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Maria und Josef "höppten vor Freud"

Die Macher der Ausstellung: Dr. Marianne Bühler (Mitte) liest Elke Scheid und Axel Berger aus einer hebräischen Bibel vor.Foto: Petra Geisbüsch
Die Macher der Ausstellung: Dr. Marianne Bühler (Mitte) liest Elke Scheid und Axel Berger aus einer hebräischen Bibel vor.Foto: Petra Geisbüsch
WITTLICH. 77 Bibeln aus privaten Haushalten der Stadt sind bis zum 29. November in der Stadtbücherei und im angrenzenden Emil-Frank-Institut zu sehen. Die Bandbreite reicht von Mini- und Kinderbibeln über Exemplare in hebräischer und griechischer Sprache bis hin zu prächtig illustrierten Haus- und Familienbibeln. Von unserer Mitarbeiterin <br>PETRA GEISBÜSCH

Das Buch der Bücher in seiner ganzen Vielfalt wollten die Ausstellungsmacher präsentieren. Dr. Marianne Bühler und Axel Berger vom Emil-Frank-Institut und Elke Scheid von der Stadtbücherei hatten die Bewohner Wittlichs aufgerufen, ihre privaten Exemplare für diese Ausstellung mit Lokalkolorit auszuleihen. Das Ergebnis: eine sehr persönliche Sammlung von 77 Exemplaren, für deren Studium der Besucher sich ausreichend Muße mitbringen sollte. Dabei kann ihm der parallel erschienene Katalog praktische Hilfestellung geben.Jeans, Gold und Elfenbein

Zur Ausstellungseröffnung gratulierte Bürgermeister Ralf Bußmer zum gemeinsamen Projekt von Institut und Bücherei, das für die hervorragende Zusammenarbeit beider Institutionen spräche. Der erwünschte private Charakter der Ausstellung zeige sich besonders dort, wo die Urgroßmutter mit feinen Bleistiftstrichen ihre Gedanken an den Rand geschrieben habe und auf diese Weise den Nachfahren einen Einblick in ihre damalige Gedankenwelt gewähre.Vom Buch der Superlative sprach Axel Berger, der einen Überblick über die Geschichte der Bibel gab. "Exemplare im Jeanslook, mit und ohne Illustrationen, handgeschnitzte Buchdeckel mit Gold- und Elfenbeinverzierung, mit und ohne Kommentierungen, bis hin zu Ausmalbibeln für Kinder gibt es da zu sehen." Zumindest Teile der Bibel sind in 1800 Sprachen auf dem ganzen Erdball übersetzt. Im Zeitalter von Taschenbuch und CD-Rom sei längst jedem ein Exemplar seiner Wahl erschwinglich, was allerdings nicht unbedingt die Wertschätzung gegenüber dem Wort Gottes erhöhe. Berger: "Johannes Gutenberg brauchte im Jahre 1450 noch 2600 gegossene Buchstaben für eine einzige Seite." Und für eine Handschrift der Jesaja-Rolle von Qumran habe man die Haut von 200 Lämmern benötigt.Der Inhalt einer Bibel differiert je nach Glaubensrichtung mehr oder weniger stark. Hebräische und griechische Ausgaben ergeben auch in der Übersetzung unterschiedliche Textfassungen. Dr. Marianne Bühler erläuterte auch einige der für solche Unterschiede verantwortlichen, geschichtlichen Hintergründe. Was für die Juden den Kern des Glaubens ausmacht, die fünf Bücher Mose, Tora genannt, sei für gläubige Christen eine Vorbereitung, eine Hinführung auf Jesus als Sohn Gottes. In einem Exponat aus den 30er Jahren, herausgegeben von Peter Ketter, geht der sogar so weit, das Studium des Alten Testamentes nur "für den reifen Menschen" zu empfehlen. Zum gemeinsamen Lesen im Familienkreis sei es hingegen ungeeignet. "Von Bibeln und Bibel-Artigem"

Ebenfalls aus den 30er Jahren stammt eine Bibel der "deutschen Christen", in der ungeschminkt versucht wird, Jesus aus seinem jüdischen Bezugsfeld zu reißen. Bühler spricht darum zurecht "von Bibeln und Bibel-Artigem", das in den Vitrinen zu sehen ist. Spannend sei in jedem Fall die Aufgabe, solche Exemplare im Detail zu studieren.Im traditionell katholischen Wittlich überwiegen naturgemäß katholische Übersetzungen des Buches der Bücher. Dazu gehören prächtig illustrierte, großformatige Hausbibeln. Aber auch Exponate mit wissenschaftlichem Charakter in hebräischer, teilweise aramäischer und griechischer Sprache liegen aus, die beispielsweise der altkatholische Pfarrer Birkhäuser als Leihgabe einbrachte. Mundart-Bibeln lassen den Betrachter schmunzeln, wenn zum Beispiel Maria und Josef in einer Ausgabe "vor Freud höppten", als Jesus geboren wurde.Besonders kostbar eine deutsche Übersetzung von Johann Dietenberger von 1600: Ein Versuch aus den Zeiten der Reformation, Luthers Textinterpretation etwas entgegenzuhalten. Dieses Kleinod war einst im Besitz einer Pfarrhaushälterin an der Mosel, bevor es in den Besitz von Hermann Josef Hebler kam.Die Ausstellung in der Stadtbücherei und im angrenzenden Emil-Frank-Institut läuft bis zum 29. November.