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Maria Krüger bringt ihre Kundinnen unter die Haube

Mit Leib und Seele Friseurin: Die 85-jährige Maria Krüger bedient noch gerne ihre Stammkunden, wie hier die 88-jährige Jeanne Hewel. TV-Foto: Marita Blahak
Mit Leib und Seele Friseurin: Die 85-jährige Maria Krüger bedient noch gerne ihre Stammkunden, wie hier die 88-jährige Jeanne Hewel. TV-Foto: Marita Blahak
Sie bringt ihre Stammkunden immer noch unter die Haube - Friseurin Maria Krüger steht als älteste Frau im Familienbetrieb "Friseur Krüger" in Wehlen ihren Mann. Haare sind ihr Element - auch im hohen Alter bedient sie noch ihre Stammkunden. Am Samstag, 28. Februar feiert die rüstige alte Dame ihren 85. Geburtstag.

Wehlen. Strähne für Strähne rollt Maria Krüger die Haare ihrer Stammkundin Jeanne Hewel auf Wickler. "So, und jetzt bring' ich dich unter die Haube", sagt die Friseurin schmunzelnd. Denn mit dieser doppeldeutigen Aussage kam sie nicht immer gut an: "Vor vielen Jahren fand eine Junggesellin das gar nicht lustig und hat daraufhin unseren Laden nie wieder betreten." Ihre Stammkunden lassen sich von der passionierten Friseurin gerne in die Haare fassen. "Ich komme schon seit mehr als sechs Jahrzehnten zu Maria Krüger und fühle mich wohl unter ihren Händen", bestätigt die 88-jährige Jeanne Hewel. Und Maria Krüger lässt keine ihrer Kundinnen im Stich. Wer nicht zu ihr kommen kann, den besucht sie mit ihrem Auto zu Hause. Auch wenn der Familienbetrieb "Friseur Krüger" mittlerweile in vierter Generation von den beiden Enkelinnen geführt wird, hat die resolute Oma noch ihren festen Platz. "Aber mein Kundenstamm schrumpft immer mehr", bedauert die Friseurin, "Der Herrgott nimmt mir nach und nach alle meine Kunden weg."

Wenn sie von den früheren Zeiten erzählt, spürt man ihre große Liebe und Leidenschaft zu ihrem Beruf. Seit mehr als 60 Jahren sind Köpfe und Haare das Element, in dem sich Maria Krüger wohlfühlt. Ihr Vater Josef Klaus war bereits 1924 als Dorffriseur in Wehlen tätig, Bei ihm hat Tochter Maria Haare geschnitten und Bärte rasiert - damals noch auf "Rasierkarte". Später führte sie mit ihrem Mann, Friseurmeister Kurt Krüger, das Geschäft weiter.

Vom Ondulieren zur beliebten "Olympia-Rolle" der Damen, von den ersten Haarfarben bis zur Pomade bei den Männern, von der Wickeltechnik zur Fönfrisur - Maria Krüger hat den ganzen Werdegang vom Haareschneiden bis zur modernen Frisurtechnik aktiv miterlebt.

"Wir haben klein angefangen und früher auch keinen Feierabend gekannt", sagt sie. Da wurde oftmals bis in die Nacht gearbeitet, und am frühen Morgen ab 5 Uhr standen bereits die ersten Kunden vor der Tür. "Wir haben für unser Geschäft gelebt", gibt die 85-jährige gerne zu. "Du und dein geliebter Laden", sagte mein Mann oft zu mir, wenn es mal wieder spät wurde. In einem Schaukasten ist noch jede Menge "Werkzeuge" aus historischem Friseurhandwerk zu bestaunen. "Sich Ruhe gönnen?" - das könne sie noch, wenn sie einmal alt ist. Denn Maria Krüger ist mit Leib und Seele Friseurin, "das Kreative steckte schon immer in mir drin, und Neues hinzuzulernen war spannend".

Die Leidenschaft zum Beruf hat sie an die nachfolgenden Generationen im Betrieb, ihre Tochter und ihre Enkelinnen weitervererbt. "Solange meine Kunden es wünschen, werde ich sie noch weiter unter die Haube bringen", beteuert Maria Krüger mit einem spitzbübischen Lächeln.