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Geo-Amt: Mitarbeiter packen die Kisten

Traben-Trarbach. Der Abzug der Bundeswehr vom Amt für Geoinformationswesen droht seit Jahren, jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Ab dem kommenden Montag ziehen die verbliebenen 138 Mitarbeiter vom Mosel- ins Rheinland um. Ursula Quickert

Traben-Trarbach. Für die einen ist es ein Abschied für immer, andere stellen sich auf lange Autofahrten ein. Das Amt für Geoinformationswesen in Traben-Trarbach ist bald Geschichte. Ab Montag, 19. November, packen die Mitarbeiter die Koffer. Bis zum 7. Dezember soll der Umzug zum Standort Euskirchen über die Bühne sein, sagt Oberstleutnant Alf Wiegand, Pressesprecher der Behörde.
Zumindest der berufliche Umzug. Denn für die Mitarbeiter stellt sich die Frage, ob sie auch privat ihren Lebensmittelpunkt nach Euskirchen verlegen. Ein Großteil derer, für die dies schnell feststand, hat sich bereits im Vorfeld ins Rheinland versetzen lassen.
Wie viele der verbliebenen 138 Bundeswehrangehörigen - es waren einmal 250 - umziehen oder pendeln werden, weiß Wiegand nicht. Aus Mitarbeiterkreisen heißt es aber, ein Großteil werde die langen Autofahrten in Kauf nehmen und sich ein Zimmer vor Ort mieten - vor allem die Älteren, für die das Rentenalter greifbar sei.
Persönliche Schicksale


Schließlich haben viele in und um Traben-Trarbach ihre Heimat gefunden und ein Haus gebaut. "Bei jedem Mitarbeiter hängt ein persönliches Schicksal daran", weiß auch Wiegand.
Der lange Kampf für den Erhalt des Standorts auf dem Mont Royal hatte keinen Erfolg (siehe Extra). Bereits Mitte Oktober ist die Bücherei umgezogen. Jetzt ist das Arbeitsmaterial an der Reihe, nicht aber die Möbel. Sie sind Bestandteil der Immobilie und werden wiederum vom Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Mayen verwaltet.
Ganz verwaist ist die Anlage nach dem Abzug nicht, erklärt Wiegand. Drei Männer stellen ein sogenanntes Nachkommando und bereiten das Geo-Amt für die Übergabe vor, erfassen also beispielsweise das Mobiliar. Eine technische Betriebsgruppe von sieben bis acht Mitarbeitern hält den Bunker in Schuss. Denn würde der Strom nicht funktionieren, fielen zum Beispiel die Lüftung oder die Pumpen aus, die verhindern, dass der Bau mit Wasser vollläuft, so Wiegand. Zu der Anlage gehören neben dem Schutzbau (der sogenannte Bunker) ein Wach- und ein Stabsgebäude sowie ein Bau für den Warenumschlag.
Rechenzentrum im Gespräch


Schmerzhaft ist der Abzug der Bundeswehr auch für die Stadt. Sie verliert Arbeitsplätze und Einwohner. Dass bereits ein Interessent für die Immobilie gefunden ist, mindert den Abschiedsschmerz: Ein niederländischer Investor will den Bunker als Rechenzentrum nutzen. Der Zuschlag könne bereits im Dezember erteilt werden. Zuvor muss die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin die Nutzung der Immobilie ausschreiben und sie freigeben.
Aus dem Kreis der Mitarbeiter will niemand den Abzug namentlich kommentieren. "Die Stimmung ist nicht schön", lässt eine Mitarbeiterin wissen. Sie muss dank einer Altersteilzeit-Regelung nur wenige Monate in Euskirchen arbeiten und sagt: "Keiner von uns geht mit leichtem Herzen."

Extra

2003 waren der militärgeografische Dienst mit Sitz in Euskirchen und der in Traben-Trarbach beheimatete geophysikalische Beratungsdienst der Bundeswehr fusioniert. Beide untersuchten den Einfluss von Geofaktoren - beispielsweise Temperatur, Niederschlag oder das Vorkommen bestimmter Tierarten - auf Mensch und Material. Während sich der geophysikalische Dienst unter anderem mit der Beratung von Piloten im Hinblick auf das Wetter befasste, waren Landeskunde und Kartografie in Euskirchen beheimatet. Dann wurde beiden eins - und 2007 gab das Bundesverteidigungsministerium bekannt, den Standort Traben-Trarbach zu schließen. Die Zusammenlegung ermögliche kürzere Wege, sagt Pressesprecher Alf Wiegand. Personal gespart werde nicht: Die Mitarbeiter werden in Euskirchen die gleichen Jobs ausüben wie bisher. Nach Berechnungen der Bundeswehr sollten die notwendigen Neu- und Umbauten in Euskirchen 45 Millionen Euro weniger kosten als ein Ausbau des Standorts Traben-Trarbach. Im Frühjahr war allerdings schon von Kosten über 24 Millionen Euro die Rede. Eine offizielle Zahl dazu gibt es nicht. uq