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Folklore
Der Nachwuchs gibt richtig Gas

Die junge Generation spielt beim Weinfest in Veldenz eine wichtige Rolle. Die kleinen Festzugsteilnehmer aus dem Jahr 2017 werden sich vor allem auf den Rummelplatz freuen.
Die junge Generation spielt beim Weinfest in Veldenz eine wichtige Rolle. Die kleinen Festzugsteilnehmer aus dem Jahr 2017 werden sich vor allem auf den Rummelplatz freuen. FOTO: Arnoldi Janine
Veldenz. Nach 13 Jahren kehrt das Veldenzer Weinfest zu seinen Wurzeln zurück – in ein großes Zelt. Die jüngere Generation ist dabei die Triebfeder. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Zum 65. Mal Weinfest, zum 40. Mal Oldtimersternfahrt – gleich zwei Jubiläen also. Dann feiert mal schön unter freiem Himmel, möchte man den Veldenzern zurufen. In vielen Moselorten ist das einstige Weinfest im Zelt, früher Festhöhepunkt im Jahr, nur noch Erinnerung. In Veldenz wurde auf diese Art letztmals 2005 gefeiert. Kosten zu hoch, Gewinn zu gering, Engagement der Helfer zu niedrig. Das muss nicht für jeden der Orte als Begründung gelten. Doch dürften dies die Hauptgründe für den Niedergang der Zeltfeste sein.

Doch es geht offenbar auch wieder anders. In Veldenz wird in diesem Jahr vom 26. bis 29. Juli die Rolle rückwärts geprobt. Bemerkenswert dabei: Dies geschieht vor allem auf Initiative einiger junger Leute, die die Tradition mit Festzelt und Rummelplatz wiederaufleben lassen wollen. Genutzt wird dafür der Park- und Wohnmobilstellplatz am Sportplatz. „Es ist schön wieder alles unter einem Dach zu haben“, sagt Denise Wagner, die der jungen Generation angehört und schon einmal Veldenzer Weinkönigin war.

Sie ist Mitte 20, beim letzten Zeltfest war sie zwölf Jahre alt. Für den Wein war sie da noch zu jung, an den Rummelplatz kann sie sich aber noch erinnern. Sie hofft, dass die Identifikation unter den Bürgern einen Schub bekommt. „Es ist schön, wenn der Umzug auf dem Festplatz endet und sich alle Teilnehmer und Besucher dort treffen“, ergänzt Isabell Wagner.

Es ist erst einmal ein Probelauf. Das zweifache Jubiläum ist der Anlass. Doch wenn die Organisatoren bei der Rolle rückwärts halbwegs auf den Füßen und nicht auf dem Bauch landen, wollen sie die Tradition fortführen. „Zumindest eine schwarze Null sollten wir schreiben. dann können wir das fortführen“, sagt Ortsbürgermeister Norbert Sproß.

In Veldenz ist die Ortsgemeinde Veranstalter des Weinfestes, müsste also auch ein Defizit tragen. Je nach Höhe kann das natürlich zum Bumerang werden.

Der Sportverein, größter Verein im Dorf, hat 2017 die Biertheke betrieben. Er steckt in diesem Jahr zurück – und engagiert sich trotzdem. „Das Engagement der jungen Leute hat die Sache gepuscht. Das gibt neue Motivation“, sagt Norbert Follmann, der Vorsitzende des Sportvereins.

In den vergangenen Jahren hat sich das Festgeschehen in der Dorfmitte, rund um das historische Rathaus und die Villa Romana abgespielt. Da blieb der logistische und finanzielle Aufwand im Rahmen. Das nun georderte 20 mal 50 Meter große Zelt kostet, so der Ortsbürgermeister, alleine 10 000 Euro.

Die Gemeinde lasse sich das Jubiläum sowieso einiges mehr kosten, sagt er. Doch um zumindest besagte schwarze Null zu erreichen, müsste der Umsatz gegenüber den Vorjahren schon gewaltig gesteigert werden, sagt Norbert Sproß.

Dafür gibt es weitere Neuerungen. Das Fest läuft von Donnerstag bis Sonntag (bisher Freitag bis Montag). Und jeder Tag steht unter einen Motto: Wine Up (Donnerstag), Gipfelsturm und Krönung (Freitag), Weinmonarchie und Weinprobe (Samstag) und Historischer Umzug und Afterzugparty (Sonntag).

Die Oldtimerfahrzeuge sind jedes Jahr im Ort und gestalten den Umzug. Alle fünf Jahre kommt noch eine historische Komponente dazu: die Geschichte der Grafschaft Veldenz. In diesem Jahr spielt sie wieder eine wichtige Rolle. Gruppen aus dem Ort und aus Partnergemeinden werden sich beteiligen und auch einige Nachbarorte mit ihren Festwagen.

Die große öffentliche Weinprobe am 28. Juli moderiert die ehemalige Moselweinkönigin Lisa Schmitt aus Leiwen. Da klingelt doch etwas. Richtig. Leiwen ist der Ort mit der legendären, weil besonders stimmungsvollen Weinprobe, die viel junge Besucher anzieht. Vielleicht, so der Wunsch der Veldenzer Organisatoren, färbt davon ja etwas ab.

Dass Veldenz auch am letzten Juli-Wochenende 2019 wieder feiert, steht auf dem aktuellen Flyer. Wo steht nicht drauf. Am 30. Juli, am Tag nach dem Ende des Festes, wird man es vielleicht schon wissen.