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Schlangenzüchter plant Reptilien-Oase

Handgroß und handzahm ist giftgrüne das Chamäleon, das Züchter Wolfgang Hansen in einem seiner Terrarien hält. TV-Foto: Winfried Simon
Handgroß und handzahm ist giftgrüne das Chamäleon, das Züchter Wolfgang Hansen in einem seiner Terrarien hält. TV-Foto: Winfried Simon
Wolfgang Hansen aus Erden hat ein außergewöhnliches Hobby. Der 60-jährige Rentner hält und züchtet Reptilien. 400 Schlangen, Krokodile, Leguane, Warane, Chamäleons und Schildkröten leben in seinem Haus in Erden. Im kommenden Jahr will er in Ürziger Mühle eine "Reptilien-Oase" eröffnen.

Erden/Zeltingen-Rachtig. (sim) Vorsichtig greift Wolfgang Hansen nach der knapp vier Meter langen Netzpython und zieht sie an sich. Nur wenige Sekunden, dann entlässt er das Tier wieder ins Terrarium. "Die mag das jetzt nicht. Bevor sie mich beißt, lass ich sie lieber in Ruhe", sagt Hansen. Wenige Tage zuvor hat die Riesenschlange drei Hühnchen verschlungen. Mehrere Dutzend Hühnchen liegen stets in Hansens Gefriertruhe. Einmal im Monat, wenn Futterzeit ist, taut er ein paar auf und gibt sie den Schlangen zum Fressen. Nur ganz junge Schlangen füttert er mit lebenden Mäusen, damit der Beißreflex gestärkt wird.

Keine Angst, aber Respekt vor den Tieren



Angst hat Hansen nicht vor den Riesenschlangen, aber Respekt. Mehrmals wurde er bereits gebissen. Einige Narben an seiner Hand hat er schon davongetragen.

Rund 200 Schlangen, fast ausschließlich Pythons, Boas und Anakondas, hält Wolfgang Hansen in speziellen Terrarien in seinem Haus in Erden.

Das außergewöhnliche Hobby wurde dem gebürtigen Kölner sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Vater Rudolf kaufte sich Anfang der 50er Jahre einen Leguan, 15 Jahre später lebten in der Wohnung, in der der kleine Wolfgang aufwuchs, 40 Reptilien - Schlangen, Leguane und sogar zwei Affen. 1970 gab Rudolf Hansen die Tiere an mehrere Zoos ab. Sohn Wolfgang wurde Berufsschullehrer und zog 1980 an die Mosel nach Erden.

Er brachte rund 50 Reptilien mit, die er sich nach und nach angeschafft hatte. Inzwischen sind es über 400, viele davon aus eigener Zucht. Das älteste Exemplar ist eine 27 Jahre alte Regenbogenboa.

Seine Frau Sylvia sieht die Reptilien-Leidenschaft ihres Mannes gelassen. "Das ist sein Hobby. Ich hab kein Problem damit." Vor zwei Jahren haben beide ein weiteres Haus im Zeltingen-Rachtiger Ortsteil Ürziger Mühle gekauft. Dort hat er zusätzlich eine große Scheune, die er zu einem Reptilienzoo umbauen will. Die Baugenehmigung der Kreisverwaltung habe er kürzlich erhalten.

Reptilien-Zuhause mit Café



250 000 Euro will er investieren. In der "Reptilien-Oase" werde, so Hansen, auch ein Café eingerichtet. Während Ehefrau Sylvia die Besucher bewirtet, zeigt er die Reptilien und erzählt Wissenswertes über die exotischen Tiere. Hansen hofft, im Mai kommenden Jahres die "Reptilien-Oase" eröffnen zu können.

Hansen besitzt einen Sachkunde-Nachweis zur Haltung von Reptilien. Außerdem ist er seit 1978 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Sie ist die weltgrößte Vereinigung für Reptilien- und Amphibienfreunde und engagiert sich unter anderem für eine artgerechte Tierhaltung.

Und was fasziniert Hansen an Riesenschlangen, an Tieren, vor denen sich viele Menschen ekeln oder fürchten? "Es ist die ungeheure Ruhe, die diese Tiere ausstrahlen. Sie haben nichts Falsches an sich", sagt er.