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Brauchtum
Hoffnung für das Hansen-Kreuz

Der Sockel des Hansen-Kreuzes steht noch, aber das Kreuz selbst ist weg. Ortsbürgermeister Dirk Laudwein ist immer noch geschockt über den Diebstahl.
Der Sockel des Hansen-Kreuzes steht noch, aber das Kreuz selbst ist weg. Ortsbürgermeister Dirk Laudwein ist immer noch geschockt über den Diebstahl. FOTO: Christina Bents
Dierscheid. Im Juli dieses Jahres wurde im Wald bei Dierscheid der obere Teil des Wegekreuzes entwendet. Weder Polizei noch Feuerwehr konnten es bisher finden. Jetzt will der Gemeinderat den verschwundenen Teil erneuern lassen. Von Christina Bents

Abends, als einige Frauen durch den Wald spaziert sind, stand das Hansen-Kreuz noch unbeschädigt an seiner Stelle. Doch am nächsten Tag war das Kreuz nicht mehr auf seinem Sockel, wie einem Jagdpächter aufgefallen ist. Das war im Juli. Es wurde Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Dierscheider sind immer noch fassungslos. Ortsbürgermeister Dirk Laudwein berichtet: „Das ist nicht zu verstehen, was jemand mit dem Kreuz will. Es hat für die Dierscheider, neben dem Turm, eine wichtige Bedeutung und man kann sich nicht erklären, warum jemand sowas tut.“ Die Polizei vermutet einen Auftragsdiebstahl, die Dierscheider selbst sind im ersten Moment von Vandalismus ausgegangen, und davon, dass das Kreuz irgendwo im Wald gelassen wurde. Deshalb hatte die Feuerwehr eine Suchaktion im Wald gestartet, die aber erfolglos geblieben ist.

Dirk Laudwein berichtet: „Wir haben jetzt als Gemeinde auch erst einmal abgewartet, ob das Kreuz nicht doch noch von der Polizei gefunden wird, aber bisher ist das nicht der Fall.“ Im Gemeinderat wurde das Thema jetzt diskutiert und man hat beschlossen, einen Steinmetz aus Wallscheid zu beauftragen, das Kreuz zu erneuern. „Wie lange das dauern wird, bis es fertig ist, und was es kostet, können wir aktuell noch nicht abschätzen, aber für die Gemeinde Dierscheid hat es einen großen kulturellen Wert und deshalb soll es wieder an seinen Platz“, so der Ortsbürgermeister.

Das kann Hermann Loßbrand, ehemaliger Ortsbürgermeister von Dierscheid, bestätigen: „Es sollte unbedingt wiederaufgebaut werden, weil es eine besondere Bedeutung für den Meulenwald und Dierscheid hat. Dazu ist es eines der wenigen Kreuze, das von überörtlicher Bedeutung ist. Besonders ist an ihm, dass der Korpus und das Kreuz aus einem Stück gefertigt sind. Vielen Menschen ist es ein Begriff.“

Das Kreuz ist inzwischen 316 Jahre alt, steht südlich der Ortslage am Kellerberg und wurde von Johannes Wilhelm von Dischent 1702 aufgestellt. Das steht im Sockel zu lesen. Er hat es aus Dankbarkeit für seine Rettung vor Räubern aufstellen lassen. Nachdem er einen guten Handel an der Mosel gemacht hatte, hielt er in Hetzerath Einkehr und nach einigen Gläsern Wein erzählte er davon, dass er mehrere Ochsen verkauft hatte und schlug mit dem gut gefüllten Geldbeutel auf den Tisch. Als er sich auf den Heimweg machte, wurde er von zwei Räubern mit Hund verfolgt und hatte große Angst. In einer dichten Dornenhecke fand er ein Versteck und die Räuber übersahen ihn.

Zum 100-jährigen Bestehen des Hansen-Kreuzes gab es eine „Theater-Wanderung“, bei der diese Geschichte in vier Szenen nachgespielt und mit einem Dorffest verbunden wurde. 2009 war es bei einer Fackelwanderung eine Anlaufstelle und ist mit dem THW Wittlich in strahlendes Licht getaucht worden. Wenn die Arbeiten abgeschlossen und Kreuz und Sockel wieder vereint sind, werden bestimmt wieder Veranstaltungen rund um das Hansen-Kreuz stattfinden, es wird Wandern den Weg zeigen und den Dierscheidern ein vertrauter Anblick sein.

Das intakte Hansen-Kreuz in Dierscheid vor dem Diebstahl. Foto: Eifelverein
Das intakte Hansen-Kreuz in Dierscheid vor dem Diebstahl. Foto: Eifelverein FOTO: Eifelverein