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Räte kommen ins Schwimmen

Versinkt das Manderscheider Freibad in einen Dornröschenschlaf? Die Anlage liegt wunderschön inmitten der Natur, doch die sanitären Einrichtungen und die Badezone sind total veraltet.Foto: Albert Follmann
Versinkt das Manderscheider Freibad in einen Dornröschenschlaf? Die Anlage liegt wunderschön inmitten der Natur, doch die sanitären Einrichtungen und die Badezone sind total veraltet.Foto: Albert Follmann
MANDERSCHEID. Auf Beschluss des Verbandsgemeinderates sollen Freibad und Schule in Manderscheid künftig per Holzhackschnitzel-Heizung auf Temperatur gebracht werden. Eine komplette Badsanierung wird aus Kostengründen zunächst zurückgestellt. Von unserem Redakteur <br>ALBERT FOLLMANN

In Zeiten knappen Geldes müssen Entscheidungen wohl überlegt sein, insbesondere dann, wenn sie Folgekosten nach sich ziehen. Wohl deshalb hat sich der Verbandsgemeinderat Manderscheid sehr intensiv mit der Energieversorgung für die Regionale Schule und das Freibad befasst. Besichtigungsfahrten nach Hachenburg und Farschweiler, Expertenanhörungen, Expertisen und stundenlange Diskussionen in einem fünfköpfigen Arbeitskreis führten schließlich zu dem Beschluss, Bad und Schule zentral mit Biomasse zu beheizen. Unter der Turnhalle soll eine Holzhackschnitzel-Heizung installiert werden mit Nahwärmeleitung zum Schwimmbad. Um Spitzenlasten aufzufangen und für den Notfall gewappnet zu sein, soll zusätzlich ein Öl-Niedertemperaturkessel im Badbereich betrieben werden.Abgespecktes Erlebnisbad

Laut Ingenieur Ewald Emmerich, der dem Rat ausführlich Vor- und Nachteile von Heizungstypen und Brennmaterial erläuterte, zahlt sich der Biomassebetrieb trotz der Investitionskosten aus. Auch die Umweltbelastung sei geringer. Zurzeit ist in der Schule eine Fußboden-Elektroheizung installiert; das Bad wird mit Öl befeuert.Planerin Heide Karnatz-Bock vom Trierer Büro Karnatz-Bock & Hower stellte dem Rat eine Sanierungsvariante für das Freibad vor, deren Umsetzung rund 2,6 bis 2,8 Millionen Euro kosten würde. Das Konzept baut auf einer Planung aus dem Jahre 1992 für ein so genanntes Erlebnisbad auf, die seinerzeit mit 7,5 Millionen Mark veranschlagt war. Nun soll aus Kostengründen eine abgespeckte "Familienbad"-Version daraus werden. Bodenblubber, Wasserfontänen, Wasserpilz, Rutschbahn - moderne Anlagen seien als "Spaßbäder" konzipiert, so die Planerin.Auch das Planschbecken soll durch kleine Attraktionen aufgewertet werden. Finanziellen Spielraum gebe es noch beim Schwimmerbecken (mit oder ohne Sprunganlage, vier oder fünf 25-Meter-Bahnen).Bock plädiert für eine Edelstahlverkleidung der Becken. Dies habe den Vorteil, das sich das Wasser durch die Reflexion der Sonnenstrahlen und die bessere Wärmeleitfähigkeit stets um etwa ein Grad mehr aufheize. Außerdem gebe es im Winter keine Frostschäden.Während die Technikräume nur teilweise umgebaut werden müssen, ist der Umkleide- und Sanitärtrakt nach Meinung der Planerin in einem so schlechten Zustand, dass er abgerissen werden sollte.Während die mit knapp 600 000 Euro veranschlagte Heizzentrale im Rat einhellig befürwortet wurde, schieden sich bei der Frage der Schwimmbadsanierung die Geister. Der Hasborner Ortsbürgermeister Hajo Neumes und Helmut Quint (SPD) stellten die Frage in den Raum, ob man sich ein Bad in Zeiten defizitärer Haushalte überhaupt noch leisten könne. Im Schnitt schießt die Verbandsgemeinde jährlich 50 000 bis 70 000 für die Einrichtung zu, teilte Bürgermeister Wolfgang Schmitz auf TV -Anfrage mit.Harald Schmitz (Liste Zens) regte an, den Umbau zu einem Hallenbad als Möglichkeit der Ganzjahresnutzung in die Überlegungen einzubeziehen. Für Norbert Christian (CDU) hat zunächst die Schule Priorität: "Die Heizung kann jeden Tag ausfallen, deshalb müssen wir uns darum kümmern."Doch auch die Heizung des Schwimmbades könnte bald den Geist aufgeben. Für Reimund Caspers (CDU) ist es deshalb wichtig, so schnell wie möglich die Zuschussanträge für die Heizanlage zu stellen. Bürgermeister Schmitz will dies in die Wege leiten mit dem Argument, dass die Heizung auch im Falle einer mittelfristig vorgenommenen Badsanierung weitergenutzt werden kann. Für zwingend renovierungsbedürftig hält der Verwaltungschef den Sanitärtrakt.Planerin Bock erhielt von Schmitz den Auftrag, weiter nach Einsparungsmöglichkeiten für die Badsanierung zu suchen. Die Fraktionen sollen mit Zahlen- und Planungsmaterial beliefert werden als Grundlage für weitere Diskussionen in Ausschüssen und im Verbandsgemeinderat.