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Im gelben Wagen übers Land

Zwischen 1840 und dem frühen 20. Jahrhundert waren von Pferden gezogene Postwagen zwischen Bernkastel, Morbach und Birkenfeld unterwegs. TV-Repro: Markus Philipps
Zwischen 1840 und dem frühen 20. Jahrhundert waren von Pferden gezogene Postwagen zwischen Bernkastel, Morbach und Birkenfeld unterwegs. TV-Repro: Markus Philipps FOTO: Markus Philipps (phi) ("TV-Upload Philipps"
Bernkastel-Kues/Morbach. Um das preußische Postverkehrsnetz in der Mosel-Hunsrück-Region auszubauen, hat die frühere Postverwaltung vor genau 175 Jahren eine Postverbindung zwischen Bernkastel und Birkenfeld eingerichtet. Die ehemaligen Postkurse wurden bis ins frühe 20. Jahrhundert mit Pferde-Postwagen und später mit Kraftomnibussen befahren. Markus Philipps

Bernkastel-Kues/Morbach. Bis ins beginnende 20. Jahrhundert zählten Postkutschen - die amtliche Bezeichnung ist übrigens Postwagen - neben der Eisenbahn und dem Dampfschiff zu den wichtigsten öffentlichen Verkehrsmitteln im damaligen Deutschland. Somit stellte der um 1840 erfolgte Ausbau des preußischen Post-Liniennetzes im Raum Trier eine erhebliche Bereicherung des regionalen Verkehrsangebotes dar. Die flächendeckende Einrichtung von neuen Postkursen beschleunigte zudem den Reiseverkehr sowie den Transport von Brief- und Paketsendungen.
Heimat- Geschichte(N)



Nachdem die preußische Postverwaltung am 4. August 1837 die Posthoheit im damaligen Fürstentum Birkenfeld übernahm, entstand aus den bestehenden Postkutschen-Kursen Birkenfeld-Hermeskeil und Hermeskeil -Trier eine durchgehende Schnellpost zwischen Birkenfeld und Trier. Drei Jahre später wurde an diese Verbindung eine neue Postwagen-Linie angeschlossen, die von Birkenfeld aus über Morbach nach Bernkastel führte.
Vor der Eröffnung der neuen Linie verfasste Post-Inspector Waldeyer am 25. September 1840 folgende Bekanntmachung, die im "Gemeinnützigen Wochenblatt für die Kreise Berncastel, Wittlich und die umliegende Gegend" veröffentlicht wurde: "Mit dem 1. October 1840 werden in den, im Kreise Berncastel gelegenen Orten Morbach, Thalfang, Zeltingen, Mülheim a. d. M. und Neumagen Post-Expeditionen (Ämter) eingerichtet und zur Verbindung derselben (...) Posten (Postkutschen) in Gang gesetzt (...)". Auf der neu eingerichteten Postwagen-Verbindung zwischen Birkenfeld und Bernkastel kam ein "anständiges, mit zwei Sitzplätzen für Reisende versehenes Cariol" (Postkutsche) zum Einsatz. Dieses "Cariol" hatte in Bernkastel Anschluss an die Personenpost Bingen-Trier.
Sieben Jahre später bestimmte das preußische General-Postamt in Berlin, dass zum 1. Mai 1847 eine weitere "Personenpost zwischen Kirn und Berncastel über Morbach (...) ins Leben treten soll." Gleichzeitig erhielt die zu einer "Extrapostanstalt" beförderte Postexpedition Morbach eine Posthalterei.
Als die Morbacher Postanstalt im Jahre 1876 in ein "Postamt III. Klasse" umgewandelt wurde, war der damalige Posthalter Johann Weber für den Kutschverkehr auf drei verschiedenen Postkursen verantwortlich. Diese verbanden das Morbacher Postamt mit den Poststellen Bernkastel, Idar und Birkenfeld. Webers Posthof befand sich in der Birkenfelder Straße, wo der Posthalter neben dem Amt eine Eisenwarenhandlung betrieb.
Die Postkutsche Morbach- Bernkastel fuhr täglich gegen 8 Uhr morgens im Hunsrück ab und passierte auf dem Weg zur Mosel die Dörfer Gonzerath und Longkamp. Die 17,5 Kilometer lange Fahrt endete um 10 Uhr am Gasthaus zur Post in der Bernkasteler Schanzstraße, von wo aus der gelbe Kutschwagen gegen 15 beziehungsweise 16 Uhr wieder in Richtung Morbach startete.
Den Fahrdienst übernahm zumeist der Morbacher Johann Jacobs, der stets einen blauen "Tirtesmantel" und einen halbzylindrigen Hut mit Federwedel trug. Wenn Jacobs auf anderen Strecken eingeteilt wurde, vertrat der Morbacher Peter Gorges den sogenannten "Post-Johann" auf der Fahrt nach Bernkastel. Die beiden Hunsrücker Postillione verrichteten ihren Dienst auf dem Kutschbock bis zur Einstellung der Pferdepost. Danach arbeiteten die ehemaligen Postkutscher als Landbriefträger oder Postschaffner. Am 1. August 1913 fuhr der vorerst letzte Postwagen zwischen Bernkastel und Morbach. Bereits zehn Jahre zuvor endete der Pferdepost-Verkehr zwischen Morbach und Birkenfeld.
Extra

Postautomobile fuhren erstmals am 16. Juli 1913 von Bernkastel aus über Morbach nach Idar-Oberstein. Die ehemalige Kraftpostlinie wurde jedoch schon im Verlauf des Ersten Weltkrieges eingestellt. Im Juni 1920 eröffnete die Deutsche Reichspost einen neuen Kraftpostverkehr zwischen Bernkastel-Kues und Idar-Oberstein. Die Strecke wird noch heute von der Rhein-Mosel-Bus-Verkehrsgesellschaft (DB Regio Bus) befahren. phi