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Literatur
Neuen Weltrekord im Blick

Stefan Gemmel. Christoph Strouvelle
Stefan Gemmel. Christoph Strouvelle FOTO: Christoph Strouvelle / TV
Morbach/Lehmen. Der aus Morbach stammende Kinderbuchautor Stefan Gemmel will am 18. Mai in der Frankfurter Commerzbank-Arena seine dritte Weltbestleistung im Lesen aufstellen. Doch die Rahmenbedingungen sind ungünstig. Von Christoph Strouvelle

Was haben Eintracht Frankfurt, die Böhsen Onkelz, Helene Fischer und der aus Morbach stammende und jetzt in Lehmen an der Mosel lebende Stefan Gemmel gemeinsam? Sie alle wollen zehntausende Menschen in die Frankfurter Commerzbank-Arena locken. Doch wie kommt Gemmel in diese illustre Runde und an diesen Ort? Der Kinderbuchautor will dort am 18. Mai seinen dritten Weltrekord im Lesen aufstellen. 2015 hat er bei der schnellsten Lesereise der Welt, die ihn durch alle 16 deutschen Bundesländer geführt hat, 82 Lesungen in 13 Tagen, zehn Stunden und sieben Minuten gehalten. 2012 hat er bei seinem ersten Weltrekord in Koblenz an einem Tag zweimal 5000 Menschen vorgelesen. Jetzt soll diese Zuhörerzahl auf einen Schlag erreicht werden: Mehr als 10 000 Jungen, Mädchen und Erwachsene sollen im Heimstadion des Frankfurter Bundesligisten mitfiebern, wenn die Figuren aus Gemmels erfolgreichster Buchreihe „Im Schatten der Zauberkugel“ ihre Abenteuer auf den Tribünen und dem Rasen des Stadions erleben. Gemmel hat die Geschichte extra für dieses Ereignis und den Veranstaltungsort geschrieben. „Die Idee ist, dass die Kinder dort sitzen, wo die Handlung spielt“, sagt er. „Der Effekt ist super: Die Kinder fühlen sich mittendrin, wie in einer 3-D-Illustration, sehen das Spielfeld und das Tribünendach.“ Denn ein Teil der Geschichte spiele im Gestänge der Stadionüberdachung, sagt er. Zudem nehme Adler Attila, das Maskottchen der Frankfurter Eintracht, ebenso eine wichtige Rolle in der Handlung ein wie auch die Mitarbeiter der Commerzbank-Arena.

Eine Stunde soll die Veranstaltung dauern, 40 Minuten davon will Gemmel lesen. Die restliche Zeit ist für Ansagen wie Begrüßung und Überleitungen vorgesehen.

Jeder Besucher der Lesung soll ein Exemplar seiner Geschichte erhalten, sagt er.

Das Management der Frankfurter Commerzbank-Arena hatte Gemmel eingeladen, einen weiteren Weltrekord aufzustellen. Denn die Austragungsstätte will sich als Arena der Weltrekorde profilieren, sagt der Buchautor. Jedes Jahr soll eine neue Bestleistung aufgestellt werden. Doch ist es diesmal ungewiss, ob die erforderliche Besucherzahl und damit der angepeilte Weltrekord erreicht wird.

Denn aufgrund des eng gestrickten Zeitplans im Stadion mit Bundesligaspielen und weiteren Veranstaltungen ist als Termin für Gemmels Lesung lediglich der 18. Mai möglich. Das ist der Freitag vor Pfingsten. „Für Schulen ist das ein schlechter Tag“, sagt er. Das trifft für Hessen ganz besonders zu. Denn an diesem Freitag findet in ganz Hessen die mündliche Abiturprüfung statt. Zwar gehören Abiturienten nicht zu Gemmels Zielgruppe. Doch die Lehrer, die die Fünft- und Sechstklässler zur Lesung begleiten würden, sind bei den Prüfungen eingespannt, so dass die Schüler von hessischen Gymnasien voraussichtlich nicht kommen.

Die angepeilte Zahl von 10­000 Besuchern zu erreichen werde daher „echt schwer“, sagt Gemmel. Wie viele Kinder bis jetzt angemeldet sind, kann er derzeit nicht sagen. Doch wenn abzusehen ist, dass die erforderliche Anzahl an Besuchern nicht kommt, will er eine andere Bestleistung aufstellen.

Dann will er mit Eva Pfitzner vom Leserattenservice in Koblenz, die ihn bereits bei seinen vorherigen Rekorden unterstützt hat, kurzfristig eine neue Idee für einen anderen Rekord entwickeln. Denn die Jungen und Mädchen kommen, um bei einem Weltrekord dabei zu sein. Gemmel: „Kinder enttäuschen, das geht gar nicht.“

Der Kinderbuchautor Stefan Gemmel.
Der Kinderbuchautor Stefan Gemmel. FOTO: Christoph Strouvelle