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Im Kuschelkino soll's noch intimer werden

Charme der 80er: der Saal 3 im Moselkino. TV-Foto: Ursula Quickert
Charme der 80er: der Saal 3 im Moselkino. TV-Foto: Ursula Quickert
Bernkastel-Kues. Mehr Programmkino und Vip-Lounge-Flair: Etwa 100 000 Euro würden die Ausstattung des kleinen Saals im Moselkino mit digitaler Technik und eine neue Einrichtung kosten. Im Herbst könnten die Arbeiten beginnen, wenn die Verbandsgemeinde zustimmt. Ursula Quickert

Bernkastel-Kues. Liebe, Intrigen, Kriege und Mord werden im Saal 3 auf einem blauen Teppich serviert. Wer hier sitzt, blickt mit maximal 44 weiteren Cineasten auf den etwa zwei mal drei Meter großen Bildschirm. Kuschelatmosphäre. Und das soll auch so bleiben. Die Verbandsgemeinde (VG) Bernkastel-Kues trägt sich mit dem Gedanken, den kleinen Saal des Moselkinos rundum in Schale zu werfen, berichtet Leo Wächter. Der erste Beigeordnete der VG, der alleinigen Gesellschafterin der Moselkino GmbH, ist auch deren Geschäftsführer.
Die Projektoren würden - wie im Sommer 2011 bereits in den Sälen 1 und 2 geschehen - mit digitaler Technik ersetzt. Statt Stereo hätte der Besucher dann Rundum-Klang um die Ohren, und die Stars und Sternchen würden auf 4,50 mal 2,2 Metern über die Leinwand flimmern. Der blaugemusterte Teppichboden hätte ebenso ausgedient wie die Bestuhlung und Beleuchtung aus den 80ern.
Stattdessen sollen die Kinofans in eine Lounge-Atmosphäre eintauchen. Da die Stühle wegen der größeren Leinwand nach hinten rücken müssen, wäre dann nur noch Platz für 30 bis 35 Zuschauer, die sich dann als Vips fühlen können, also als bedeutende Gäste. Barbara Sossenheimer, die sich im Moselkino um die Filmauswahl kümmert, träumt von einem "durchgestylten Raum, der schon Spaß macht, wenn man reinkommt". Er soll sich vom normalen Kino also deutlich abheben.
Soll\'s denn auch Vip-Veranstaltungen dort geben, von Firmen beispielsweise? Nein, erklärt Sossenheimer, der Kinosaal könne weiterhin nur außerhalb der Öffnungszeiten gemietet werden.
Trotzdem ist da noch das "wenn". Am 13. Juni wird zunächst der Kino-Beirat der VG über das etwa 100 000 Euro teure Projekt diskutieren, teilt Wächter mit. Danach müsste noch der VG-Rat darüber abstimmen. Sagt er Ja, könnten die Arbeiten im Spätherbst beginnen, schätzt Wächter. Die Realisierung hänge auch davon ab, ob Bund und Land die Umstellung auf die digitale Technik bezuschussen. Für die Aufrüstung der Säle 1 und 2 gab\'s 45 Prozent zu den Kosten von 180 000 Euro dazu.
Dass sie sich gelohnt hat, zeigen aus Sicht Wächters und Sossenheimers die Besucherzahlen. 2011 haben sich 36 000 Menschen in Bernkastel-Kues in die Kinosessel fallen lassen, in diesem Jahr waren es schon etwa 18 000 - auch dank Zugpferden wie "Ziemlich beste Freunde".
Der Schwerpunkt im neuen Saal 3 soll auf anspruchsvollen, kleineren Produktionen liegen. Ziel ist es, flexibler auf Angebot und Nachfrage zu reagieren. 3D wird es dort allerdings nicht geben, dafür sei der Raum zu klein, erklärt Wächter.
Übrigens: Dort, wo sich heute der Saal 3 befindet, war früher die Kasse. Lange Zeit gab es nur einen Kinosaal, der dann aufgeteilt wurde. Das Foyer wurde verkleinert, um Platz für den kleinen Saal zu schaffen. So war das kleinste Schächtelchen des Schachtelkinos geboren.Extra

Während Bernkastel-Kues weiter in sein Kino investiert, ist in Wittlich kein Investor in Sicht. Das dortige "Kintim" wurde 2010 geschlossen. Weder der Pächter noch der Besitzer wollten Geld in eine Renovierung stecken. Zuletzt war die Besucherzahl von einst 60 000 auf 24 000 gesunken. Seit zwei Jahren ist das Moselkino also das einzige Lichtspielhaus im Kreis Bernkastel-Wittlich. sos/uq