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Mosella schmeckt nach Rebensaft

Einmal Vanille und Himbeer, bitte! Jan Müllers ist Speiseeishersteller.TV-Foto: Ursula Quickert
Einmal Vanille und Himbeer, bitte! Jan Müllers ist Speiseeishersteller.TV-Foto: Ursula Quickert
Kröv. Wenn Erdbeeren Vanilleschoten küssen und sich von Krokant berieseln lassen, ist Jan Müllers am Werk. Der 31-Jährige aus Kröv ist der Erste der Region Trier, der eine Ausbildung zum Speiseeishersteller absolviert hat.

Kröv. Jan Müllers badet jeden Morgen in Milch. Nun ja, zumindest seine Hände. Bis zu 175 Liter Eis stellt er am Tag für den Betrieb seiner Eltern in Kröv her: Marcello\'s Eiseck. Und jetzt darf er sich sogar ausgebildeter Speiseeishersteller nennen - ein Lehrberuf, den es erst seit 2008 gibt. Müllers ist einer der ersten Rheinland-Pfälzer und der Erste im Bezirk der Handwerkskammer Trier, der sie absolviert hat, sowie der erste Deutsche, der eine externe Prüfung abgelegt hat. Will heißen: Er hat sich das theoretische Wissen neben der Praxis selbst angeeignet.
Wochenlang nicht im Betrieb nicht mithelfen zu können und stattdessen die Schulbank in Mannheim zu drücken, das wäre nicht drin gewesen. In der Rhein-Neckar-Stadt ist die einzige Schule in Deutschland, die diese Ausbildung anbietet. Zuvor gab\'s nur eine Möglichkeit, erzählt Müllers: Italienisch lernen und in bella Italia drei Jahre lang alles rund um Vanille, Stracciatella und Tartufo zu lernen. Stattdessen hat der 31-Jährige sozusagen per Fernstudium alles über Eisherstellung, Hygienevorschriften, Arbeitsrecht und vieles mehr gelernt. In der praktischen Prüfung ließ sich die Jury unter anderem sein Kürbiskernöl-Parfait und das Mosella-Eis mit der Geschmacksrichtung Weincreme schmecken - eines der Markenzeichen des Kröver Eiscafés.
Dabei war Müllers Berufsweg eher eine Zufallsbegegnung. Zuerst hatte er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten begonnen. Doch das Büro war nicht seine Welt. So begann er 1999, im Familienbetrieb mitzuhelfen und entdeckte seine Vorliebe für Eis. Und das als Diabetiker. Bis zu 2000 Menschen am Tag lassen sich heute seine Kreationen schmecken. Dabei sind Deutsche in dieser Branche noch in der Minderheit. Als seine Eltern Marcello\'s Eiseck 2004 gründeten, hielt so mancher sie für verrückt, erzählt Jan Müllers.
Auch in seinem Lehrjahrgang waren drei Viertel der Azubis Italiener. Aber die 14-Stunden-Tage mit reichlich Betrieb geben den Müllers Recht. Und ihr Sohn, der in ein paar Jahren den Laden übernehmen wird, hat schon die nächste Kreation im Kopf: Hugo-Eis. Es soll so schmecken wie das Trend-Getränk mit Holunderblütensirup und Minze. Aber bis das Rezept steht, muss er noch ein wenig in Milch baden. uq