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Gesellschaft
Gemeinsam schmeckt es viel besser

Das hat geschmeckt: Christa Beucher, Barbara Müller, Helga Bergweiler, Luza und Franka (von links)  genießen die gemeinsame Zeit.
Das hat geschmeckt: Christa Beucher, Barbara Müller, Helga Bergweiler, Luza und Franka (von links)  genießen die gemeinsame Zeit. FOTO: Christina Bents
Wehlen. In der Kindertagesstätte Wehlen wird integrativ gearbeitet. Seit Mai können dort auch Senioren zu Mittag essen. Von Christina Bents

Klöße mit Käsesoße und Salat stehen auf dem Speiseplan der Kindertagesstätte in Wehlen. Alle Plätze im Mehrzweckraum sind besetzt. Die Altersspanne der Besucher reicht von drei bis über 80 Jahre. Es sind rege Unterhaltungen im Gang. Es wird beispielsweise über Urlaubsziele, die Haustiere oder den Alltag im Kindergarten gesprochen.

Manchmal gibt es auch spezielle Themen. Ewald Haas, der regelmäßig hier isst, erzählt: „Vor einigen Tagen war mal mein Goldzahn Thema am Tisch. Ein Kind wollte wissen, warum ich den habe.“

Weiter sagt er: „Ich lerne hier noch fürs Leben. Als ich mit Mädchen und Jungen am Tisch saß, meinte ein Mädchen beim Hinausgehen, ich solle nicht auf die Jungs hören, die würden eh nur lügen.“

Dass solche Gespräche in der integrativen Tagesstätte möglich sind, daran hat Ortsvorsteherin Gertrud Weydert großen Anteil. „Ich finde es schade, dass Kinder und Ältere so getrennt leben. Alt und Jung gehören zusammen. Hier ist eine Chance, dass die Generationen wieder näher zueinanderkommen“, sagt sie.

Daraus ist die Idee entstanden, die sie im Kindergarten und beim Träger, dem DRK Bernkastel-Kues, vorgebracht hat. Kita-Leiterin Michaela Schuppert-Sawallisch sagt: „Bereits als es 1984 darum ging, integrativ zu arbeiten, waren wir bei den ersten in Rheinland-Pfalz, jetzt sind wir bei diesem Projekt Vorreiter.“ Seit Mai können Senioren in der Kita essen. Noch ist die Menge überschaubar. Für Gertrud Weydert ist das kein Problem. Sie berichtet: „Ich bekomme viel positive Resonanz, und die ersten Schritte sind getan. Das braucht noch Zeit, ist aber gut für beide Seiten.“ Sie ergänzt: „Das wird ein Selbstläufer.“ Dazu trägt nicht nur die Kommunikation mit den Kindern bei, sondern auch die Qualität des Essens, die die Besucher loben. Christa Beucher sagt: „Beim letzten Mal als ich hier war, gab es Hühnchen, und das war sehr gut.“ Ihre Tischnachbarin Barbara Müller erklärt: „Der Dip der heutigen Vorspeise war auch schon lecker.“

„Die Kinder haben keine Berührungsängste“, stellt Helga Bergweiler fest. Günter Kieren gefällt die Atmosphäre. Ihn freut, dass das Essen frisch und fettarm ist. „Was für die Kinder gut ist, ist auch für Erwachsene gut“, sagt er.

Der Mittagstisch mit den Senioren ist im pädagogischen Konzept der Kita verankert. Der Austausch zwischen den Generationen steht im Vordergrund. Deshalb ist es nicht möglich,  Essen zum Mitnehmen anzubieten. Zudem will man keine Konkurrenz zu anderen Anbietern sein. In einem weiteren Schritt kann sich die Kitaleitung vorstellen, dass sich die Senioren in anderen Bereichen der Kita engagieren, beispielsweise als Lese- oder Spielpaten, bei der Gartenarbeit mit den Kleinen oder bei Backaktionen. Das blocken die Senioren auch nicht ab: „Da müssen wir aber nochmal genauer über die Termine sprechen, und dann sehen wir mal“, sagt Barbara Müller und unterhält sich weiter mit ihren kleinen und großen Tischnachbarn.