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Leidender Erlöser aus Eichenholz

BENGEL. Aquarelle malt der Bengeler Hobby-Künstler Erich Schwind schon seit mehr als 40 Jahren. Für sein neuestes Kunstwerk hat er jedoch keinen Pinsel, sondern Kreissäge, Schlägel und Stecheisen zur Hand genommen. In rund 200 Arbeitsstunden schuf der 73-Jährige ein beeindruckendes, mannshohes Holz-Kruzifix. Von unserem Redakteur <br>AXEL MUNSTEINER

Landschaften und Blumen - das waren die bevorzugten Motive, die der gebürtige Alfer Erich Schwind auf Leinwand verewigte. Doch nun stand er in seiner in der Garage untergebrachten Künstlerwerkstatt vor einer weitaus größeren Herausforderung: "Ich hatte richtig Angst, mich an das Gesicht des gekreuzigten Christus heranzuwagen", gesteht der Hobby-Künstler aus Bengel.Aus einem 30 Zentimeter hohen, geleimten Eichenholz-Block wollte der 73-Jährige ein 1,60 Meter großes und fast 60 Kilo schweres Kruzifix schaffen. Erst Anfang August hatte er damit begonnen, mit der Kettensäge zunächst die groben Konturen der späteren Jesus-Figur aus dem Holzblock herauszusägen. Für die Feinarbeit war anschließend ein großes Arsenal an verschiedenen Stecheisen und ein Holzschlägel nötig. Dabei legte der Hobby-Künstler, der im vorigen Jahr an der B 49 das hölzerne Hinweisschild auf das Kloster Springiersbach angefertigt hatte, ein enormes Arbeitstempo vor: Inzwischen ist der leidende Christus bis auf einige Feinheiten am Haupt und an der Dornenkrone fertig.In Oberammergau die Technik erlernt

Auch das 3,30 Meter große Eichenholz-Kreuz, an das die plastische Darstellung des Gottessohnes später angeschraubt wird, liegt in Schwinds Werkstatt bereits parat. "Beim Schnitzen die richtigen Proportionen des Körpers hinzubekommen, ist eine der schwierigsten Aufgaben", blickt der 73-Jährige auf seine kreative Arbeit in den vergangenen Wochen zurück.Zumal sich Schwind erst seit vorigem Jahr intensiver mit der Holzschnitzkunst beschäftigt. Schon früher hatte er zwar das Holzgeländer seines Balkons selbst angefertigt und auch bei den anderen Arbeiten an seinem Haus mit dem Natur-Werkstoff auf die Hilfe eines Schreiners verzichtet, doch erst ein Kurs im bayrischen Oberammergau machte ihn mit der richtigen Technik bei der Holzschnitzkunst vertraut.Dass er sich gerade für sakrale Kunst besonders interessiert, erklärt Schwind auch mit seiner beruflichen Tätigkeit. 27 Jahre war der Mann aus Bengel als Busfahrer tätig. "Allein in Rom bin ich 89 Mal gewesen", sagt er. "Manche meiner Kollegen haben bei Besichtigungen lieber im Bus gesessen und Bild-Zeitung gelesen, ich bin, wo und wann immer es ging, mit in die Museen rein", erzählt Schwind. Doch erst in diesem Jahr wagte er sich daran, mit dem Kruzifix sein erstes größeres Kunstwerk aus Holz zu schaffen. Das Ergebnis ist eine beeindruckende Darstellung des gekreuzigten Jesu. Und was Schwind besonders stolz macht: "Ich glaube, es ist mir gelungen, die Leiden Christ in seinem Gesichtsausdruck zu zeigen."Wer Erich Schwinds Holzkruzifix selbst in Augenschein nehmen will, kann dies im Rahmen der Ausstellung "Kunst im Alftal" tun.Sie ist vom 13. bis 21. September in der historischen Ölmühle in Bengel zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Neben den Holzschnitz-Werken und Aquarellen von Erich Schwind erwarten die Besucher dann Aquarelle von Brunhilde Wagner, Plastiken und Malerei von Walter Mangold und Fotos von Hans Engel. Bernd Krewer liest zudem aus Jagdbüchern. Die Vernissage findet am Samstag, 13. September, ab 17.30 Uhr statt und wird musikalisch vom "Alphorntrio" und dem "Waldhornquintett" umrahmt.