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Hochmoselübergang: Bürgerinitiative befürchtet Kostenexplosion

Wittlich. Auch wenn die Bauarbeiten am Hochmoselübergang zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig derzeit in vollem Gange sind, schweigen die Kritiker nicht. Die Initiative Pro Mosel, die sich gegen das Projekt wendet, klagt nun auf Zugang zu nichtöffentlichen Unterlagen. Hans-Peter Linz

Wittlich. Der Anschluss der aus dem Hunsrück kommenden Bundesstraße 50 an die Eifel beim Autobahnkreuz Wittlich ist ein Plan, der bis in die 1960er Jahre zurückreicht. Inzwischen sind Teile der Trasse bereits gebaut. Um die beiden Landschaften rechts und links der Mosel zu verbinden, muss aber auch eine Brücke gebaut werden, der sogenannte Hochmoselübergang. Dieser Brückenbau, der von französischen und österreichischen Spezialfirmen übernommen wird, ist Dreh- und Angelpunkt von Protesten.
Eine 160 Meter hohe und 1,7 Kilometer lange Brücke wird dann das Moseltal zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig überspannen - ein außergewöhnliches Bauprojekt.. Die Initiative Pro Mosel fordert den Stopp der Bauarbeiten, um das Landschaftsbild an der Mosel zu bewahren.
Auf der Hunsrückseite sind schon die ersten Brückenpfeiler errichtet. Georg Laska, Vorsitzender von Pro Mosel, macht sich nun Sorgen um den Bau der Pfeiler auf der gegenüberliegenden Seite. "Bei diesem Hang handelt es sich um eine tektonische Bruchkante mit urzeitlichen Verwerfungen bis in 400 Meter Tiefe", sagt Laska. Das bringe Stabilitätsprobleme mit sich.
Laska befürchtet, dass die Kosten des Projekts explodieren könnten. Aktuelle Unterlagen zur Statik würden unter Verschluss gehalten. Deshalb habe die Initiative über ihren Dachverband nach dem Landesinformationsfreiheitsgesetz Klage erhoben.
Joachim Winkler, Pressesprecher der Landesregierung in Mainz bestätigt, dass eine Bürgerinitiative Zugang zu den statischen Unterlagen der Hochmoselbrücke und des Tunnels beantragt habe. Sie verweist dabei auf das Landesinformationsfreiheitsgesetz. Dem Antrag könne jedoch nicht stattgegeben werden.
Der Grund: Die mit dem Bau beauftragten Firmen hätten mit Verweis auf vorhandene Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse nicht zugestimmt, die Unterlagen herauszugeben. Derzeit sei zur Klärung dieser Frage eine Klage beim Verwaltungsgericht Trier gegen das Land anhängig.
Was den Zeitplan des Projekts betrifft, erklärt Winkler, dass die Arbeiten an der Brücke weiter fortgeschritten seien. Viele Fundamente auf der Hunsrückseite seien schon fertig, die ersten Pfeiler im Bau.Kosten: 375 Millionen Euro


Zum Thema Kosten sagt Winkler: "Die genehmigten Kosten für den rund 25 Kilometer langen Abschnitt von der A 1 bis Longkamp einschließlich der 41 Bauwerke und des Zubringers Erden/Lösnich betragen derzeit 375 Millionen Euro. Bei dem Projekt können Kostensteigerungen aufgrund der Komplexität des Bauwerkes grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden; dies allein schon deswegen, weil die Baupreise in den letzten Jahren im Durchschnitt um zwei Prozent pro Jahr gestiegen sind und eine mehrjährige Bauzeit ansteht."Extra

Die derzeit genehmigten Gesamtkosten (Bau- und Grunderwerbskosten) für die 25 Kilometer lange Neubaustrecke (Hochmoselübergang) belaufen sich auf 375 Millionen Euro. Dabei handelt es sich nicht allein um Kosten für die Hochmoselbrücke, sondern für die 25 Kilometer lange Neubaustrecke vom Autobahnkreuz Wittlich bis auf den Hunsrück hinter Longkamp (kompletter Hochmoselübergang). Enthalten sind außerdem die Baukosten für den 3,5 Kilometer langen dreistreifigen Zubringer Mosel sowie rund 20 Millionen Euro Grunderwerbskosten. Die Kosten für die Hochmoselbrücke betragen anteilig übrigens rund 130 Millionen Euro. hpl