des Vereins Traben-Trarbach Aktiv haben ehrgeizige Ziele ins Auge gefasst. So ist in der Tourismus-Strategie der Stadt verankert, den Mont Royal künftig stärker mit einem Gesamtkonzept zur vermarkten, das die Festung, Kletterpark, Flugplatz und Ferienpark beinhalten soll.
Festspiele und Ausstellungen


So ist angedacht, auf dem Areal der ehemaligen Festungsanlage künftig Theaterstücke, ein Open-Air-Festival oder die Gräfin-Loretta-Festspiele stattfinden zu lassen. "Dafür müssen keine weiteren Ausgrabungen auf dem Areal stattfinden", sagt Holzmann. Bühnen und Zuschauerränge könnten ohne große Bauarbeiten dort installiert werden. Im Juni sollen bereits erste Veranstaltungen über die Bühne gehen. Mit Führungen und Ausstellungen soll der kulturelle Schatz auf dem Mont Royal zudem einen Teil seines einstigen Glanzes zurückbekommen.
Allein an eine Ausgrabung ist derzeit kaum zu denken. Bereits die Aufschüttung der Wege zwischen den Überresten der Feste und die Anbringung von Infotafeln haben die Stadt 33 000 Euro gekostet, um kulturinteressierten Touristen die Festungsüberreste zugänglich zu machen. "Das Areal ausgraben und die Festung wieder rekonstruieren zu lassen, würde eine Milliarde Euro kosten", sagt Holzmann. Das sei von einem Experten grob geschätzt worden. Realistisch sei, die Ausgrabungen mit kleinen Schritten anzugehen und mit den Arbeiten fortzufahren, an denen der Heimatforscher Dr. Ernst W. Spies in den 30er Jahren aufgehört hatte. Spies hatte anhand von Originalplänen aus Pariser Militärarchiven Reste der Festung zutage gefördert.
Als Ziel haben sich Holzmann und sein Team gesetzt, die Festungsanlage Mont Royal als Weltkulturerbe in die Liste der Unesco aufnehmen zu lassen. Für realistisch hält es der Touristik-Chef , bis 2017 so weit zu sein, um den Antrag dafür zu stellen. "Wenn die Festung den Status Weltkulturerbe bekommt, dann können wir auch an Fördergeld herankommen", sagt Holzmann. Bis dahin sei es ein langer Weg, denn für die Aufnahme in die Liste müssten mindestens drei umfassende Expertisen beauftragt werden, die geschätzt 100 000 Euro kosten würden.
Mit einer Ko-Finanzierung durch die EU und das Land soll ein Großteil des Geldes dafür bereitgestellt werden.
Auch der Verein Freunde und Förderer Festung Mont Royal hat sich für dieses Jahr einiges vorgenommen. Der Verein hat sich 2011 gegründet, um das Engagement des Arbeitskreises Nachlass Dr. Spies auf eine vereinsrechtliche Grundlage zu stellen, um unter anderem an Spendengelder zu kommen. Mit den Aufzeichnungen, Skizzen, Karten und Fotos aus dem Spies\'schen Nachlass arbeitet der Verein die Geschichte der Festung auf.
Neben weiteren Veröffentlichungen zum Thema sind auch Ausstellungen geplant, um die Festung aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. "Das Potenzial der Festung Mont Royal als Alleinstellungsmerkmal Traben-Trarbachs wurde in den letzten Jahrzehnten verschenkt", sagt Lutz Reichardt, zweiter Vorsitzender des Fördervereins.
Oberstes Ziel sei, die Erhaltung und Fortsetzung der Ausgrabungen wieder aufzunehmen. Denn der Zahn der Zeit nage ungehindert am schlummernden Kulturschatz hoch über der Mosel.Extra

Erbaut wurde die Befestigungsanlage Mont Royal 1687 vom berühmten Baumeister Sébastien le Prestre de Vauban. Das kolossale Bauwerk oberhalb der Stadt Traben-Trarbach diente dem französischen König Ludwig XIV. bis 1697 als Versorgungsstandort seiner Festungskette und zur Beherrschung des mittleren Rheinlandes. Die Festung maß eine Länge von 1,6 Kilometern und eine Breite von 750 Metern. Den Kern bildete eine 50 Hektar große und 200 Meter hohe Felszitadelle umschlossen von einem drei Kilometer langen und 30 Meter hohen Wall mit Bastionen und Türmen. Das verschanzte Lager der Basis war bestückt mit Ställen für 3000 Pferde und Baracken für 12 000 Mann. Mit dem Frieden von Riskwjck rissen die Franzosen die Festungsstadt 1697 ab, um sie dem Feind nicht zu überlassen. Die Stadt Traben-Trarbach wurde zum größten Teil aus dem abgetragenen Baumaterial der Festung erbaut. zad