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Ortsentwicklung
Zur Weinprobe in die Touristinformation

Elke Schwaab präsentiert die noch kleine Weinauswahl.
Elke Schwaab präsentiert die noch kleine Weinauswahl. FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling
Zeltingen-Rachtig/Neumagen-Dhron. Urlauber müssen in Zeltingen-Rachtig nicht zum Winzer, wenn sie Rebensaft probieren möchten. Nach dem Umzug in neue Räume beherbergt die Anlaufstelle für Touristen auch eine kleine Vinothek. Eine Ausweitung ist möglich. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist vielleicht nicht der richtige Moment. Es sind zwar Urlauber in der Touristinfo Zeltingen-Rachtig, aber die interesssieren sich nicht so sehr für Wein. „Wir sind aus dem Sauerland. Da wird Bier getrunken“, sagen sie fast entschuldigend. Grundsätzlich halten sie so ein Angebot aber für gut.

Vier Weine werden bereit gehalten, gut gekühlt in einem Behälter, der sie tagelang frisch hält. Daneben steht eine Palette mit gefüllten Kartons. Es sind die Gemeindweine, die der Ort jedes Jahr für Repräsentationszwecke auswählt. Elke Schwaab, Leiterin der Touristinformation, und Ortsbürgermeister Manfred Kappes sprechen von einer Testphase. Es sollen Erkenntnisse gesammelt werden, wie das Angebot ankommt. Tut es das, soll es ausgeweitet werden.

Hinter dem Projekt steckt auch eine logistische Veränderung. 2017 hat die Gemeinde das ehemalige Sparkassengebäude gekauft. Seit einigen Monaten befinden sich dort die Touristinformation und das Gemeindebüro.

Für die neue Anlaufstelle gilt: Sie ist groß und dient ihrem Zweck. Flair und regionatypischen Charakter hat sie aber (noch) nicht. Dabei ist sie das Entree für viele Urlauber. Zeltingen-Rachtig ist mit circa 1000 Gästebetten und 150 000 Übernachtungen nach Bernkastel-Kues der zweitgrößte Urlaubsort in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. „Viele Gäste fragen, wo sie Wein probieren und kaufen können“, berichtet Elke Schwaab.

Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach. Beim Winzer! Doch mancher Interessent scheut sich beim Winzer zu klingeln und nach einer Weinprobe zu fragen. Für den Winzer ist es auch nicht immer die reine Freude. Drei, vier Flaschen aufmachen und dann vielleicht drei oder sechs verkaufen: Das macht betriebswirtschaftlich wenig Sinn.

„In der Touristinfo hat der Gast die Möglichkeit ganz ungezwungen mit dem Moselwein in Kontakt zu kommen“, sagt Elke Schwaab. Finde er Gefallen, könne er ein paar Flaschen mitnehmen. „Einige Urlauber sind auch schon wieder gekommen und haben Wein nachgekauft“, berichtet Elke Schwaab.

Sie kann sich vorstellen, dass eine Wand einen offenen Schrank aufnimmt, in dem dann mehr Weine präsentiert werden. „Dass wir mehr als vier Weine zur Probe anbieten, glaube ich aber nicht“, sagt sie.

Das Projekt „Vinothek“ ist ein Baustein bei der Gestaltung der Touristinfo. Architekturstudenten aus Trier sind aufgerufen, sich über die Ausstattung Gedanken zu machen. Da kommt der Begriff „regionaltypisch“ ins Spiel. Auch eine Architektin, die für das Weinbauamt in Wittlich tätig ist, soll Beraterin sein. Der Zugang zu dem Gebäude soll außerdem barrierefrei gestaltet werden. Ein Ausschuss mit Vertretern des Gemeindevorstandes und der Gruppierungen im Gemeinderat wird unter anderem klären, welches Konzept tragfähig ist und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

Karl-Heinz Ehses (Weingut Ehses-Schwab) ist einer der vier Winzer, dessen Wein derzeit in der Touristinfo steht. „Das ist ein tolles Angebot“, sagt er, „der Gast kann ungezwungen probieren.“

In Neumagen-Dhron ist die Touristinfo seit 2013 auch Anlaufstelle für Weinfreunde. Dort stehen im Eingangsbereich 15 verschiedene Weine nebst den Beschreibungen der Erzeugerbetriebe. „Wir wollten vor allem etwas für die Winzer tun, die keine Straußwirtschaft haben“, sagt Ortsbürgermeister Michael Thomas. „Es kommen auch viele Einheimischen, die nicht für ein oder zwei Flaschen zum Winzer gehen“, erläutert der Ortschef. Probiert werden können die Weine allerdings nicht.

In Zeltingen-Rachtig sollen möglicht schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden. Zur Saison 2019 soll die Neugestaltung der Touristinfo angeschlossen sein, sagt Ortsbürgermeister Kappes.