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Internet-Mobbing: Junger Mann vor Gericht

Traben-Trarbach/Trier. Ein junger Mann aus der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach steht am kommenden Montag wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten vor dem Landgericht Trier. Der Vorwurf: Er soll ein Nacktbild eines 13-jährigen Mädchens im Internet verbreitet haben. David Zapp

Traben-Trarbach/Trier. Über das Internet hatten sie sich 2009 kennengelernt. Im sozialen Netzwerk wer-kennt-wen pflegten der damals 18-Jährige aus der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach und die 13-jährige Schülerin ihre Internetbekanntschaft, schrieben sich E-Mails und chatteten miteinander. Nach einiger Zeit soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft der junge Mann das Mädchen aufgefordert haben, Nacktfotos von sich anzufertigen und diese ihm über die Internetplattform ICQ zu schicken. Nach mehrmaligem Drängen habe die 13-Jährige schließlich nachgegeben und dem jungen Mann fünf Nacktbilder von sich geschickt. In der Folgezeit sei der Kontakt zwischen den beiden eingeschlafen. Daraufhin soll der Angeklagte mindestens eines der Nacktfotos ohne Einwilligung des Mädchens über das Internet an Freunde weitergeleitet haben. Besonders tragisch für die 13-Jährige war jedoch, dass die Nacktaufnahme weiter verbreitet wurde. Vor allem fand das Bild den Weg in ihr schulisches Umfeld. Das Mädchen erstattete Anzeige. Sie hatte dem Angeklagten nicht gestattet, ihr Bild weiterzugeben.
Im Oktober vergangenen Jahres verurteilte das Amtsgericht Wittlich daraufhin den jungen Mann wegen "unerlaubter Verbreitung eines Bildnisses" in Tateinheit mit der "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches" zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 300 Euro.
"Der junge Mann bestreitet energisch die Tat", sagt Rechtsanwalt Pierre Wolff aus Bernkastel-Kues, der nach der Verurteilung seines Mandanten vor dem Amtsgericht Wittlich nun Berufung vor dem Landgericht in Trier eingelegt hat. Er behaupte, er habe lediglich Kontakt zu dem Mädchen über das Internet gehabt.
Zum Thema Cyber-Mobbing erklärt Peter Kranz, Jugendsachbearbeiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues: "Wenn ich mit Jugendlichen spreche und sie frage, ob sie auch schon Opfer von Cyber-Mobbing geworden sind, dann sagen ganz viele, dass ihnen das auch schon passiert ist. Die meisten sehen das entspannt und ärgern sich nur darüber." Das neuzeitliche Phänomen des Cyber-Mobbings über Internetplattformen wie facebook oder wer-kennt-wen sei nichts Ungewöhnliches. "Die meisten solcher Vorfälle sind Beleidigungen und Beschimpfungen, wie sie auch auf dem Schulhof passieren. So geht es dann auch im Internet weiter, im Prinzip wie auf dem Schulhof", sagt Kranz. Die wenigsten solcher Vorfälle würden zur Anzeige gebracht. "Im Internet ist die Hemmschwelle eben niedriger. Da muss man keine Angst haben, wenn man jemanden beschimpft, sofort eins auf die Nase zu kriegen", sagt Kranz.
Die Verhandlung vor der kleinen Jugendkammer des Landgerichts Trier am 16. Januar ist nichtöffentlich. Vorsitzender ist Richter Albrecht Keimburg.