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Mit Solarstrom auf den Spitzenplatz

Die landesweit größte Menge an erneuerbaren Energien wird inzwischen in der Verbandsgemeinde (VG) Schweich erzeugt. Dennoch ist der Bau weiterer Solar- und Windenergie-Anlagen noch nicht abgeschlossen. Angestrebt wird eine Kapazität, die zu 100 Prozent dem Gesamtbedarf der VG Schweich entspricht. Von unserem Redakteur Friedhelm Knopp

Schweich. Eine Bündelung aus Solar- und Windkraft macht die VG Schweich deutschlandweit zu einem der größten Erzeugungsgebiete erneuerbarer Energien und zum Spitzenreiter in Rheinland-Pfalz. Die maximale Leistung aller derzeit installierten Photovoltaikanlagen (Stromerzeugung durch direkte Sonneneinstrahlung) beträgt 27 Megawatt und soll bis Jahresende auf insgesamt 34,6 Megawatt aufgestockt werden. Die Leistung der Windkraftanlagen beträgt zurzeit 20 Megawatt. Eine Aufstockung auf 22.5 Megawatt ist geplant und genehmigt.

Dazu Armin Kopp von der VG-Verwaltung Schweich: "Angestrebt ist eine 100-prozentige Abdeckung unseres Strombedarfs durch Solar- und Windkraft."

In der Praxis bedeutet dies: Die Gesamtkapazität aller Solar- und Windanlagen in der VG Schweich entspricht bei voller Sonneneinstrahlung und bei optimalen Windverhältnissen (weder Flaute noch Orkanböen) dem Bedarf der rund 26 000 Einwohner der VG. 2008 lag deren Jahresverbrauch bei 97 000 Megawattstunden. Den (Solar-)Stein ins Rollen brachte 2005 die Ortsgemeinde Leiwen. Aus Ärger über die zunehmende Verwilderung ehemaliger Weinbauflächen in einem Leiwener Seitental entstand im Gemeinderat die Idee, diese "Wildnis" für Solarenergie zu nutzen. Der Plan scheiterte zwar an rechtlichen Hürden, denn die besagten Weinbergsbrachen (Drieschen) bildeten keine zusammenhängende Einheit, sondern einen Flickenteppich zwischen anderweitig genutzten Flächen.

Die Idee war jedoch geboren, und auch andere Ortsgemeinden zeigten Interesse. Die Suche nach geeigneten Standorten und nach Investoren begann. Mehrfach änderte die VG Schweich ihren Flächennutzungsplan. Wichtigste Voraussetzung für Standorte im Landschaftsschutzgebiet Moseltal: Sowohl Solarflächen als auch Windräder dürfen vom Moseltal aus nicht zu sehen sein.

Alle ausgewiesenen Flächen inzwischen belegt



Inzwischen sind alle im Flächennutzungsplan ausgewiesenen und genehmigten Standorte ausgeschöpft. Der Großteil der Solar- und Windanlagen ist bereits im Betrieb oder wird in diesem Jahr in Betrieb gehen. Die fertigen Solaranlagen: Riol (Maximalleistung 3,1 Megawatt), Longuich (3,1), Mehring (3,5), Föhren (8,4), Kenn (5,9), Leiwen (3,0). Im Bau oder geplant: Mehring II (3,7), Fell (2,3) und Pölich (1,6).

Auf der Mehringer Höhe arbeiten zurzeit zehn Windräder mit jeweils zwei Megawatt Maximalleistung. Eine vor zwei Jahren im Sturm havarierte Anlage wurde inzwischen ersetzt. Eine 2,5-Megawatt-Anlage wird noch hinzukommen.

Extra Das Zeitalter der erneuerbaren Energien begann im Schweicher Raum bereits vor rund 100 Jahren mit der Wasserkraft. Im Dhrontal bei Leiwen bauten die Trierer Stadtwerke eine Talsperre mit Wasserkraftwerk, das 1913 in Betrieb ging. 97 Jahre später erzeugen die antiquierten Wasserturbinen und Generatoren von Siemens & Schuckert noch immer Strom. Die Gesamtleistung des heute von den RWE betriebenen Kraftwerks beträgt sechs Megawatt. Aus den 60er-Jahren stammt das ebenfalls von den RWE betriebene Wasserkraftwerk an der Schleuse Detzem. Diese Anlage leistet 24 Megawatt. Beide Kraftwerke werden heute von der RWE-Zentrale im Kreis Cochem-Zell ferngesteuert.