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Weinbau
Jetzt locken im Wingert wieder die Sexualduftstoffe

Diese sogenannten Dispenser,  die zurzeit in vielen Weinbergen ausgebracht werden, verströmen Pheromone (Sexuallockstoffe). Sie dienen der Bekämpfung des Traubenwicklers.
Diese sogenannten Dispenser,  die zurzeit in vielen Weinbergen ausgebracht werden, verströmen Pheromone (Sexuallockstoffe). Sie dienen der Bekämpfung des Traubenwicklers. FOTO: Winfried Simon / TV
Bernkastel-Kues. Seit 30 Jahren bekämpfen die Winzer einen Rebschädling mit einer biotechnischen Methode. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Noch befinden sich die Weinreben sozusagen im Winterschlaf, die Knospen sind nach den warmen Tagen zwar schon angeschwollen, aber noch nicht aufgebrochen. Kein Grün ist zu sehen. Und dennoch werden die Reben jetzt schon gegen einen der gefährlichsten Schädlinge geschützt. Der Traubenwickler kann, wird er nicht rechtzeitig bekämpft, eine ganze  Ernte zunichte machen.

Viele Winzer bekämpfen den Traubenwickler mit einer Methode, die biologischer nicht sein könnte. Derzeit bringen sie kleine braune Kunststofffläschchen (Dispenser) aus und  befestigen sie an den Reben. Die Ampullen verströmen einen Sexuallockstoff (Pheromon). Für ein Hektar werden 500 Dispenser gebraucht.

Das Prinzip: Damit die weibliche Traubenwickler-Motte von ihrem männlichen Partner gefunden wird, strömt sie ein Pheromon aus. Durch das in den Ampullen befindliche künstlich hergestellte Pheromon wird den Männchen die Orientierung geraubt, weil so viel Sexuallockstoff in der Luft ist, dass die Männchen nicht mehr wissen, wo sie hinfliegen sollen. Sie werden regelrecht verwirrt – die Paarung fällt aus. Die Eier werden nicht  befruchtet, folglich entstehen auch keine Würmer, die über die Trauben herfallen.

Derzeit wird an der Mosel auf etwa 2500 Hektar Rebfläche das für den Menschen ungefährliche Pheromon angewendet. Das ist knapp ein Drittel der Gesamtfläche. In Rheinhessen und der Pfalz sind es 60 bis 70 Prozent.

Dort, wo keine Pheromone eingesetzt werden können, muss der Winzer chemische Mittel (Insektizide) versprühen –  aber nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Deshalb beobachten die Winzer im Frühling und Sommer genauestens das Aufkommen des Schädlings. Um das festzustellen, helfen wiederum die Pheromone. Der Sexuallockstoff wird auf klebrige Pappschachteln aufgebracht. Die männlichen Insekten folgen den Lockstoffen und bleiben am Klebstoff hängen. So kann man feststellen, wie viele Insekten sich im Weinberg befinden. Wird ein bestimmter Schwellenwert erreicht, muss der Schädling bekämpft werden. Allerdings gibt es viele Lagen, in denen der Traubenwickler kaum vorkommt und deshalb eine Bekämpfung dieses Schädlings unnötig ist.

Und warum wird das Pheromon  nicht flächendeckend eingesetzt?

Das hat mehrere Gründe, erklärt Eric Lentes, Pflanzenschutzberater  beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues. Die Anwendung mache erst dann Sinn, wenn möglichst eine große zusammenhängende Fläche mit den Sexuallockstoffen „behandelt“ wird. Der Hersteller  empfiehlt  mindestens 20 Hektar. Es müssen sich also Winzer zu Pheromon-Anwendergemeinschaften zusammenschließen, wenn sie erfolgreich gegen den Schädling vorgehen wollen. Wie zum Beispiel in  Kesten-Monzel, wo an diesem Samstag, 14. April, die Pheromondispenser ausgebracht werden.

Je kleiner die Fläche, desto teurer wird es für den einzelnen Winzer, denn die Randflächen müssen doppelt mit dem Ampullen behängt werden. Deshalb sind auch Brachen mitten in einer Weinbergsfläche aus Kostengründen unerwünscht.