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Bildung
Die Vision eines frühen Europäers

Begeisterter Applaus auch für das Ensemble Bellouve. in der vorderen Reihe im Saal des Klosters Machern in Bernkastel-Kues/Wehlen (von rechts) Stadtbürgermeister Wolfgang Port, Bürgermeister Ulf Hangert, Alexander Licht, Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, und Professor Bernhard Vogel.
Begeisterter Applaus auch für das Ensemble Bellouve. in der vorderen Reihe im Saal des Klosters Machern in Bernkastel-Kues/Wehlen (von rechts) Stadtbürgermeister Wolfgang Port, Bürgermeister Ulf Hangert, Alexander Licht, Vorsitzender der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, und Professor Bernhard Vogel. FOTO: Ursula Schmieder
Bernkastel-Kues/Wehlen . Friedenssicherung durch Einheit: Die 6. Kueser Gespräche befassten sich mit Europa als Werteordnung. Von Ursula Schmieder

Können Parallelen der heutigen Zeit und der Epoche des Gelehrten Nikolaus von Kues (1401 bis 1464) Lösungen für aktuelle Probleme aufzeigen? Professor Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, ist davon überzeugt. Bei den 6. Kueser Gesprächen (Info-Box) im Kloster Machern stellte er „Umbrüche und Aufbrüche“ der Epochen gegenüber.

Einst veränderten Naturwissenschaften und Buchdruck die Welt, heute Gentechnologie, Internet und Digitalisierung. Und der „Umgang mit dem Islam“ sorgte auch damals für Unsicherheit und Angst. Vogel griff das Bild des „frühen Europäers“ Cusanus auf, der sich für eine „Friedenssicherung durch Einheit“ aussprach - und damit für Vielfalt. Sie finde auch heute eine Übereinstimmung darin, Europa nicht erneut zum Schauplatz von Konflikten werden zu lassen. Daher sollte Vielfalt auch nicht als Hindernis, sondern als Chance begriffen werden. Cusanus’ Sicht des Menschen als Abbild Gottes bilde zudem ein Fundament für die Idee der Menschenwürde und Individualität, zentrale Grundlagen des Einigungsprozesses im Friedens- und Menschrechtsprojekt Europa.

 In einer Podiumsdiskussion befassten sich Experten mit Würde, Demokratie, Identität, Werten und Ordnungen – nur einige Aspekte der Menge an von Europa gebotenem Positivem.

Moderator Martin Thomé, früherer Präsident der Cusanus Hochschule, appellierte daher, sich nicht auf den Euro, „diese monetäre Seite zu beschränken“. Es brauche ein neues Konzept wie für eine „Global-Gemeinschaft“.

Belgiens Botschafter Ghislain D’hoop ist überzeugt vom Projekt Europa mit seinen offenen Grenzen. Wichtig sei aber, die Menschen einzubinden. Als identitätsstiftend nannte er das Abgeben nationaler Hoheitsrechte und Symbole wie verbindende Brücken und Kultur, die jeder Bürger auf den Euro-Banknoten bei sich trage. Professor Andreas Rödder, Uni Mainz, wies auf den offenen Prozess hin, Werte immer neu zu diskutieren. Es gebe nichts Schlimmeres als „Selbstgewissheit, die nichts mehr infrage stellt“ oder „diese Vorstellung, dass sich Europa nur in eine Richtung bewegen kann“. Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld sieht „spätestens seit der Finanzkrise“ Defizite vorhandener „Ordnungsrahmen“. Es seien nicht die richtigen oder sie reichten nicht aus, nannte sie als Beispiel, dass Menschen nicht mehr an die „Gleichheit vor dem Recht“ glaubten.