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Lieser
Letzte Ruhe unter Laubbäumen

Rechts ist Bernkastel-Kueser Gemarkung, links von der Straße beginnt das zu Lieser gehörende Land. In dem 16 Hektar großen Waldgebiet könnte ein Ruheforst entstehen.
Rechts ist Bernkastel-Kueser Gemarkung, links von der Straße beginnt das zu Lieser gehörende Land. In dem 16 Hektar großen Waldgebiet könnte ein Ruheforst entstehen. FOTO: Beckmann Clemens
Lieser. Es gibt Pläne für einen Bestattungswald auf Lieserer Gemarkung. Am 27. Juli sollen die Bürger über das Projekt informiert werden. Die Pläne könnten sogar für die Gemeinde finanziell attraktiv werden. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Es ist noch nicht mehr als eine Idee, ein Projekt, dass auch noch nicht in den Kinderschuhen steckt. Doch wenn vor allem die Bürger ihre Zustimmung geben, könnte auf dem Lieserer Plateau in absehbarer Zeit ein Bestattungswald entstehen. Dort liegt unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Bernkastel-Kues ein 16 Hektar großer Laubwald, der eine solche Ruhestätte für Urnen aufnehmen könnte.

Zwei Mal haben sich Vertreter des Forstes, Mitarbeiter der Gesellschaft RuheForst, der Inhaber eines auf Bestattungswäder spezialisierten privaten Beratungsbüros und der Lieserer Ortsbürgermeister Reinhard Barthen in diesem Frühjahr getroffen. Das Ergebnis trägt Gerhard Hanke, der Inhaber des Beratungsbüros, in der Sitzung des Ortsgemeinderates vor. „Nach eingehenden Begutachtungen und Besprechungen ist der Standort im Gemeindewald Lieser aufgrund der Waldstruktur, der Verkehrslage und der bereits vorhandenen Infrastruktur, zum Beispiel Parkmöglichkeiten, Gastronomie, Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, für einen Bestattungswald bestens geeignet.“ Man benötige natürlich erst einmal nicht das gesamte Gelände, sondern könne sukzessive vorgehen.

Gerhard Hanke kennt sich in dem Metier aus. Der pensionierte Forstdirektor und langjährige Ortsbürgermeister von Waldalgesheim (Rheinhessen), war der Antreiber für einen Bestattungswald in seiner Heimatgemeinde. Seit September 2010 betreibt der Ort in der Nähe von Bingen und Mainz eine solche Ruhestätte.

Über die Anzahl der Bestattungen will Hanke nichts sagen um keine zu großen Erwartungen und Hoffnungen zu wecken. Laut Presseberichten wurden dort nach fünf Jahren aber schon etwa 1000 Beisetzungen gezählt. Und 6000 Plätze seien verkauft worden. Das zeigt, dass viele Leute schon zu Lebzeiten Vorsorge für ihren letzten Ruheort treffen.

Wie sieht so ein Bestattungswald aus? Im Abstand von eineinhalb bis zwei Metern um einen Baum herum wird es in der Regel zwölf Beisetzungsstellen geben. Die preiswerteste Beisetzung kostet in Waldalgesheim 895 Euro. Folgekosten gibt es dort nicht.

Wer ganz alleine unter einem Baum liegen möchte oder einen Ort für die ganze Familie haben will, kann einen ganzen Baum erwerben. Der Kaufpreis beginnt dann bei 3400 Euro. Je nach Durchmesser wird er teurer. Pro Bestattung kommen noch 300 Euro hinzu.

Die Bäume sind auf 100 Jahre vor Abholzung geschützt. Teil eines solchen Bestattungswaldes muss, so Hanke, auch ein Besinnungsplatz sein, auf dem als christliches Symbol ein Kreuz steht.

Bei 100 Bestattungen pro Jahr könne mit Bruttoeinnahmen von 270 000 Euro gerechnet werden, erläutert Hanke. Die Ausgaben beziffert er auf 135 000 Euro. Der Gemeinde blieben also 135 000 Euro. Bei den Summen geht er davon aus, dass die Gemeinde Lieser ein Büro wie die RuheForst GmbH mit Sitz in Erbach (Odenwald) mit ins Boot nimmt und an den Einnahmen beteiligt.

Der in diesem Beispiel genannte Gewinn bliebe dem Ort zu 100 Prozent, sagt Hanke. Es müssten keine Umlagen davon bezahlt werden. Die RuheForst GmbH berate bundesweit 65 Orte mit Bestattungswäldern, berichtet Mitarbeiter Matthias Budde. Der nächste Bestattungswald liegt in Niederhosenbach (Kreis Birkenfeld). Das, so Gerhard Hanke, garantiere Lieser ein großes Einzugsgebiet von 50 bis 60 Kilometern. Man könnne sich auf viele Nutzer aus dem Raum Trier einstellen. Die Teilnehmer an einer Beerdigung könnten über einen Waldweg fahren und auch parken und im weiteren Verlauf des Weges drehen, sagt Revierleiter Martin Hermanns.

In Morbach war 2015 ein Antrag für einen Bestattungswald gescheitert (siehe Info). In Waldalgesheim sei der Bestattungswald akzeptiert. „Wir sind überrollt worden“, sagt Hanke. Der Bestattungswald sei quasi Teil des Lebens in dem 4000 Einwohner zählenden Ort.

In Lieser sieht er ebenfalls ideale Voraussetzungen. Man könne es auch drehen und wenden, wie man wolle: Aber die Bestattungskultur habe sich geändert und werde es weiter tun.

Ob die Gemeinde ein Beratungsbüro einschaltet und wer das sein wird, entscheidet sich erst nach einer Einwohnerversammlung. Die soll, so Ortsbürgermeister Barthen, für den 27. Juli terminiert werden. Dann wird auch Gerhard Hanke wieder nach Lieser kommen.

Dieser Versammlung hat der Gemeinderat mit einer Gegenstimme zugestimmt. Die Neinstimme kommt von Friedrich Zeltner. Er moniert, die Diskussion sei bereits auf einem Stand, der von der Verwirklichung des Projektes ausgehe.

Der Rest des Rates sieht das aber anders. Es gehe darum sich zu informieren. Wenn es keine Akzeptanz bei den Bürgern gebe, werde das Projekt nicht angegangen, versichert entsprechend auch der Ortsbürgermeister.