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Brauchtum
Kinderaugen zum Leuchten bringen

So kennen ihn in Zeltingen-Rachtig Erwachsene, Kinder und auch die eigenen Enkel. Die jüngeren von ihnen wird Nikolaus Krämer ebenfalls am 5. Dezember als Bischof Nikolaus besuchen.
So kennen ihn in Zeltingen-Rachtig Erwachsene, Kinder und auch die eigenen Enkel. Die jüngeren von ihnen wird Nikolaus Krämer ebenfalls am 5. Dezember als Bischof Nikolaus besuchen. FOTO: Ursula Schmieder
Zeltingen-Rachtig. Seit mehr als 40 Jahren ist Nikolaus Krämer als Nikolaus unterwegs. Aber er hat nicht nur den Namen mit dem Heiligen gemeinsam. Von Ursula Schmieder

Er heißt nicht nur so. Nikolaus Krämer ist auch seit Jahrzehnten als Nikolaus unterwegs. Abends vor dem 6. Dezember, dem Nikolaustag, geht er in Rachtig und auch mal in Zeltingen von Haus zu Haus. Und das bereits seit 1977.

Allerdings klingelt er nur dort, wo Kinder auf ihn warten, wie er von deren Eltern vorab erfährt. Den Erlös seiner Einsätze schätzt er auf inzwischen „bestimmt 10 000 Euro“, die er seit eh und je dem örtlichen Kindergarten spendet, früher dem in Rachtig, heute der gemeinsamen Kita beider Ortsteile. Damit macht sich der Vater dreier Kinder und vierfache Opa zugleich selbst ein Geburtstagsgeschenk.

Denn „der Nikolaus von Rachtig“, wie er Briefe und E-Mails (Nikolaus-Rachtig@t-online.de) unterschreibt, was Kinder staunen lässt, wurde am Nikolaustag vor 70 Jahren geboren.

Als Kind war das für ihn weniger schön. Damals sei ja noch am Vorabend der Namenstag gefeiert und die Kinder seien beschenkt worden, erzählt er. Doch da das für ihn mit dem Nikolausabend zusammen fiel, erhielt er nicht etwa doppelt Geschenke, sondern „nicht mehr als meine anderen fünf Geschwister“.

Als er mit 29 Jahren von seinem Vorgänger angeworben wurde, war das für ihn aber schon lange kein Thema mehr. Was ihn seither motiviert, ist zum einen der Wunsch, die Tradition weiter zu geben – auch als Gegengewicht zur „Kommerzfigur“ Weihnachtsmann. Vor allem aber begeistern ihn die Kinder, die ihn mit leuchtenden Augen anschauen, wenn sie singen oder Gedichte aufsagen.

„Dieses Leuchten geht mir bis ins Herz“, gesteht Krämer ein. Außerdem unterhält er sich einfach gern mit Kindern jeden Alters. Daher war er auch nie der „böse, strafende“ Nikolaus, sondern einer, der Kinder, die heute fast schon die Enkel derjenigen seien, die er anfangs besuchte, ermutigt. Den grimmigen Part übernimmt der „Pelzebock“, mit dem er als Zweier-Gespann unterwegs ist. Doch auch der war in früheren Jahren furchteinflößender und stiehlt dem Nikolaus bei „Monster“-Freunden sogar schon mal fast die Schau.

Dabei ist der frühere Finanzbeamte als Nikolaus immer eindrucksvoll gekleidet, was er aus der eigenen Tasche bezahlt. Und das vom ersten Bart aus kratzigem Hanf, wie es Installateure benutzen, bis zum maßgeschneiderten Bischofsgewand, das Ehefrau Ingrid immer in Ordnung hält. In einem solchen Gewand setzte ihn die Feuerwehr auch schon mal per Nachen ans andere Moselufer über. „Nikoläuse aus dem Dorf“ hatten dort den Bildstock am Fährhäuschen renoviert.