| 21:42 Uhr

Lautstarke Radler feuern Ruderer an

800 Ruderer aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden ruderten am Samstag bei der Regatta „Um den grünen Moselpokal“ in Bernkastel-Kues. TV-Foto: Holger Teusch
800 Ruderer aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden ruderten am Samstag bei der Regatta „Um den grünen Moselpokal“ in Bernkastel-Kues. TV-Foto: Holger Teusch
Bernkastel-Kues. Die Hälfte der Mosel zwischen Bernkastel-Kues und Graach gehörte am vergangenen Samstag den Ruderern. 800 Sportler kamen zur 64. Regatta "Um den grünen Moselpokal". Holger Teusch

Bernkastel-Kues. Die vier Männer in dem schnittigen Ruderboot auf der Mosel legen sich noch einmal so richtig in die Riemen, die Gesichter verzerrt. Vom Ufer ruft ein Radfahrer auf Holländisch noch etwas zur Motivation für die letzten Meter. Ob die Wassersportler noch etwas davon mitbekommen? Wohl eher nicht.
Durch solch einen lautstark anfeuernden Radfahrer wurden auch Sybille und Leobert Knorr auf die Regatta "Um den grünen Moselpokal" aufmerksam. "Wir kamen mit dem Fahrrad von Kloster Machern die Mosel entlang gefahren, als plötzlich jemand neben mir laut rufend fuhr", erzählt Sybille Knorr. Erst dann seien sie auf das Ruderboot, dessen Besatzung die Anfeuerung galt, aufmerksam geworden. Seitdem gehört die größte Ruderregatta auf der Mosel (diesmal kamen mehr als 800 Ruderer mit mehr als 200 Booten aus ganz Deutschland, Belgien und den Niederlanden) zum festen Urlaubsprogramm des Ehepaars aus Hückelhoven bei Aachen. "Am beeindruckendsten finde ich die Achter. Da ist so richtig Kraft dahinter", sagt der 64-jährige Leobert Knorr.
Zwei Kilometer vom Kueser Moselufer bis in Höhe Graach und zurück, insgesamt vier Kilometer, das ist die Strecke der Moselregatta, eine sogenannte Langstrecke. International, beispielsweise bei Olympischen Spielen, werden die Rennen über die halbe Distanz ausgetragen.
Trotzdem ist die Moselregatta für viele ein Einstieg in den Wettkampfsport. "Die vielen unterschiedlichen Rennen, da ist für jeden etwas dabei, egal ob man Anfänger ist oder erfahrener Master-Ruderer", sagt Christof Naploszek. Der Damen-Achter des Trainers vom Ruderclub Sorpesee aus dem Sauerland bestreitet bei der Moselregatta sein erstes Rennen. "Die Atmosphäre ist einfach toll. Vor dem Rennen hat man so ein Kribbeln im Bauch", erzählt Melanie Becker. Doch wenn die Startglocke ertönt, bekommen die Ruderer vom Drumherum und auch von der Landschaft nicht mehr viel mit. "Wenn man sich warm fährt, kann man ein bisschen auf die Landschaft schauen, aber während des Rennens gar nicht", erzählt Nicole Stiefermann. Je nach Leistungsklasse zwischen zwölf und 20 Minuten ist höchste Konzentration gefragt. Und auch die Rufe der am Ufer mitradelnden Vereinskameraden dringen nur gedämpft zum Ohr der Sportler.Extra

Für den Bernkasteler Ruderverein (BRV) und die Rudergesellschaft Zeltingen (RGZ) ist die Regatta ein Kraftakt. Rund 80 Helfer sind im Einsatz. Auch die Sportler, die selbst mitrudern, helfen mit. Die Ruderer der BRV-Leistungsgruppe bauten beispielsweise freitags Anlegestege auf. "Das ist selbstverständlich, dass man mit anpackt", sagt Ex-Weltmeister Jost Schömann-Finck. Außerdem waren die Feuerwehr Zeltingen-Rachtig, Wasserwacht und Wasserschutzpolizei im Einsatz. teu