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Matrosenhut und Flöte

Das "Salz in der Suppe" beim Neujahrskonzert in Dörbach: Jenny Beitzel präsentierte mit Fabian Pitsch Fortschritte am Klavier.Foto: Petra Geisbüsch
Das "Salz in der Suppe" beim Neujahrskonzert in Dörbach: Jenny Beitzel präsentierte mit Fabian Pitsch Fortschritte am Klavier.Foto: Petra Geisbüsch
SALMTAL-DÖRBACH. (peg) Das Neujahrskonzert in Dörbach hielt wieder Überraschungen bereit: Neben Männergesangverein und Musikverein zeigten zwei junge Pianisten ihr Können.

Ihre Solo-Vorträge seien so etwas wie "das Salz in der Suppe" der alljährlichen Dörbacher Neujahrskonzerte. Mit diesen Vorschusslorbeeren kündigte Rainer Schottler die 15-jährige Pianistin Jenny Beitzel an, die sich anschließend tapfer über ihre Nervosität hinwegsetzte. Nicht nur dem Vorsitzenden des Männergesangvereins MGV gefiel, was die junge Dame den Tasten entlockte. Seit vier Jahren verfolgt der ganze Ort die Fortschritte, die Jenny musikalisch macht. Im Saal des Gasthauses Ludwig trug sie jetzt fünf Solostücke vor: Nach einem beeindruckenden "My heart will go on", der Kinomusik zur Titanic-Verfilmung, wollte der Applaus kein Ende nehmen. Danach bat die 15-Jährige einen Neuling zu sich auf die Bühne: Fabian Pitsch, seit erst zwei Monaten in der Obhut seiner - und ihrer Klavierlehrerin Carmen Meyer. Er spielte mit Jenny vierhändig einige Übungsstücke. Schottler: "Kaum zu glauben, dass so etwas Schönes nach so kurzer Zeit geleistet werden kann!" Doch auch der MGV stellte sein Können unter Beweis. Er strafte die Unkenrufer Lügen, nach denen der Gesang heute keinen hohen Stellenwert mehr im Leben der Menschen besitze, betonte ein stolzer Vorsitzender. Und er überraschte seinen Vorgänger im Amt, Arnold Meyer, mit einer hochprozentigen Ehrung. Gerührt nahm der gestandene erste Bass im Verein die Anerkennung für 14 Jahre vorbildliche Führung seiner Mannen entgegen. Geehrt wurde auch Trompeter Peter Esch für die erfolgreich abgelegte D2-Prüfung. Im Repertoire des Abends, das teilweise von Wolfgang Neumann am Klavier begleitet wurde, kam das Thema "Frieden" gleich mehrmals vor: Angesichts der Ereignisse gerade auch des vergangenen Jahres zu Recht, befanden die 25 Sangesfreunde. Das Spektrum ihres Könnens reichte vom Gospel bis zum "Zigeunerwagen". Ein alter Schlager, der die Stimmung im Saal noch mal erhöhte, nachdem schon der "Marsch Konfetti" des Musikvereins begeistert hatte. Der MV zog dabei alle Register, die musikalischen wie die komödiantischen. Zum Grundthema des Radetzkymarsches begann der Spaß ganz harmlos. Danach fiel ein Musiker nach dem anderem plötzlich aus dem musikalischen Rahmen. Keiner schien Dirigent Manfred Ostermann mehr zu gehorchen: Die Trompeter spielten, gekrönt von Narrenkappen, plötzlich Karnevalsrhythmen, die Flötistinnen griffen zu Matrosenhütchen und spielten Seemannslieder, und einer gab zu Jägerweisen gar einen Schuss ab. Das großartige Werk geriet völlig aus den Fugen und sorgte für eine Riesengaudi beim Publikum. Erst, als dem entnervten Dirigenten ein Bier nach oben gereicht wurde - schließlich war die Theke nicht weit -, konnte der Marsch zu einem guten Ende gebracht werden. "Die lockere Atmosphäre gehört zum Konzept unserer Neujahrskonzerte dazu", so Schottler später. Alle zeigen, was sie gelernt haben im abgelaufenen Jahr, und: "Auf Bierernst verzichten wir an diesen Abenden gerne."