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Rote Mützen leuchten in dunklen Fluten - Tausende Zuschauer verfolgen das traditionelle Fackelschwimmen in Bernkastel-Kues

FOTO: Holger Teusch
Bernkastel-Kues. Kein Platz am Moselufer - und auch in der Mosel! Beim 38. Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus haben sich rund 200 Unerschrockene in Bernkastel-Kues in die dunkle Fluten getsürzt, um den Nikolaus auf einem Ruderboot zu begleiten. Tausende beobachteten das Spektakel vom Ufer und von der Moselbrücke aus. Holger Teusch

Hannah Zimmer hat keine Angst vorm Wasser. Das ist Voraussetzung, um erfolgreich zu rudern. "Aber normalerweise sollte ich ja auch und nicht in, sondern auf der Mosel sein", sagt die 21-Jährige lachend, als sie am Samstag kurz nach 18 Uhr an der Mündung des Tiefenbaches aus dem Wasser steigt. Zum ersten Mal nahm die Rudererin des Bernkasteler RV (BRV) am Fackelschwimmen der Sporttaucher Oktopus teil. "Ich dachte, es wäre kalt, aber das war es gar nicht", sagt Zimmer. Der Neoprenanzug isoliert gegen das etwa sieben Grad kalte Moselwasser.

Aber wie überwindet man sich bei Außentemperaturen, bei denen die Bernkastel-Kueser Weihnachtsmarkt-Besucher im Wintermantel mit Mütze und Handschuhen zwischen den Buden schlendern, schwimmen zu gehen? Zumal im Dunkeln? Die Masse macht's, erklärt Julia Breit: "Man hat gar keine Chance nachzudenken." Die Teilnehmer werden mitgezogen, und die feucht-fröhliche Stimmung tut ihr Übriges, damit niemand zittert.

Den ein oder anderen Glühwein gebe es zum Aufwärmen schon beim Anlegen der Ausrüstung, erzählen Tobias Breit und Yanneck Schemer. "Wir sind beim Campingplatz zusammen ins Wasser rein, haben die Fackeln angemacht und sind langsam hier rübergeglitten", sagt Schemer. "Das ist einfach super", sagt Anja Commes-Kieren. "Es wird gesungen und gegrölt." Und auf kleinen Flößen wird der unvermeidliche Glühwein, aber auch eine beleuchtete Nikolausfigur mitgeführt. "Ich habe das mal im Fernsehen gesehen. Aber live ist das etwas ganz anderes. Einfach toll!

Für mich wäre das aber nichts, ins kalte Wasser zu steigen", sagt Ilona Künzig. Ihre Begleiterin Barbara Seibel hat sich den schwimmenden Fackelzug schon oft angeschaut. Diesmal ist sie überwältigt von den vielen Menschen, die teilweise in Dreierreihen auf der Moselbrücke stehen: "Wie ich das erstmals vor zehn Jahren gesehen habe, da war der Nikolaus schon hier oben am Brückenkopf und hat den Kindern etwas gegeben. Damals waren bei weitem noch nicht so viele Leute hier", erzählt sie, als der heilige Mann, der von den Ruderern des BRV über die Mosel geschippert wurde, noch am Ufer Schokolade an die Jüngsten verteilt.