| 20:35 Uhr

Geo-Amt nimmt heute Abschied

Traben-Trarbach. Die Bundeswehr nimmt heute offiziell Abschied von Traben-Trarbach. Der Chef des Amtes für Geoinformationswesen, Brigadegeneral Roland Brunner, und Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus werden sich gegen 13.30 Uhr an der Moselpromenade in Traben an einem gemeinsamen Abschiedsappell beteiligen. Dennoch wird es noch bis Ende November dauern, bevor alle 160 Mitarbeiter in Euskirchen Dienst tun. Winfried Simon

Traben-Trarbach. Vor gut fünf Jahren fiel eine für Traben-Trarbach höchst unerfreuliche Entscheidung. Der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung verkündete das Aus für den Bundeswehrstandort Traben-Trarbach. Das Amt für Geoinformationswesen mit seinen damals 250 Mitarbeitern werde aus Kostengründen nach Euskirchen verlegt, so Jung. Bis zum Jahr 2011 sollte der Umzug abgeschlossen sein, hieß es damals. Doch es kam zu Verzögerungen, weil sich die notwendigen Bauarbeiten in den Euskirchener Kasernen in die Länge zogen. Außerdem schnellten die Kosten für die benötigten Neu- und Umbauten in die Höhe. Es gab Protestschreiben von Kommunalpolitikern und vom Personalrat des Amtes - ohne Erfolg (der TV berichtete).
Zurzeit arbeiten noch 160 Mitarbeiter beim Geo-Amt. Nach Auskunft von Iris Audenrieth, Pressesprecherin des Amtes in Euskirchen, wird der Umzug bis Ende November dieses Jahres abgeschlossen sein. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter, vorrangig die Meteorologen, würden im September verlegt, die andere Hälfte, Geologen und Biologen, im November. Ferner arbeiten noch Ökologen beim Traben-Trarbacher Amt. Es werde überlegt, so Audenrieth, diese Fachleute nicht in Euskirchen, sondern beim Bundesamt für Infrastruktur und Umweltschutz in Bonn unterzubringen.
Kritischer Rückblick


Im Anschluss an den Appell, zu dem die Bevölkerung eingeladen ist, findet ab 14.30 Uhr im Gewölbekeller des Stiftungsweingutes Langguth ein Empfang statt. Dabei wird auch das eine oder andere kritische Wort fallen. Die Schließung wurde seinerzeit vor allem mit wirtschaftlichen Erwägungen begründet. Die Annahme damals: In Euskirchen müssten nur fünf Millionen Euro investiert werden, während ein Umzug von Euskirchen nach Traben-Trarbach das Vielfache kosten würde. Doch bereits im November 2007 gingen die Planungen für die benötigten Neu- und Umbauten am Standort Euskirchen von 15,2 Millionen Euro aus. Inzwischen sollen es gar 24 Millionen Euro sein, die der Bund dort investiert, um alle Leute unterzubringen und um die Technik dorthin zu verlegen.
Thomas Prinosil, Mitglied des Personalrates beim Traben-Trarbacher Amt, wird eine Ansprache halten. Er kündigt einen "kritischen Rückblick" an. Stadtbürgermeisterin Heide Pönnighaus spricht von "einer großen Lücke", die die Bundeswehr hinterlassen werde. Viele Mitarbeiter des Amtes hätten sich in der Kommunalpolitik, in Vereinen und Verbänden engagiert.
Prinosil schätzt, dass etwa die Hälfte der Leute, vor allem Mitarbeiter, die noch nicht so lange in Traben-Trarbach sind, mit ihren Familien nach Euskirchen umziehen werde. Die andere Hälfte werde an der Mosel bleiben und pendeln müssen.
Die Immobilie mit der großen unterirdischen Bunkeranlage geht Ende des Jahres an die Bundesanstalt für Immobilien (Bima). Alexander Lehnen vom Bima-Verkaufsteam Trier/Koblenz sagt, dass es noch kein Wertgutachten gebe. Er habe sich aber bereits die Gebäude angesehen. Lehnen: "Der Bunker ist eine Wahnsinnsanlage. Dafür gibt es sicherlich Interessenten."Extra

Das Amt für Geoinformationswesen mit Standorten in Traben-Trarbach und Euskirchen ist ein Spezialdienst der Bundeswehr. Beschäftigt sind dort unter anderem Meteorologen, Geologen, Biologen und Geophysiker. Sie beraten die Streitkräfte in Form von Studien und Gutachten und erstellen ferner Wettervorhersagen. Diese sind wichtig für die Flugsicherheit, die Befahrbarkeit von Startbahnen, Straßen und Gelände sowie für die umweltverträgliche Nutzung von Übungsplätzen. Im April 2007 hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung bekanntgegeben, dass das Traben-Trarbacher Amt nach Euskirchen verlegt wird. sim