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Kompromiss vertreibt die bösen Gedanken - Schleichweg zwischen Andel und Gewerbegebiet soll zur Einbahnstraße werden

Bernkastel-Kues. Vor einer Woche brannte die Luft, am Montag wurde sie wieder rein. Da einigte sich der Stadtrat Bernkastel-Kues auf einen Kompromiss im Streit über die Verkehrsführung in der Veldenzer Straße im Stadtteil Andel. Clemens Beckmann

Bernkastel-Kues. Was ist ein Kompromiss? Laut Duden eine "Übereinkunft durch gegenseitige Zugeständnisse". Bei Wikipedia klingt die Erklärung komplizierter meint aber dasselbe: Ein Kompromiss ist die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Da das Leben angeblich aus Kompromissen besteht, kommt auch die Entscheidung des Bernkastel-Kueser Stadtrates nicht überraschend. Danach soll der Schleichweg zwischen der Veldenzer Straße im Stadtteil Andel und dem Gewerbegebiet Andel in eine Richtung zur Einbahnstraße erklärt werden.

Vor einer Woche waren die Fronten noch verhärtet. Der Andeler Ortsvorsteher Rolf Kröhner (SPD) hatte da im Namen des Ortsbeirates im Bau-und Liegenschaftsausschuss der Stadt gefordert, dass die Veldenzer Straße in Höhe der ehemaligen Eisenbahnbrücke mit einem Pfosten geschlossen wird.
Kröhners Begründung: Zu viele Autofahrer nehmen diese angebliche Abkürzung. Sie fahren zu schnell und missachten die Vorfahrt. Außerdem sei der Wirtschaftsweg, der die Veldenzer Straße mit dem Gewerbegebiet verbindet, nicht für den Begegnungsverkehr geeignet. Er sei dafür viel zu schmal.Spaniol weist Kritik zurück


Die Mehrheit im Ausschuss hatte dieses Ansinnen zurückgewiesen. Begründung: Die Strecke sei ein Ausweichweg, wenn die Hauptzufahrt zum Gewerbegebiet einmal gesperrt sein sollte. Durch die neue DRK-Rettungswache, die im Gewerbegebiet entstehe, gewinne sie sogar noch an Bedeutung.
Das Votum sorgte dafür, dass Rolf Kröhner wutentbrannt die Sitzung verließ. Er sprach von Cliquenwirtschaft und zu wenig Demokratieverständnis (der TV berichtete).
Vor einer Woche waren Kröhner und Marc Spaniol (CDU) die Hauptprotagonisten. Sie wiederholen auch im Stadtrat ihre Sichtweisen. Spaniol weist zudem die Vorwürfe zurück. Dort melden sich auch die Vertreter der anderen Parteien zu Wort. Lothar Marmann (Unabhängige Bürgerunion), der auch lieber die größere Lösung hätte, und Robert Wies (FDP) regen dann den Kompromiss an.

Die Verbindung zwischen Gewerbegebiet und Veldenzer Straße soll als Einbahnstraße ausgewiesen werden. Aus Richtung Andel wird die Zufahrt weiter möglich sein. Gleichzeitig wird aber dafür geworben die Hauptzufahrt zu nutzen.
Wenn es nur noch in eine Richtung geht, könnte das Verkehrsaufkommen also halbiert werden.Rolf Kröhner, der dieses Mal keinen Grund sieht die Sitzung vorzeitig zu verlassen, ist da sogar noch ein Stück optimistischer. "Ich hoffe auf 75 Prozent weniger Verkehr in der Veldenzer Straße", sagt er. Dahinter steckt die Hoffnung, dass manche Kunden und Firmenangestellte die Strecke ganz meiden, wenn sie nur noch in eine Richtung zu befahren ist.

Das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues soll nun prüfen, ob diese Regelung umgesetzt werden kann. Zweifel daran gibt es im Stadtrat nicht. Und der Ortsbeirat Andel soll auch noch einmal zu Wort kommen, bevor die Verkehrsführung geändert wird. "Denn im Ortsbeirat sitzen auch gewählte Volksvertreter", sagt die Wehlener Ortsvorsteherin Gertrud Weydert (Grüne).Meinung

Lieber ein Spatz in der Hand
Es darf ruhig mal knallen in den Parlamenten. Wir sollten froh sein, dass die Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist. Ein Kompromiss ist nicht immer befriedigend. Ob er es in Andel ist, wird sich zeigen. Dass ein schmaler Wirtschaftsweg, der auch noch in einem schlechten Zustand ist, als Schleichweg in ein relativ großes Gewerbegebiet dient, ist nicht im Sinne des Erfinders. Doch den Andelern ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Eine Mehrheit für die Totalsperrung hätten sie nicht bekommen, mit dem Kompromiss können sie leben. Alle Ratsmitglieder dürfen erhobenen Hauptes nach Hause gehen. c.beckmann@volksfreund.de