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Prägende Persönlichkeit verloren

Helmut Gestrich ist im Alter von 78 Jahren gestorben. TV-Foto: Archiv/Clemens Beckmann
Helmut Gestrich ist im Alter von 78 Jahren gestorben. TV-Foto: Archiv/Clemens Beckmann
Helmut Gestrich ist am Donnerstag im Alter von 78 Jahren gestorben. Gestrich war von 1966 bis 1969 Landrat des Altkreises Bernkastel und von 1969 bis 1993 Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich. 1994 und 1999 wurde er zum Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zum Jahr 2000. Von unseren Redakteuren Winfried Simon und Albert Follmann

Bernkastel-Kues. Mit tiefer Betroffenheit hat Landrätin Beate Läsch-Weber auf die Nachricht vom Tod Helmut Gestrichs reagiert. Der Landkreis habe mit Helmut Gestrich eine herausragende und prägende Persönlichkeit verloren, sagte die Landrätin.

Helmut Gestrich wurde am 2. Februar 1931 in Trier geboren. Nach dem Jura-Studium begann er seine berufliche Laufbahn als Assessor bei der Stadtverwaltung Trier, später wurde er Abteilungsleiter bei der damaligen Bezirksregierung Trier. Mit 35 Jahren wurde er Landrat des Altkreises Bernkastel. Gerade zwei Jahre im Amt, musste er sich mit der großen Verwaltungs- und Kreisreform auseinandersetzen. Am 27. Juni 1969 erfolgte seine Ernennung zum kommissarischen Landrat des neuen Kreises Bernkastel-Wittlich, die durch den neu gewählten Kreistag drei Wochen später bestätigt wurde.

Bild des Moselkreises entscheidend geprägt



In den folgenden 24 Jahren prägte er entscheidend das heutige Bild des großen Mittelmoselkreises. Die Schwerpunkte seiner Arbeit setzte er auf die Wirtschaftsförderung, die Bildungs- und Kulturpolitik, die Sozialpolitik und den Umweltschutz. In seiner Amtszeit wurden mehrere Haupt- und Realschulen im Kreis errichtet, Gymnasien erweitert oder modernisiert. Turnhallen, Freibäder und Hallenbäder entstanden, das Kreiskrankenhaus Wittlich wurde gebaut, und auf dem Kueser Plateau und in Manderscheid entstanden moderne Kurkliniken.

Besonders setzte er sich auch für den Weinbau und die touristische Entwicklung im Kreis ein. Es entstand das Mosel-Weinmuseum in Bernkastel-Kues, ferner initiierte er die Akademie Kues. In seine sechsjährige Amtszeit als Stadtbürgermeister von Bernkastel-Kues fällt unter anderem der Bau des Burgbergtunnels. Weggefährten von Helmut Gestrich bewunderten stets seine Visionen, die er mit Kreativität und großer Energie durchzusetzen vermochte. Der umfassend gebildete Kommunalpolitiker wurde nicht zuletzt auch wegen seiner ruhigen und sachlichen Art geschätzt.

Zu den bittersten Stunden von Helmut Gestrich gehörte sicherlich, dass er Ende des Jahres 2000 wegen Verstrickungen in die Doerfert-Affäre (er hatte über Jahre einen gut dotierten Beratervertrag mit der Caritas Trägergesellschaft Trier, ctt) vom Amt des Stadtbürgermeisters von Bernkastel-Kues zurücktreten musste. Er tue dies, um Schaden von der Stadt abzuwenden, begründete Gestrich den Schritt. Damit war es ihm nicht vergönnt, im Cusanus-Jubiläumsjahr 2001 jene Stadt als Bürgermeister zu repräsentieren, die den großen Theologen, Wissenschaftler, Philosophen und Kirchenmann Nikolaus von Kues hervorgebracht hat. In vielen Dingen hat der langjährige Vorsitzende der Cusanus-Gesellschaft seinem großen Vorbild Nikolaus nachgeeifert. Seine Lebenseinstellung fußte auf humanistischen und liberalen Idealen - sie prägten Gestrich als Menschen und Kommunalpolitiker.