| 21:34 Uhr

Mit der Posaune ins Mekka der Blasmusik

Noch übt Jochen Hofer allein, nach Ostern fährt er ins bayerische Burghausen, um mit der Deutschen Bläserphilharmonie das Programm einzustudieren. TV-Foto: Bianca Weber
Noch übt Jochen Hofer allein, nach Ostern fährt er ins bayerische Burghausen, um mit der Deutschen Bläserphilharmonie das Programm einzustudieren. TV-Foto: Bianca Weber
Jochen Hofer hat sich das Posaunespielen zunächst selbst beigebracht. Mittlerweile ist er Lehrer an zwei Kreismusikschulen, dirigiert drei Ensembles, spielt selbst in einem überregionalen Orchester und stand schon mit Giora Feidman auf der Bühne. Von unserem Redaktionsmitglied Bianca Weber

Hetzerath. Mit Klarinettist Giora Feidman zu spielen, ist Jochen Hofers größtes musikalisches Erlebnis gewesen. "2000 oder 2001 war das im Gewandhaus in Leipzig", sagt Hofer. "Feidman ist schon großartig." Der berühmte Musiker wollte damals ein Klezmer-Werk mit einem Blasorchester spielen und fragte die Deutsche Bläserphilharmonie. Posaunist Hofer ist seit 16 Jahren Mitglied in dem ersten überregionalen sinfonischen Blasorchester. Dieses besteht aus rund 60 studierten Orchestermusikern, Musiklehrern und -studenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Es spielt Stücke für holländische Musik-CD-Verlage ein und hat im vergangenen Jahr den zweiten Platz beim Weltmusikfestival in den Niederlanden belegt. Hofer: "Die Niederlande sind das Mekka der Blasmusik."Ein ehrenamtlicher Spaß ist das für Hofer. Sein Geld verdient er als Posaunenlehrer an den Musikschulen des Landkreises Bernkastel-Wittlich sowie des Landkreises Trier-Saarburg. Dabei hat er als Jugendlicher eine Ausbildung als KFZ-Mechaniker gemacht. Auch zur Posaune kam er erst in einem zweiten Schritt. Als Kind hat er Tuba gespielt. "Mein Vater hat mir eine alte, verbeulte Tuba in die Hand gedrückt und gesagt ‚mach mal'", sagt der 44-Jährige. "Irgendwie hat es funktioniert, und im Musikverein Hetzerath hat sich niemand beschwert." Viel Spaß hat ihm die Tuba aber nicht gebracht. Die Begeisterung für Musik kam erst mit der Posaune. Als Autodidakt hat Hofer Ende der 80er Jahre angefangen, dann hat er Unterricht an der Musikschule in Wittlich genommen. Und immer mehr und mehr geübt. "Ich kam meistens gegen fünf Uhr von der Arbeit nach Hause und habe dann bis neun Uhr gespielt." Der erste Lohn für seinen Fleiß: Er durfte im Landesjugendblasorchester mitspielen und reiste mit ihm nach England. "Zu der Zeit war das schon was." Anfang der 90er Jahre brachte ihn das Posaunespielen auch nach Spanien und in die Vereinigten Staaten. Denn er begann Posaune am Conservatorium Luxemburg zu studieren — zunächst im Nebenfach, später im Hauptfach. Das bedeutete: "Anfangs bin ich jeden Freitag und Samstag nach Luxemburg gefahren, später fast jeden Tag." Da er eine zivile Arbeitsstelle bei der Bundeswehr hatte, konnte er Teilzeit arbeiten und so Musik und Beruf vereinbaren.Heute freut es ihn, wenn seine Schüler die Musik zum Beruf machen. "Es macht mir richtig viel Spaß, wenn ich sehe, dass gefruchtet hat, was ich erzählt habe, und die jungen Menschen Biss und Fleiß bewiesen haben." Er selbst übt weiterhin hartnäckig. Dabei ist die Zeit immer knapp, denn Hofer dirigiert den Musikverein Föhren, die Pfarrkapelle Schwarzenbach (Saarland) sowie das Sinfonische Blasorchester Eifel-Mosel-Hunsrück. "Ich bin immer im Konflikt", sagt er. "Ich möchte gern mehr Posaune spielen, auf der anderen Seite macht mir das Dirigieren auch sehr viel Spaß. Und eine Probe sollte gut vorbereitet sein." Doch die Noten für das Jahresprogramm der Deutschen Bläserphilharmonie liegen schon auf seinem Tisch. "Brillante Symphonie" von der französischen Komponistin Ida Gotkovsky gehört dazu. "Viel Posaune ist dabei", berichtet Hofer. "Zurücklehnen kann ich mich da nicht."