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Fackelschwimmen
Hunderte Lichter und ein schwimmender Schlitten auf der Mosel

Rund 180 Taucher und Rettungsschwimmer stürzten sich am ersten Dezember-Samstag in die dunklen Fluten der Mosel in Bernkastel-Kues, um beim 41. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus den Nikolaus auf einem Ruderboot zu begleiten.
Rund 180 Taucher und Rettungsschwimmer stürzten sich am ersten Dezember-Samstag in die dunklen Fluten der Mosel in Bernkastel-Kues, um beim 41. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus den Nikolaus auf einem Ruderboot zu begleiten. FOTO: Holger Teusch
Bernkastel-Kues. Beim Fackelschwimmen in Bernkastel-Kues herrscht am ersten Samstag im Dezember mittlerweile ein Andrang wie beim Weinfest. Diesmal mussten rund 180 Unerschrockene kräftig mit ihren Flossen paddeln, um durch die Mosel zum Glühweinstand zu kommen. Von Holger Teusch

(teu) Die Temperaturen legen die Vermutung nahe, aber der schwimmende Schlitten ist nicht Kalle Huwers Antwort auf den Klimawandel. Der hölzerne Kufenflitzer stand ursprünglich als winterliche Dekoration im Garten seiner Frau. „Im letzten Jahr beim 40. Jubiläum des Fackelschwimmens habe ich mir gedacht, irgendetwas musst du machen - und habe den Schlitten gesehen“, erzählt der 61-Jährige schmunzelnd. Er montierte einen kleinen Weihnachtsbaum, ein großes Geschenk, einen wärmeresistenten Schneemann und viel LED-Beleuchtung auf die Sitzfläche und montierte den Schlitten auf einer Styropor-Platte. Fertig war der schwimmende Schlitten.

Mit diesem im Schlepptau paddelte der Bernkastel-Kueser auch am vergangenen Samstagabend bei der 41. Auflage des Fackelschwimmens mit rund 180 weiteren Tauchern und Rettungsschwimmern vom Bernkastel-Kueser Hafen bis zur Moselbrücke auf Bernkasteler Seite durch die dunklen Moselfluten. „Das Bad in der Menge macht Spaß“, erzählt Huwer. Dicht an dicht, in mehreren Reihen hintereinander stehen die Zuschauer auf der Moselbrücke, um den laut gröhlenden Lindwurm von Fackeln, bengalischen Lichtern und eben geschmückten Flößen wie Huwers Schlitten zu beobachten. „Die teilnehmenden Tauchervereine lassen sich immer mehr einfallen“, freut sich Petra Keukert-Kraemer, bei der beim Ausrichterclub Sporttaucher Oktopus die organisatorischen Fäden zusammenlaufen.

„Wenn man bedenkt, wie das mit zehn, zwanzig Leuten angefangen hat. Damals sind die Taucher mit ihren Flossen anschließend wie durch eine Geisterstadt gewatschelt“, erinnert sich Zuschauerin Andrea Feld-Schäfer an die Anfänge. Damals habe es in einer Gaststätte Kneipenverbot für Taucher gegeben. Die kämen zu nass in die Stube, habe der Wirt das begründet, erzählt Keukert-Krämer lachend eine Anekdote aus vergangenen Zeiten. Jetzt sei die Stadt beim Fackelschwimmen ähnlich gut besucht wie beim Weinfest, meint Feld-Schäfer.

Kalle Huwer aus Bernkastel-Kues zog seinen weihnachtslich dekorierten schwimmenden Schlitten beim Fackelschwimmen hinter sich her.
Kalle Huwer aus Bernkastel-Kues zog seinen weihnachtslich dekorierten schwimmenden Schlitten beim Fackelschwimmen hinter sich her. FOTO: Holger Teusch

Die vielen Tausend Schaulustigen haben diesmal viel Zeit zum Beobachten. Denn nachdem Hochwasser die Fackelschwimmer im vergangenen Jahr in Rekordgeschwindigkeit die etwa 1,5 Kilometer lange Strecke hinunter getrieben hatte, wurde den Unerschrockenen diesmal trotz sechs Grad kaltem Moselwassers richtig warm. „Letztes Jahr war es einfacher, da war die Strömung stärker“, erzählt Bastian Hilgert, als er an der Mündung des Tiefenbachs zusammen mit Tobias Dick an Land geht. „Dieses Mal musste man ganz schön paddeln, um hier hin zu kommen. Aber es macht super viel Spaß, einfach cool, wenn die Leute auf der Brücke stehen“, sagt der 35-Jährige aus Bernkastel-Kues. „Es war wärmer als erwartet, aber jetzt freue ich mich trotzdem auf den Glühwein“, ergänzt Tobias Dick (33). Das nächste Mal wollen sie wieder mitmachen. Dann dürfe es auch ruhig etwas frostiger sein.

Aber bitte nicht zu frostig, meint Petra Keukert-Kraemer. Denn vereiste Stege machen den Ein- und Ausstieg für die Fackelschwimmer schwieriger und gefährlicher. In vier Jahrzehnten sei bisher allerdings noch nie etwas passiert. Selbstverständlich ist, dass die Schwimmer nur entsprechend ausgerüstet mit Taucheranzug, Füßlingen und Handschuhen ins kalte Wasser steigen. Einen vierstelligen Betrag habe sein sogenannter Trockenanzug, unter dem er sich mit Skiunterwäsche warm hält, gekostet, erzählt Kalle Huwer.

Rund 180 Taucher und Rettungsschwimmer stürzten sich am ersten Dezember-Samstag in die dunklen Fluten der Mosel in Bernkastel-Kues, um beim 41. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus den Nikolaus auf einem Ruderboot zu begleiten.
Rund 180 Taucher und Rettungsschwimmer stürzten sich am ersten Dezember-Samstag in die dunklen Fluten der Mosel in Bernkastel-Kues, um beim 41. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus den Nikolaus auf einem Ruderboot zu begleiten. FOTO: Holger Teusch

Warm anziehen muss sich auch der Nikolaus auf der Barke des Bernkasteler Rudervereins, den die Fackelschwimmer begleiten. Aber als er an Land geht, wird ihm auch schnell warm. Denn Hunderte Kinder warten bereits darauf, dass der heilige Mann ihnen Schokolade verteilt.

Kalle Huwers Schwimm-Schlitten wird derweil bereits gut verstaut. Er landet nicht mehr als Dekoration im Garten, sondern wartet auf seinen nächsten Einsatz auf dem Wasser. Seine Frau hat einen neuen Schlitten bekommen, um den Vorgarten weihnachtlich zu gestalten.

41. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus in Bernkastel-Kues FOTO: Holger Teusch