| 20:38 Uhr

Fledermäuse und eine Talsperre überraschen die Planer

Monzelfeld/Longkamp. Die Pläne für ein Gewerbegebiet in der Nähe der B 50 neu drohen buchstäblich ins Wasser zu fallen. Die Vertreter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues geben aber noch nicht auf. Sie wollen kämpfen. Am 18. Januar ist ein Spitzengespräch. Clemens Beckmann

Monzelfeld/Longkamp. Die Voraussetzungen wären ideal: genug Fläche, hervorragende Verkehrsanbindung, unproblematische Verkehrsführung auf dem Gelände, leicht zu händelnde Ver- und Entsorgung. Doch hinter den Plänen für ein interkommunales Gewerbegebiet an der L 158 zwischen Monzelfeld und dem Blockhaus steht ein ganz großes Fragezeichen.
Wie bereits berichtet, sind dort im Rahmen des notwendigen naturschutzrechtlichen Gutachtens etwa 500 Vogelnester und vier verschiedene Arten von Fledermäusen gefunden worden. Dieses Ergebnis sei eher unerwartet gekommen, sagt Leo Wächter, hauptamtlicher Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Denn allzu hochwertig und damit attraktiv für Tiere schien der Bewuchs auf dem 60 Hektar großen Areal nicht zu sein.
Doch die Fauna ist, so Wächter, offenbar nicht der Hauptgrund, wenn die Pläne nicht umgesetzt werden können. Vielmehr sind es jahrzehntealte Pläne für eine Talsperre im angrenzenden Hinterbachtal (Gemarkung Veldenz). Die Folge: Viel Gelände im Umkreis, darunter das ins Auge gefasste Gewerbegebiet, ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Kaum jemand kennt die Pläne für eine Talsperre, auch der immer gut informierte und gut vernetzte Leo Wächter wusste lange nichts.
Die VG ist bei der zuständigen Behörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD Nord), vorstellig geworden. Am 18. Januar werde es zu einem Gespräch mit Joachim Gerke, dem Abteilungsleiter für Wasser-und Abfallwirtschaft sowie Bodenschutz kommen, teilt Leo Wächter mit.
Auch der TV hat bei der SGD Nord nachgehört. Der Plan für die Talsperre sei Anfang der 1970er Jahre erarbeitet worden, teilt Pressesprecherin Rebecca Burghardt mit (siehe Extra). Eines ist für Leo Wächter klar: "Wenn die Pläne für die Talsperre bestehen bleiben, ist das Gewerbegebiet gestorben."
Kurz vor Weihnachten hatte Wächter allerdings in der Sitzung des VG-Rates den Kampfeswillen deutlich gemacht (der TV berichtete). Denn das Gewerbegebiet sei nicht nur für die VG Bernkastel-Kues, sondern auch für den gesamten Kreis Bernkastel-Wittlich von großer Bedeutung. Wächter spielt damit auf die B 50 neu an, die derzeit gebaut wird und in Sichtweite an dem auserwählten Gelände vorbeiführt, von dem der größte Teil (41 Hektar) auf Monzelfelder Gemarkung liegt.
Der kleinere Teil (19 Hektar) gehört zu Longkamp. Beide Ortsgemeinderäte stehen hinter den Plänen. Der Longkamper Ortschef Franz-Josef Klingels berichtet vom Interesse eines Großbäckers, sich dort auf sechs Hektar anzusiedeln. "Es hat, da auch schon Gespräche gegeben", sagt Leo Wächter. In der Vergangenheit musste die VG einige innovative und als Arbeitgeber attraktive Betriebe ziehen lassen, weil sie sich in der Kommune nicht ausdehnen konnten. Zuletzt war es die Firma Wirtgen, vormals Benninghoven, die in Wittlich neu baut.
Teure Gutachten


Eine Änderung kostet viel Geld. Für Naturschutzgutachten wurden 40 000 Euro fällig. Die gleiche Summe müsste noch einmal investiert werden, weil zwei Vegetationsperioden untersucht werden müssen.
Die VG hat sich auch nach Alternativen umgeschaut - zum Beispiel an der Hunsrückhöhenstraße bei Hochscheid. Das steht eine Wildbrücke einer Umsetzung entgegen, sagt Wächter nach einem Gespräch mit dem Landesbetrieb Mobilität. Auf den ersten Blick attraktiv erscheint eine Fläche unmittelbar hinter dem Hochmoselübergang auf der Hunsrückseite der B 50 neu. Da sei aber die Ver-und Entsorgung unverhältnismäßig teuer. Außerdem müssten in großem Stil Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden.Extra

Der Talsperrenstandort im Tal des Veldenzer Baches hat seinen Ursprung im Generalplan Mosel, einem ersten Bewirtschaftungsplan für das Einzugsgebiet der Mosel. Nach Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord wurden in den 1970er Jahren mehrere potenziell geeignete Standorte für Trinkwassertalsperren ausgewiesen. Neben dem Veldenzer Bach gehören das Endertbachtal bei Cochem und das Sammelbachtal bei Hasborn dazu. Diese Standorte sind seitdem Teile der Landesentwicklungsprogramme und der Regionalen Raumordnungspläne. Das Einzugsgebiet sei, so die Behörde, als Vorrangfläche für den Gewässerschutz ausgewiesen. cb