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Manege frei für 118 Kinder

Unter Anleitung der Artisten wagen sich die ersten Schüler auf das Drahtseil. TV-Foto: Klaus Kimmling
Unter Anleitung der Artisten wagen sich die ersten Schüler auf das Drahtseil. TV-Foto: Klaus Kimmling
Die Burg-Landshut-Schule in Bernkastel-Kues besteht seit 30 Jahren. Die Schule lässt sich das Jubiläum etwas kosten. Die Kinder treten in einem Circus auf, der sich auf die Arbeit mit Schülern spezialisiert hat. Von unserem Redakteur Clemens Beckmann

Bernkastel-Kues. "Macht nicht so einen Zirkus!" Dieser Satz fällt oft, wenn sich Kinder zu sehr in den Vordergrund spielen. Die 118 Schüler der Burg-Landshut-Schule in Bernkastel-Kues werden in dieser Woche aber geradezu aufgefordert, Zirkus zu veranstalten. Der Circus Casselly hat eines seiner drei Zelte an der Schule aufgeschlagen. Bis Freitag trainieren die Artisten die 118 Schüler für zwei Auftritte am 4. September.

Die Förderschule feiert ihren 30. Geburtstag. Besucht wird sie von Kindern und Jugendlichen mit Lernbehinderung, Konzentrationsschwächen und Wahrnehmungsproblemen. Die Schüler kommen aus den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Neumagen-Dhron und aus der Einheitsgemeinde Morbach.

"Wir wollten keinen Mammutfestakt, von dem die Kinder nichts haben. Sie sollen das Jubiläum selbst gestalten", begründet Schulleiter Jürgen von Randow das ungewöhnlich anmutende Programm.

Bei der Suche nach etwas Besonderem stießen die Verantwortlichen auf den Circus Casselly. Seit etwa zehn Jahren ist das Unternehmen darauf spezialisiert, im Rahmen von Projektwochen Schülern das kleine Artisten-Einmaleins beizubringen. Lehrer Andreas Huhn hat einen solchen Auftritt bereits einmal verfolgt und war der Ideengeber. "Auch die Kollegen sind aus dem Häuschen", freut er sich.

"In jedem Kind steckt etwas, jedes Kind kann etwas. Es ist unsere Aufgabe das herauszuholen", erläutert Maria Casselly. Sie liegt damit auf einer Wellenlänge mit Jürgen von Randow. "Wenn man sich Mühe gibt und etwas mit Freude macht, kommt was dabei heraus", sagt er. Auch die Körperhaltung werde geschult, ergänzt Jonny Casselly.

Clown, Jongleur, Seiltänzer, Akrobat, Dresseur: Die Kinder können wählen, was sie machen. Die neunjährige Lea probiert bei der Präsentation alles aus, weiß aber schnell, was sie will. "Seiltanzen", sagt sie. Der elfjährige Paul und der gleichaltrige Max wollen sich mit den Lamas, Ponys und Ziegen beschäftigen. Auch wenn das Stallausmisten zum Programm gehört. Rene (13) versucht sich als Fakir und legt sich gleich einmal auf ein Nagelbrett. "Es hat nicht weh getan", sagt er. Mut gehört trotzdem dazu.

Die Kinderaugen sind groß. Sie weiten sich noch, als Antonio Casselly Anlauf nimmt, auf einem kleinen Trampolin Schwung holt und mit elegantem Salto sechs nebeneinander stehende Lehrerinnen überspringt

9000 Euro lässt sich die Schule das Projekt kosten. Durch Spenden, den Erlös aus einer Tombola und den Verkauf von Eintrittskarten für die Vorstellungen (Samstag 12.30 und 14.30 Uhr) sollen die Kosten wieder eingespielt werden. "Das ist Mal ganz was anderes für Kinder", sagt Celia Kerpen, Mitglied im Schulelternbeirat. Sie hofft, dass durch das Projekt der Gemeinschaftssinn wächst.