| 11:44 Uhr

Umwelt
Manche Falter gibt es nur noch an der Mosel

Steillagen mit Felsen und Natursteinmauern sind ein bevorzugter Lebensraum auch seltener Falter, wie Lea Jäger täglich erlebt.
Steillagen mit Felsen und Natursteinmauern sind ein bevorzugter Lebensraum auch seltener Falter, wie Lea Jäger täglich erlebt. FOTO: Ursula Schmieder
Heidenburg/Kesten/Pommern. Lea Jäger aus Heidenburg forscht in den Weinbergen. Von Ursula Schmieder

Lea Jäger ist um ihren Arbeitsplatz zu beneiden - zumindest von April bis September. Dann ist sie praktisch täglich in Weinbergen unterwegs, vor allem in Steillagen mit Ausblicken ins Moseltal. Doch die Heidenburgerin interessiert sich weniger für Panoramen als vielmehr für Schmetterlinge. Ihnen gilt die besondere Aufmerksamkeit der Doktorandin, die seit 2016 über Vorkommen und Verhalten von Tagfaltern promoviert. Dafür schaut sie sich immer wieder in einem abgegrenzten Untersuchungsgebiet an der Untermosel um. Es besteht aus acht Rebflächen und zirka 400 Meter „Randstrukturen“ wie Wege, Raine oder Böschungen bei Pommern.

 Die Flächen des 2012 gestarteten Projektes „Biodiversität in Weinbausteillagen“ (Info-Box) ging anfangs ein größeres Team etwa alle zwei Wochen ab. Jäger tut das nun etwa einmal im Monat „in langsamem Schritttempo“ – in Pommern und einer kleinen Enklave in Kesten. Dabei notiert sie, welche Tagfalter sie GPS-genau wo und bei welchen Aktivitäten beobachtet. Einmal erfasste Schmetterlinge werden markiert, was Rückschlüsse auf ihr Verhalten und ihre Zahl erlaubt. Beobachtet Jäger Smaragdeidechsen oder Schlingnattern, hält sie das ebenfalls fest. Doch hauptsächlich geht es ihr um Tagfalter, deren Vorkommen seit 2014 relativ stabil seien in Pommern. Ebenso zeichne sich schon heute ab, dass angelegte Fahrterrassen die Artenvielfalt nicht beeinträchtigen, sondern eher förderten. Es gebe dort „deutlich mehr Arten als in Falllinien oder Laufterrassen“ und erst recht als in stark verbuschten Brachen. Für sie ist das ein Indiz für eine gute Vereinbarkeit von „Landwirtschaft und Artenvielfalt“.

 Die Steillagen an Unter- und Mittelmosel unterscheiden sich laut Jäger dadurch, dass sie in Pommern noch steiler sind und es im engeren Flusstal auch noch etwas wärmer ist. Ihre Attraktivität für Tagfalter bestehe in den dort typischen „kleinräumigen“ Strukturen „mit Mauern, Felsnasen, Steinkegeln, alten Terrassen und Handbewirtschaftung“. Genau dort fühlen sich Tagfalter wohl – und auch viele vom Aussterben bedrohte Arten wie der Rote Scheckenfalter, in Pommern die zweithäufigste Art, oder der Apollofalter. Ihn gibt es laut Jäger „fast nur noch an der Mosel“. Etwa 20 Prozent der in Pommern nachgewiesenen um die 55 Tagfalterarten seien bedroht. Insgesamt in Deutschland heimisch seien etwa 190 Arten, einschließlich der im alpinen Raum lebenden Tagfalter.

 Ab Oktober beginnt für Jäger ihre „Schreibtischzeit“. Dann werden die über den Sommer handschriftlich erfassten und danach digitalisierten Daten aufbereitet. Die Exkursionen im Freien werden ihr dann zwar fehlen, obwohl sie bei heißen Temperaturen auch sehr anstrengend sind. Dennoch hat sie ihren Traumberuf gefunden: „Es macht einfach viel Spaß.“

Faszinierende Vielfalt in den Weinbergen. Ein Apollofalter sucht hier Nahrung.
Faszinierende Vielfalt in den Weinbergen. Ein Apollofalter sucht hier Nahrung. FOTO: TV / Lea Jäger
Schwalbenschwanzfalter
Schwalbenschwanzfalter FOTO: TV / Lea Jäger