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Versorgung
Mit dem Rezept zum Terminal: In Longkamp startet erste digitale Sammelstelle für Rezepte

Eine Frau schiebt in die digitale Rezeptsammelstelle ein Rezept, das anschließend eingescannt und direkt an die Apotheke übertragen wird. Medikamente können dann sofort bestellt und in der Regel noch am selben Tag an Patienten ausgefahren werden.
Eine Frau schiebt in die digitale Rezeptsammelstelle ein Rezept, das anschließend eingescannt und direkt an die Apotheke übertragen wird. Medikamente können dann sofort bestellt und in der Regel noch am selben Tag an Patienten ausgefahren werden. FOTO: dpa / Harald Tittel
Longkamp. In Longkamp ist eine digitale Sammelstelle für ärztliche Verordnungen in Betrieb genommen worden. Es ist die erste in Rheinland-Pfalz.

Behutsam steckt Leo Kolz sein Rezept in den Schlitz des unscheinbaren grauen Kastens an der Grundschule. Als die Leuchtschrift sich ändert und klar ist, dass das Rezept erfasst ist, gibt es Applaus bei den etwa anwesenden 80 Personen aus Politik und Bevölkerung.  Denn gerade hat Kolz, Ehrenbürger der Gemeinde Longkamp, als erster Patient die erste digitale Rezeptsammelstelle in Rheinland-Pfalz und die fünfte bundesweit in Betrieb genommen.

Das elektronische Gerät ersetzt den Briefkasten, den die Cusanus-Apotheke, die Marien-Apotheke und die Adler-Apotheke aus Bernkastel-Kues schon seit vielen Jahren in Longkamp betreiben. Bisher hatten Boten der Apotheken dort die Rezepte entnommen und in die jeweilige Apotheke gefahren, wo die Medikamente zusammengestellt und den Patienten dann nach Hause geliefert wurden.

Jetzt liest die eingebaute Elektronik das Rezept und überträgt die Daten über eine sichere Datenleitung in eine der angeschlossenen Apotheken. Für Patienten, die erstmals den Automaten benutzen, gibt es eine genaue Anleitung. „Das geht ratzfatz, digital und modern“, schwärmt Ortsbürgermeister Franz-Josef Klingels. Die Sammelstelle gegenüber der einzigen Arztpraxis in dem 1200 Einwohner zählenden Dorf sei ein großer Gewinn und Standortvorteil für die Gemeinde, sagt er. „Das ist jetzt ein Briefkasten mit Technik“, sagt Dr. Michael Kiefer, Vorsitzender der Bundesapothekenkammer. Gerade in dünn besiedelten ländlichen Gebieten sei die Onlineübertragung eine Verbesserung. Hinzu komme, dass man in den Apotheken auch anrufen und fragen könne, wenn Unklarheiten bestehen. Staatssekretärin Daniela Schmitt vom Wirtschaftsministerium sagt, das System versetze die Apotheken in die Lage, die Versorgung der Patienten zu gewährleisten.

Den Anstoß zum elektronischen Briefkasten am Standort Longkamp hat Sarah Sauer gegeben. Sie ist Inhaberin der Cusanus-Apotheke in Bernkastel-Kues. In einem Apothekenverbund, dem sie angehört, sei die Idee geboren worden, dass einer der Mitglieder eine digitale Rezeptsammelstelle einrichte, sagt sie. In Longkamp sei dies einfacher umzusetzen gewesen als an anderen Standorten, weil es hier bereits einen Briefkasten gegeben habe und dieser nicht explizit genehmigt werden musste.

In der Praxis sieht es so aus, dass der Kasten alle vier Monate von einer anderen Apotheke am Standort Bernkastel-Kues betreut wird. Zweimal am Tag werden die Medikamente zugestellt, sagt Michael Stöck, Inhaber der Marien- und der Adler-Apotheke. Für die Patienten ist der Service kostenlos. Die Apotheken verdienen das Gleiche wie beim Verkauf in der Apotheke. Der Bestell- und Bringservice sei eine Zusatzleistung, sagt Stöck. Die Kosten für die digitale Rezeptsammelstelle in Longkamp betragen rund 5000 Euro: etwa die Hälfte für das elektronische Bauteil selbst, die andere Hälfte für ein Dach, damit das Gerät vor Regen geschützt ist.

Der erste Patient: Leo Kolz an der digitalen Rezeptsammelstelle, gemeinsam mit Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekenkammer,  und dem Longkamper Ortsbürgermeister Franz-Josef Klingels (von links).
Der erste Patient: Leo Kolz an der digitalen Rezeptsammelstelle, gemeinsam mit Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekenkammer,  und dem Longkamper Ortsbürgermeister Franz-Josef Klingels (von links). FOTO: Christoph Strouvelle

Die digitale Rezeptsammelstelle ist vom Apotheken-Rechenzentrum Darmstadt entwickelt worden, das das Gerät im Rahmen des Pilotprojekts kostenlos zur Verfügung stellt und erstmal auch etwaige Kosten für die Wartung übernimmt.

Das Schutzdach ist von der LAV-Petrick-Stiftung finanziert worden. Die Stiftung fördert Wissenschaft, Forschung, Bildung und Erziehung zwischen Ärzten und Apotheken.