| 20:35 Uhr

Gleitschirmsegler über der Mosel unterwegs

Die Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten bei ihrem ersten Tandemflug mit einem Gleitschirm. Pilot Axel Kalenborn bringt die junge Dame wieder sicher auf die Erde. Foto: privat
Die Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten bei ihrem ersten Tandemflug mit einem Gleitschirm. Pilot Axel Kalenborn bringt die junge Dame wieder sicher auf die Erde. Foto: privat
Zeltingen-Rachtig. 90 Gleitschirmsegler steigen noch bis Sonntag über dem Moseltal bei Zeltingen-Rachtig in die Lüfte. Die Piloten kommen aus Deutschland, Frankreich, den USA, aus Belgien und den Niederlanden. Sie nehmen am internationalen Wettbewerb MoselOpen teil. Einen Erstflug absolvierte auch die Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten. Winfried Simon

Zeltingen-Rachtig. "Ich bin einfach nur überwältigt. Es ist ein Gefühl zwischen Nervenkitzel und Euphorie." Die Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten hat gerade ihren ersten Tandemflug mit einem Gleitschirm hinter sich. Axel Kalenborn aus Trier ist ihr Pilot.
Mandy Großgarten hat den 43-Jährigen, der zusammen mit einem Freund in Rivenich ein Weingut betreibt, bei einer Veranstaltung kennengelernt. Bis in 400 Meter Höhe bringt die Thermik die beiden übers Moseltal. Sie schweben über den Moselschleifen, über den Dörfern, den Weinbergen und Wäldern. Nach 20 Minuten landen sie sicher auf der großen Wiese am Moselufer unterhalb von Kloster Machern. Mandy Großgarten zittern die Knie, doch sie ist in Hochstimmung. "Eine schönere Kulisse für meinen Erstflug kann ich mir kaum vorstellen", sagt die oberste deutsche Weinrepräsentantin. "Ich hatte das Gefühl, vor einer riesigen Kinoleinwand zu schweben. Es war fast schon unwirklich." Mandy Großgarten ist sich nach diesem beeindruckenden Erlebnis sicher: "Das war nicht mein letzter Flug mit einem Gleitschirm."
Die 90 Männer und Frauen aus Deutschland, den USA, aus Frankreich, Belgien, Italien und den Niederlanden sind hingegen schon alle alte Hasen. Für sie ist das freie Schweben in der Luft mit einem Gleitsegler, getragen nur vom warmen Wind, zu einer Passion geworden.
Einer von ihnen ist Simon Kirsch aus Lieser. Seit über zehn Jahren betreibt er diesen reizvollen Sport. "Das Fliegen mit dem Gleitschirm ist zu einem Teil meines Lebens geworden", sagt der 34-jährige kaufmännische Angestellte. Die Mosel ist sein Heimatrevier, er flog aber auch schon in Spanien und in den Alpen. "Die Alpen", sagt er, "das ist das Größte."
Mosel hat tolle Thermik


Axel Kalenborn gehört zu den 200 aktiven Piloten des 1990 von 18 Männern und Frauen in Ürzig gegründeten Gleitschirmclubs Moselfalken und ist Mitorganisator des Wettbewerbs MoselOpen. Zum Gleitschirmfliegen sagt er: "Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie einfach und schnell man fliegen kann. Die Mosel ist geradezu prädestiniert, um diesen Sport auszuüben. Hier herrscht eine tolle Thermik, das Gelände ist hervorragend und gut erreichbar, und diese wunderschöne Landschaft von oben zu betrachten, ist einfach ein unvergessliches Erlebnis."
Axel Kalenborn weiß, dass dieser Sport nicht ungefährlich ist und es immer wieder zu Unfällen kommt. Wichtig sei, seine eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Kalenborn: " Wenn das Wetter nicht so gut ist, muss man auch bereit sein, auf einen Flug zu verzichten." In den 90er Jahren wurde die Mosel als Fluggebiet nur von wenigen einheimischen Piloten genutzt. In den letzten Jahren hat sich die Popularität enorm gesteigert, und an guten Flugtagen bevölkern viele nationale und internationale Piloten die Gelände zwischen Trier und Bernkastel-Kues.VERMISST MOSELOPEN


Keine Spur von gesuchtem Gleitschirmflieger: Die Suche nach einem möglicherweise in einem Waldstück bei Trier-Ehrang abgestürzten Gleitschirmflieger sorgte beim Veranstalter der MoselOpen für Aufregung: Zwei Zeugen hatten am Donnerstagabend die Polizei benachrichtigt und berichtet, dass ein Gleitschirmflieger auf der Anhöhe "Ehranger Kanzel" niedergegangen und zwischen Baumwipfeln verschwunden sei. Die Beamten der Polizei Schweich und die Berufsfeuerwehr Trier starteten sofort eine große Suchaktion. Beteiligt waren 70 Einsatzkräfte. Auch gestern tauchte der vermeintlich abgestürzte Gleitschirmflieger trotz erneuter intensiver Suche nicht auf. Polizei und Feuerwehr brachen die gemeinsame Suchaktion am Mittag ergebnislos ab. Sie gehen davon aus, dass der unbekannte Gleitschirmpilot unverletzt das Waldstück verlassen hat. Erste Vermutungen, es könnte sich um einen Teilnehmer des Gleitschirmwettbewerbs MoselOpen handeln, widersprachen die Veranstalter: Keiner der 90 Starter sei vermisst worden. rm.VERMISST MOSELOPEN


Vom 28. April bis 1. Mai richtet der Gleitschirmclub Moselfalken die MoselOpen aus. Es ist ein internationaler Wettbewerb und gleichzeitig die Landesmeisterschaft Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. 90 Teilnehmer versuchen zuvor festgelegte Flugaufgaben - das heißt: bestimmte Punkte müssen überflogen werden - zu bewältigen. Mit dabei ist auch Deutschlands bester Gleitschirmflieger, Pepe Malecki aus Münster, der in der Weltrangliste auf dem dritten Platz geführt wird. Die Moselfalken sind ein Verein für Gleitschirm und Drachenflieger in der Moselregion. Er unterhält acht verschiedene Gelände für alle Windrichtungen. In der Kooperation mit dem Drachenfliegerclub Trier stehen sogar zwölf ausgezeichnete Gelände an Mosel und Saar zur Verfügung. Die meisten Fluggelände befinden sich im Umkreis von 20 Kilometern um Bernkastel-Kues. Zurzeit sind über 200 Pilotinnen und Piloten bei den Moselfalken aktiv. sim

Gleitschirmfans auf dem Weg zur Abflugrampe oberhalb von Zeltingen-Rachtig. TV-Foto: Klaus Kimmling
Gleitschirmfans auf dem Weg zur Abflugrampe oberhalb von Zeltingen-Rachtig. TV-Foto: Klaus Kimmling
Ein Gleitschirmflieger kurz vor der Landung bei Kloster Machern. TV-Foto: Winfried Simon
Ein Gleitschirmflieger kurz vor der Landung bei Kloster Machern. TV-Foto: Winfried Simon