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Stadtentwicklung
Goethe und die Millionen

In die Jahre gekommen: Das Mittelmoselmuseum in Traben-Trarbach muss saniert werden.
In die Jahre gekommen: Das Mittelmoselmuseum in Traben-Trarbach muss saniert werden. FOTO: Simon Winfried
Traben-Trarbach. Einst diente das Traben-Trarbacher Mittelmoselmuseum dem Dichterfürsten als Zufluchtsort. Nun muss das Gebäude saniert werden. Die Stadt hofft auf Fördermittel von bis zu 90 Prozent. Von Clemens Beckmann
Clemens Beckmann

Der berühmteste Gast im Haus Böcking in ­Traben-Trarbach? Das dürfte der Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe gewesen sein. 1792 war das. Goethe war auf einem Schiff auf der Mosel unterwegs, als ein Unwetter hereinbrach. In Trarbach bot ihnen ein Kaufmann Unterschlupf an. In „wohlgeschmückten Zimmern“ sei man empfangen worden, sagte er später. Ihr Gastgeber war Johann Adolf Böcking. Seit 1955 befindet sich in dem herrschaftlichen Anwesen das Mittelmoselmuseum.

Um 1760 wurde das mehrstöckige Bauwerk errichtet. „Vor etwa 50 Jahren wurde es letztmals richtig saniert“, sagt Stadtbürgermeister Patrice Langer. Diese lange Pause rächt sich jetzt. Eine Sanierung ist nötig. Und die könnte richtig teuer werden. Die geschätzten Kosten liegen bei mehr als drei Millionen Euro. „Das lässt mir den Atem stocken“, sagt das Stadtoberhaupt.

Nach Auskunft von Frank Thullen, Leiter der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, wird bereits seit 2005 über eine Sanierung geredet. Ohne eine massive Förderung geht da aber gar nichts. Die Stadt kann bei ihrer Finanzlage nur ganz kleine Sprünge machen. Es ist aber ein Riesensatz erforderlich.

Es gib, so Frank Thullen in der Sitzung des Stadtrates, ein neues Förderprogramm des Bundes. 100 Millionen Euro seien bis einschließlich 2022 in dem Topf, pro Jahr 25 Millionen. Der Fördersatz liege bei 45 bis 90 Prozent. „Je nach Haushaltslage der Kommunen“, sagt der Experte. Je schlechter die ist, desto mehr Zuschüsse kann es geben.

Mitte August sei die Verwaltung über das Förderprogramm informiert worden. Mitarbeiter eines ortsansässigen Architekturbüros hätten dann kurzfristig das Haus unter die Lupe genommen und eine Kostenschätzung gemacht. Die und eine Projektbeschreibung seien auch bereits über die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) auf den Weg zu den zuständigen Leuten gebracht worden, erläutert Thullen im Gespräch mit dem TV.

Eine Jury werde die eingereichten Projekte bewerten. Bis Mitte November soll eine Liste mit den Objekten vorliegen, die für eine Förderung in Frage kommen. Sollte das Traben-Trarbacher Museum dabei sein, müssen die Kosten genau ermittelt und die Arbeiten genau beschrieben werden.

„Kurz vor Weihnachten soll dann die endgültige Entscheidung fallen“, sagt der Bauamtsleiter. Wenn das Museum keine Berücksichtigung finde, müsse weiter nach anderen Fördermöglichkeiten gesucht werden, lautet der Tenor im Stadtrat.

Es gibt bei der notwendigen Generalsanierung Prioritäten: das Dach, die Fassade und die Fenster. Allein für die Dachdecker- und Zimmerer­arbeiten belaufe sich die Kostenschätzung auf 650 000 Euro, erläutert Thullen. Dicke Brocken sind auch die Technik und der Brandschutz.