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Masterarbeit im Musiksalon

Die angehende Restauratorin Simone Schmiedkunz (rechts), hier im Gespräch mit ihrer Betreuerin Claudia Gerner-Beuerle, widmet ihre Masterarbeit der Landschaftstapete in der Barockvilla Böcking in Traben-Trarbach.Foto: privat
Die angehende Restauratorin Simone Schmiedkunz (rechts), hier im Gespräch mit ihrer Betreuerin Claudia Gerner-Beuerle, widmet ihre Masterarbeit der Landschaftstapete in der Barockvilla Böcking in Traben-Trarbach.Foto: privat
Traben-Trarbach. Von sehr hoher künstlerischer Qualität ist die historische Leinwandtapete im Musiksalon der Villa Böcking. Simone Schmiedkunz, angehende Restauratorin aus Erfurt untersucht derzeit das wertvolle Stück.

Traben-Trarbach. So mancher Besucher der Weihnachtsausstellung im Mittelmosel-Museum in Traben-Trarbach hat sich gewundert, als er die Türöffnungen des historischen Musiksalons mit schwarzem Stoff verhängt fand und dessen Fenster ebenfalls vollständig abgedunkelt waren. Im Inneren des kostbarsten Raumes der Barockvilla Böcking verbreiteten lediglich zwei UV-Lampen ein diffuses Licht. Immer wieder musste Simone Schmiedkunz, die in der Dunkelheit die Wände auf großformatigen Fotoausdrucken mit Bleistift kartierte, dieselbe Frage beantworten. Die Studentin des Studiengangs Konservierung und Restaurierung der Fachhochschule Erfurt beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit der historischen Leinwandtapete. Das UV-Licht diente ihr dazu, Übermalungen früherer Restaurierungen sichtbar zu machen.
Ergebnis ihrer Forschungen soll ein Restaurierungs- und Konservierungs-Konzept für das mehr als 200 Jahre alten Landschaftsgemälde sein.
Aber auch auf kunstgeschichtliche Fragen zur Entstehung des besonderen Kunstwerks will Simone Schmiedkunz in ihrer Abschlussarbeit eine Antwort finden. "Außer dass die Tapete Ende des 18. Jahrhunderts offenkundig nach Motiven des Gedichts Der Frühling des Dichters Ewald von Kleist gemalt wurde, wissen wir bislang fast nichts über das Landschaftsgemälde", sagt Museumsleiter Christof Krieger.
Aufmerksam geworden auf das besondere Exponat der Barockvilla Böcking war Simone Schmiedkunz im vergangenen Jahr auf einem Fachsymposium zu historischen Raumausstattungen im mittelrheinischen Kaub. "Ich habe mich schon in meiner Bachelor-Arbeit mit einer Leinwandbespannung des 18. Jahrhunderts in Nord-Norwegen beschäftigt", berichtet die 29-Jährige. Während der Veranstaltung sei sie dann ins Gespräch mit Claudia Gerner-Beuerle, Restauratorin am Mainzer Landesamt für Denkmalpflege, gekommen, die ihr von der historischen Tapete in Traben-Trarbach berichtete.
"Eine solche Landschaftstapete ist allein schon wegen ihrer Größe eine ganz andere Aufgabe als ein übliches Gemälde", sei der Entschluss, ihre Masterarbeit Kleists "Frühling" zu widmen, daraufhin rasch gefasst gewesen, so Simone Schmiedkunz weiter.
Und wenn die Studentin den Ergebnissen ihrer Arbeit auch keineswegs vorgreifen will, eines steht für sie, wie auch ihre Betreuerin Claudia Gerner-Beuerle, schon jetzt außer Frage: "Die Leinwandtapete ist von sehr hoher künstlerischer Qualität. Der Auftraggeber muss zweifellos sehr wohlhabend gewesen sein." red