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Jubiläum
Winzergenossenschaft wird 50 Jahre alt

Henning Seibert, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Moselland eG, in der Abfüllhalle.
Henning Seibert, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Moselland eG, in der Abfüllhalle. FOTO: Winfried Simon / TV
Bernkastel-Kues. Das Unternehmen Moselland ist stetig gewachsen und macht heute einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro im Jahr. Von Winfried Simon
Winfried Simon

Die größten Weinkellereien Deutschlands haben ihren Sitz an der Mosel. Zu ihnen gehört auch die Moselland eG in Bernkastel-Kues. Und sie ist ein besonderes Unternehmen, denn sie ist eine Winzergenossenschaft. Mit einem Jahresumsatz von knapp 80 Millionen Euro ist sie neben der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen die größte Winzergenossenschaft in Deutschland.

Am Wochenende, 4. bis 6. Mai, feiert die Moselland ihr 50-jähriges Bestehen.  Gegründet wurde sie im Jahr 1968, als sich die Hauptkellerei Koblenz, die Gebietswinzergenossenschaft des Kreises Cochem in Ernst und die Winzergenossenschaft Mittelmosel in Wehlen zusammenschlossen.

Ein Jahr später fusionierte der Saar-Winzerverein mit der neuen Winzergenossenschaft. Weitere Ortswinzergenossenschaften wurden im Laufe der Jahre von der Zentralkellerei, wie sie sich zunächst nannte, übernommen: 1971 der Winzerverein Schoden und der Winzerverein Mehring, 1973 der Winzerverein Brauneberg und der Winzerverein Perl-Nennig, 1974/75 der Winzerverein Obermosel, der Winzerverein Veldenz, der Winzerverein Wawern, die Winzergenossenschaft Bekond und die Winzergenossenschaft Wintrich. 1977 trat der Reiler Winzerverein bei, 1978 der Feller Winzerverein, die Winzergenossenschaft Kröver Nacktarsch und der Winzerverein Wolf. 1981 folgten der Winzerverein Schweich und 1990 der Winzerverein Enkirch.

Heute ist die Moselland eG ein modernes Unternehmen mit 200 Mitarbeitern. 1908 Winzer liefern ihre Trauben, sie bewirtschaften insgesamt 1916 Hektar Rebflächen. Aber nicht nur an der Mosel: Im Jahr 2000 fusionierte die Moselland mit der Winzergenossenschaft Nahe Winzer und 2004 mit der pfälzischen Winzergenossenschaft Rietburg. Im Jahr 2012 unterzeichnete die Moselland einen Kooperationsvertrag mit der Winzergenossenschaft Rheingau, Eltville. 2016 übernahm die Moselland die Niersteiner Winzergenossenschaft (Rheinhessen).

Das Unternehmen, hat ähnlich wie die gesamte Weinbranche in den vergangenen 50 Jahren Höhen und Tiefen  erlebt. In den ersten Jahren entwickelte  sich die Genossenschaft  rasant, baute weitere Kelterstationen und erhöhte die Fassweinlagerkapazität. 1973 wurde das neue Betriebsgebäude in Bernkastel-Kues eingeweiht. Die Jahre 1982/83 waren schließlich eine große Bewährungsprobe. Als 1982 an Mosel, Saar und Ruwer eine Rekordernte eingebracht wurde, gab es einen Ansturm von neuen Mitgliedern. 1983 folgte ein weitere übergroße Ernte.  Wieder traten zahlreiche Winzer der Genossenschaft bei. 1982 und 1983 mussten 70 Millionen Liter Wein einlagert werden, die Moselland musste Fassraum anmieten.

Das Unternehmen konnte kurzfristig den Absatz deutlich steigern, wurde 1985 aber Opfer des Glykolskandals. Die Umsätze gingen zurück und erreichten erst Jahre später  das Niveau vor dem Skandal.

Seit 2014 ist Henning Seibert Vorstandsvorsitzender der Moselland eG. Zuvor lenkten  Werner Kirchhoff, Rudolf Rink, Karl Pütz und Jakob Monshausen das Unternehmen. Zurzeit sind übrigens nicht die Übermengen ein Problem, sondern eher die unterdurchschnittlichen Erntemengen der Jahre 2017 und 2016. Vorstandsvorsitzender Seibert: „Wir versuchen  möglichst alle Kunden zu bedienen. Wir kaufen auch bei anderen Genossenschaften Wein hinzu.“

Die Kunden, das sind vor allem die großen Lebensmittelkonzerne im Inland und Großimporteure im Ausland. Hier steht die Moselland  in direkter Konkurrenz mit Großkellereien wie Peter Mertes, Bernkastel-Kues, Zimmermann-Graeff & Müller, Zell oder Andres Oster in Cochem. Es herrscht ein knallharter Wettbewerb,  der oft über den Preis ausgetragen wird. Die Winzergenossenschaft versucht seit vielen Jahren mit höherwertigen Weinen auch im höheren Preissegment Fuß zu fassen. Zu nennen sind unter anderem die Premium-Weinlinie Goldschild, die  Steillagen-Serie oder die Serie „Von großen Lagen“. Zum Sortiment  gehören auch selbst  hergestellte Sekte.

Jüngere Konsumenten will man mit pfiffigen Designflaschen, Geschenkpackungen wie „Wein und Grillen“, einem Pfälzer Rotwein namens „Eklat“ (Slogan: „Verboten macht sexy“) oder einer Serie mit Weiß- und Rotweinen und Rosé namens „Off Line“.

Hauptumsatzträger sind aber die Serien „Akzente“ (Mosel), „Dr. Faust“ (Nahe), „Carl Zuckmayer“ (Rheinhessen) und „Rietburg Creation“ (Pfalz).

Das Verwaltungsgebäude der Moselland eG in Bernkastel-Kues.
Das Verwaltungsgebäude der Moselland eG in Bernkastel-Kues. FOTO: Winfried Simon / TV
Traubenannahme an der Kelterstation in Wehlen.
Traubenannahme an der Kelterstation in Wehlen. FOTO: Sonja Sünnen / TV