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Knochenfund beim Brückenbau

Mehrere Meter rechts von dem Kran wurden die Knochen gefunden.
Mehrere Meter rechts von dem Kran wurden die Knochen gefunden. FOTO: Winfried Simon
Traben-Trarbach. Bei Bauarbeiten an der Moselbrücke bei Traben-Trarbach/Wolf sind menschliche Knochen gefunden worden. Die Kripo wurde eingeschaltet, sieht aber keine Veranlassung zu weiteren Ermittlungen. Die menschlichen Überreste stammen höchstwahrscheinlich von einem Friedhof, der sich dort vor vielen Jahrhunderten befand. Die Arbeiten an der Brücke sind nicht beeinträchtigt. Winfried Simon

Mehrere Schädel, Rippen, Bein-, Arm- und Hüftknochen von insgesamt fünf Individuen hat ein Baggerfahrer bei Arbeiten an der Brückenauffahrt in Traben freigelegt. Die Stelle befindet sich an einem kleinen Hang nur wenige Meter vom Moselufer entfernt, unterhalb der Auffahrt zu der im Bau befindlichen dritten Traben-Trarbacher Moselbrücke. Zunächst wurde die Kripo Wittlich benachrichtigt, die "den Fall" an Archäologen des Rheinischen Landesmusems Trier übergeben hat.

Grabungstechniker Bruno Kremer hat die Knochen vor Ort eingesammelt und zu weiteren Untersuchungen nach Trier gebracht. Wie alt die Knochen sind, steht noch nicht fest. Grabbeilagen, die vermuten ließen, dass die Knochen aus der Zeit des Mittelalters oder noch früher stammen, wurden nicht gefunden.

Der Leiter des Mittelmoselmuseums Traben-Trarbach und studierte Historiker, Christof Krieger, konnte das Rätsel schnell lösen: "Als mich der Beamte von der Kriminalinspektion Wittlich anrief und mir von den Knochenfunden berichtete, habe ich sofort an die ehemalige Kapelle von Rißbach gedacht."

Die dem Heiligen Stephan geweihte Kapelle sei im Jahr 1807 abgerissen worden. Krieger: "Auch wenn von einem Friedhof dort bislang nichts bekannt war, ist doch anzunehmen, dass es einen solchen zumindest in der Zeit vor der Reformation gegeben hat. Rißbach war früher ein eigener kleiner Ort." Krieger verweist auf eine Karte, die im Mittelmoselmuseum ausgestellt ist. Sie stammt von 1688, aus der Zeit als die Festung Mont Royal gebaut wurde. Der Standort der Kirche (in der Karte: "Eglise") entspreche, so Krieger, exakt dem Fundort der Skelette.

Wichtig für die Datierung der Knochen: In der Hinteren Grafschaft Sponheim und somit auch in Traben-Trarbach wurde die Reformation 1557 eingeführt. Deshalb vermutet Krieger, dass die Gräber aus der katholischen Zeit, also vor 1557, stammen, denn danach wurden die Rißbacher Bürger auf dem Trabener Friedhof beerdigt. Dies gehe aus den erhaltenen Kirchenbüchern hervor.

Die Arbeiten an der Brücke gehen unterdessen normal weiter. Die Fundstelle bleibt unberührt. Dort wurde mit dem Bagger lediglich Erde entnommen, um sie an anderer Stelle aufzufüllen.

Auf der Karte aus dem Jahr 1688, die im Mittelmoselmuseum Traben-Trarbach ausgestellt ist, ist die Rißbacher Kapelle eingezeichnet. Der Standort der Kirche (oberer Bildrand) entspricht exakt dem Fundort der Skelette.
Auf der Karte aus dem Jahr 1688, die im Mittelmoselmuseum Traben-Trarbach ausgestellt ist, ist die Rißbacher Kapelle eingezeichnet. Der Standort der Kirche (oberer Bildrand) entspricht exakt dem Fundort der Skelette. FOTO: Privat