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Früher waren Finger mehr gefährdet

Udo Grube und Vater Hans Günther vor dem Hobelautomat, der das Holz von vier Seiten gleichzeitig bearbeiten kann. Die heutigen Maschinen sind sehr sicher, aber sie haben auch ihren Preis. "Wer sich selbständig machen will, braucht viel Kapital", sagt Hans Günther Grube, der seinem Sohn immer noch gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.Foto: Gerda Knorrn-Belitz
Udo Grube und Vater Hans Günther vor dem Hobelautomat, der das Holz von vier Seiten gleichzeitig bearbeiten kann. Die heutigen Maschinen sind sehr sicher, aber sie haben auch ihren Preis. "Wer sich selbständig machen will, braucht viel Kapital", sagt Hans Günther Grube, der seinem Sohn immer noch gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.Foto: Gerda Knorrn-Belitz
TRABEN-TRARBACH. Viele Meister hat es schon in der aus Enkirch stammenden Familie Grube gegeben. Mit Hans Günther Grube erlernte ein Familienmitglied nach mehr als 200 Jahren wieder das Schreinerhandwerk, und die Söhne Udo (43), Jürgen (41) und Rainer (39) traten in Vaters Fußstapfen. Von unserer Mitarbeiterin <br>GERDA KNORRN-BELITZ

"Meine beiden Großväter waren Schneider- und Schustermeister in Enkirch", erinnert sich der 1933 geborene Hans Günther Grube. Sein Vater Otto arbeitete als Kellermeister in der Kellerei Mühlensiepen in der Bismarckstraße (heute Schlosserei Spier), und dort gab es auch einen Schreiner namens Hamann. Schon als Kind erhielt Grube somit erste Einblicke in dieses Handwerk, aber er wollte damals Anstreicher werden. Eine Lehrstelle fand sich nicht, doch Schreiner Gneuß in der Neuen Rathausstraße (heute Alte Zunftscheune) suchte einen Lehrling, und so nahm Hans Günther Grube eine alte Familientradition wieder auf: Um 1700 lebte in Enkirch ein direkter Vorfahr von ihm, der Schreiner und Winzer Johann Sauer. Von 1947 bis 1950 lernte Grube bei Gneuß, arbeitete dann einige Jahre in Wuppertal, besuchte in Beckum die Meisterschule und machte dort 1958 die Prüfung. Seine erste Meisterstelle hatte er in Lemgo, wo auch Sohn Udo geboren wurde. Grube wechselte nach Idar-Oberstein und übernahm 1964 den inzwischen von Schreiner Moog weitergeführten Betrieb Gneuß. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter waren bei ihm beschäftigt, und viele Lehrlinge wurden ausgebildet. Ehefrau Gerda unterstützte ihn bei allen schriftlichen Arbeiten. 1972 verlegte er seine Werkstatt in die Straße Zum Hafen 12, wo sie sich heute noch befindet. "Die Söhne durften lernen, was sie wollten", sagt Gerda Grube, doch alle drei eiferten dem Vater nach. Udo Grube lernte von 1976 bis 1979 im väterlichen Betrieb. Nach der Gesellenprüfung folgte die Bundeswehr, und von 1985 bis 1986 besuchte er drei Semester die Meisterschule im unterfränkischen Ebern, wo er auch seine Prüfung ablegte. Am 1. Januar 1990 zog sich der Vater in den Ruhestand zurück und Sohn Udo übernahm den Betrieb. Bei der Büroarbeit unterstützt ihn Ehefrau Monika. In der Werkstatt ist Vaters Rat natürlich immer noch gefragt und der Sohn schätzt sein in langen Berufsjahren erworbenes Wissen. Drei Mitarbeiter beschäftigt er heute, dazu gehört auch Bruder Rainer, und regelmäßig werden Lehrlinge ausgebildet. Darunter waren bislang erst zwei Mädchen. "Die interessieren sich eher für ein Praktikum in der Schreinerei, besonders, wenn sie später einmal Innenarchitektur studieren wollen", weiß die Familie. "Früher wurden hauptsächlich Fenster hergestellt", erinnert sich der Vater, der auch zu berichten weiß, dass es damals kaum einen Schreiner gab, der noch alle zehn Finger hatte. Heute seien die Maschinen sehr viel sicherer, aber Achtsamkeit mit ihrem Umgang ist immer noch vonnöten. Er riss sich einmal eine Daumensehne am Hobelautomat ab, "und du hast auch einen abgeschrägten Finger", lacht Monika Grube. Der stellt heute "im Prinzip alles her, was gefragt wird". Dazu gehören maßgeschneiderte Möbel und Innenausbauten, Haustüren, Fenster, Regalwände, Fußböden und vieles mehr. "Gute und schlechte Zeiten gab es immer", sagt der Vater. Udo Grube hat die meiste Freude am Fertigen von Möbeln und der große Buchentisch im Wohnzimmer, Einbauschränke und Regalwand sind beredtes Zeugnis für sein Können. Ein besonderes Plätzchen hat sein Meisterstück, ein raffiniert konstruierter Schreibtisch aus Palisanderholz. In der knapp 400 Quadratmeter großen Werkstatt stehen viele Maschinen, und die Mitarbeiter tragen einen Gehörschutz, wenn Kreissäge, Fräse, Langbandschleifmaschine, Furnierpresse, Dübelautomat, Hobelmaschine oder Kantenanleimer im Einsatz sind. Mit der Hand wird nicht mehr gehobelt, und Späne fallen auch nicht mehr; die werden mitsamt dem meisten Staub direkt über der Arbeitsfläche abgesaugt und verheizt und sorgen im Wohnhaus neben der Werkstatt für Wärme.