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Weinbau
Goldgrube bekommt ein neues Gesicht

Daniel Vollenweider in seinem neuen Terrassen-Weinberg in der Wolfer Goldgrube. Die Terrassen werden derzeit beregnet, damit die Begrünung schnell wächst.
Daniel Vollenweider in seinem neuen Terrassen-Weinberg in der Wolfer Goldgrube. Die Terrassen werden derzeit beregnet, damit die Begrünung schnell wächst. FOTO: TV / Winfried Simon
Traben-Trarbach-Wolf. In der Wolfer Spitzenlage ist ein weiterer Quer-Terrassen-Weinberg angelegt worden. Winzer Daniel Vollenweider hat dort 7000 Riesling-Reben gepflanzt. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Es ist nicht zu übersehen. Wer entlang der Bundesstraße 53 zwischen der Wolfer Brücke und Kröv fährt, erkennt sofort, dass sich die Landschaft dort verändert hat. Gegenüber von Wolf befindet sich die berühmte Spitzenweinlage Wolfer Goldgrube. In den vergangenen Jahren haben Bagger und Raupen in dem steilen Hang ganze Arbeit geleistet und auf mehreren Hektar Fläche Querterrassen geformt. Möglich macht es die Flurbereinigung. Den Anfang machte Winzer Markus Boor, der dort im vergangenen Jahr einen 1,4 Hektar großen Weinberg angelegt hat (der TV berichtete).

Einige hundert Meter weiter moselabwärts entsteht auf einer 1,7 Hektar großen Fläche ebenfalls ein neuer Weinberg. Der größte Teil der Fläche lag seit Jahrzehnten brach, dort wuchsen bis zu zehn Meter hohe Bäume, Sträucher und Hecken. Der Traben-Trarbacher Winzer Daniel Vollenweider hat sich die Flächen nach und nach zusammengekauft und dort wieder Reben gepflanzt, ausschließlich Riesling.

Vollenweider ist der Winzer, der die Wolfer Goldgrube in der Weinszene im In- und Ausland wieder bekannt gemacht hat. „Vollweiderwein = Wolfer Goldgrube“, könnte man auch sagen. Der Schweizer, der zunächst Vermessungstechniker werden wollte, dann aber in Wädenswihl Weinbau und Kellerwirtschaft studierte, kam an die Mosel, sah sich hier um und lernte alles über die Besonderheiten des Moselweinbaus. Er wurde Moselwinzer. Ganz klein fing er an - mit einigen Weinbergen in der Goldgrube.

Im Jahr 2002 dann der rasante Aufstieg in die Spitzenliga der besten Winzer. Der Gault Millau WeinGuide kürte den damals 32-Jährigen zur „Entdeckung des Jahres“.

Heute bewirtschaftet er knapp fünf Hektar Steillagen, mit dem Terrassenprojekt kommen 1,5 Hektar hinzu.

Zurzeit sieht man in dem Hang, wie Wassersprenger den Boden durchfeuchten. Die Terrassen sind fertig, jetzt muss die eingesäte Begrünung schnell wachsen, damit kein Boden abgeschwemmt wird. Die jungen Rebpflänzchen sind natürlich auch für jede Wassergabe dankbar.

Im vergangenen Winter ging die Arbeit richtig los. Die bis zu zehn Meter hohen Bäume und die Sträucher mussten entfernt werden. Dann begannen die Bagger und Raupen eines Südtiroler Spezialunternehmens damit, den Hang neu zu formen. Es wurden Querterrassen angelegt, so dass in Zukunft eine mechanische Bearbeitung möglich ist. Die Terrassen sind 1,20 Meter breit, ein Spezialgerät namens Vitrac kann darauf fahren, kann das Gras mulchen, Pflanzenschutzmittel versprühen und Lasten transportieren.

Eine „normale Flurbereinigung“ mit Wegebau war in diesem von Felsrippen durchzogenen Gelände nicht möglich. Gleich, als im April die ersten Terrassen in den Hang geschoben waren, begann Vollenweider, die Reben zu pflanzen: Bis Anfang Juli waren die 7000 Riesling­reben im Boden. Geologen und Landschaftspfleger begleiteten das Projekt. An den Einfahrten zu den Terrassen wurden Trockenmauern errichtet. Sie sind wichtige Biotope für zahlreiche Pflanzen und Tiere.

In drei, vier Jahren wird Vollenweider den ersten nennenswerten Ertrag in seinem neuen Terrassenweinberg ernten können. Sorgen, dass er den Wein nicht für einen sehr guten Preis verkaufen kann, muss er nicht haben.

Im Frühjahr haben Bagger und Raupen die Terrassen im Steilhang geformt.
Im Frühjahr haben Bagger und Raupen die Terrassen im Steilhang geformt. FOTO: TV / Winfried Simon
Mit einem solchen  Gerät kann die Arbeit in dem Weinberg mechanisiert werden.
Mit einem solchen Gerät kann die Arbeit in dem Weinberg mechanisiert werden. FOTO: TV / privat