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Tourismus
Weinberg-Wissen bleibt begehrt

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum bietet Fortbildungen zum Naturerlebnisbegleiter an. Dazu gehören auch Vogelexkursionen wie hier in Enkirch. Foto: DLR
Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum bietet Fortbildungen zum Naturerlebnisbegleiter an. Dazu gehören auch Vogelexkursionen wie hier in Enkirch. Foto: DLR FOTO: DLR / TV
Bernkastel-Kues. Immer mehr Winzer und Natur-Interessierte lassen sich in Bernkastel-Kues zum Naturerlebnisbegleiter ausbilden. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Um Touristen und auch Einheimischen  die Natur rund um die Weinbergregion Mosel näher zu bringen, bietet das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues seit 2014 Kurse zum Naturerlebnisbegleiter an.   Die Kurse sind ein Baustein der Initiative „Lebendige Moselweinberge“, die darauf zielt, die Artenvielfalt in Steillagen und die biologische Vielfalt der Moselregion zu schützen und zu erhalten.

Im Januar 2018 startet der fünfte Kurs dieser Art, der sich an Winzer, aber auch an weitere Personen richtet, die daran Interesse haben, die Fauna und Flora der Mosel kennenzulernen und anderen Menschen zu erklären (siehe Extra).

In 80 Stunden werden die Kursteilnehmer zu Experten der Artenvielfalt ausgebildet. Referenten von der Universität Trier, dem Landesumweltamt, dem Julius-Kühn-Institut und dem DLR vermitteln von Januar bis Juli 2018 die fachlichen Grundlagen. Der Lehrgang gibt in Vorlesungen und Exkursionen Einblicke in die Tier- und Pflanzenwelt der Weinkulturlandschaft Mosel. Nach einer praktischen Prüfung, zu der auch eine Ausarbeitung eines Projekts gehört, erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat.

Wie hoch das Interesse an den Kursen ist, erläutert  Martina Engelmann-Hermen vom DLR Mosel: „Wir bilden seit 2014 Naturerlebnisbegleiter aus. Wir konnten einen zunehmenden Bedarf an Weiterbildung zum Thema Biodiversität im Weinberg feststellen. Winzer haben verstärkt nach blütenreichen Zwischeneinsaaten gefragt und im Weinberg eingesät. Sie wirtschaften zunehmend umweltbewusst und nachhaltig, engagieren sich als Partnerbetriebe Naturschutz oder im Moselprojekt. Und sie   verzichten zunehmend auf Glyphosat. Diese Menschen wollen mehr über den Naturraum erfahren und die Flora und Fauna der Weinberge quasi unter die Lupe nehmen.“

Waren es im Jahr 2014 noch 27 Teilnehmer, so sei diese Zahl  auf 39 im Jahr 2017 gestiegen.  Engelmann-Hermen: „Insgesamt haben bisher 120 Personen teilgenommen, 92 haben eine Prüfung absolviert und ein Zertifikat erhalten.“  Dazu sind die Teilnehmer offenbar bereit, weite Wege in Kauf zu nehmen, wie die DLR-Mitarbeiterin erläutert: „Es ist schon eine besondere Leistung an mehr als 20 Terminen von Kanzem oder Koblenz nach Bernkastel-Kues zu kommen. Die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Weinanbaugebiet Mosel. Am Standort Löf/Terrassenmosel  hatten wir Teilnehmer von der Ahr, der Lahn und dem Mittelrhein. Dies zeigt auch das große Interesse am Thema.  Großartig waren der Austausch und das Kennenlernen der Teilnehmer untereinander. Traben-Trarbach ist die Hochburg der Naturerlebnisbegleiter, in jedem Kurs sind sie mit mehreren Teilnehmern vertreten!“

Dabei war es gar nicht geplant, die Kurse dauerhaft anzubieten. Aber in den vergangenen Jahren sei das Interesse bei Winzern und der Allgemeinheit an   Themen wie Nachhaltigkeit, Biodiversität und „Heimatkunde“ gewachsen.   Neben dem Kurs für Januar 2018 sind schon Kurse für 2019 in Nittel und an der Ahr in Planung, zudem werden fortlaufend    Weiterbildungen angeboten, um die Kursteilnehmer auf Dauer auf dem Stand der Dinge zu halten.

Winzer Theo Haart aus Piesport war beim ersten Kurs vor drei Jahren dabei: „Das wird sehr gut angenommen, ich war damals 2014 im ersten Kurs dabei und da stellte sich die Frage ob wir überhaupt weitermachen. Die Leute im Dorf wissen, dass ich den Kurs gemacht habe und fragen auch nach.“

Der Kurs sei auch für die tägliche Arbeit im Weinberg interessant, findet  Haart:  „Ich habe auch den Austausch unter den Teilnehmern geschätzt, jeder hat andere Erfahrungen mitgebracht. Ich kann den Kurs Winzern,  aber auch anderen Interessenten empfehlen.“