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Sportverein setzt sich unter Zugzwang

Die ersten grundlegenden Arbeiten haben Vereinsmitglieder verrichtet. Nun rückt eine Firma an. TV-Foto: Klaus Kimmling
Die ersten grundlegenden Arbeiten haben Vereinsmitglieder verrichtet. Nun rückt eine Firma an. TV-Foto: Klaus Kimmling FOTO: Klaus Kimmling (Kik) ("TV-Upload Kimmling"
Zeltingen-Rachtig. Der neue Kunstrasen in Zeltingen-Rachtig muss Mitte Juni bespielbar sein. Etwas Druck in der Magengrube verspüren die Verantwortlichen auch noch wegen der Finanzierung. Gesucht werden weitere Sponsoren und Gönner. Clemens Beckmann

Zeltingen-Rachtig Wer die Hintergründe nicht kennt, könnte denken, Vandalen hätten auf dem Sportplatz des SV Zeltingen-Rachtig ihr Unwesen getrieben. Tore und Zäune liegen auf dem Boden, ein Teil des Geländes wirkt wie umgepflügt. Doch das ist gewollt, ist Teil des Planes. Was lange währt, wird endlich wahr, werden die Mitglieder des Sportvereins sagen. Das Areal in der Nähe von Kloster Machern wird in einen Kunstrasenplatz umgewandelt.
Fleißige Helfer sind seit einigen Wochen jeden Abend und samstags vor Ort. "Bande, Zaun und Pflaster sind abgebaut. In den nächsten Tagen beginnt eine Firma mit dem Abtragen des Rasens", berichtet Uwe Molz, der zweite Vorsitzende.
Zwei Wochen vor Weihnachten war noch unklar, ob die Arbeiten überhaupt beginnen können. Denn da klaffte, so Vorsitzender Werner Kalle damals, noch eine Finanzierungslücke von 100 000 Euro. Geschlossen ist die noch nicht, obwohl die Kosten wahrscheinlich geringer ausfallen als ursprünglich geplant. Ende 2016 ging Kalle noch von 750 000 Euro aus. Es gebe einige Einsparungen, so Kalle Ende Februar. Und man habe im Verein eine Grundsatzentscheidung treffen müssen, ob nun gebaut wird oder nicht.
"Wir sind auf der Suche nach Sponsoren", sagt Kassiererin Sandra Jakoby. Sie hofft unter anderem auf höhere Einnahmen durch die Bandenwerbung.
Die Besonderheit in Zeltingen-Rachtig: Das Gelände gehört dem Sportverein. Er strebt seit Jahren die Umwandlung in einen Kunstrasenplatz an. Der Naturrasen war bei schlechtem Wetter schnell unbespielbar. Die nahe Mosel stellt eine zusätzliche Gefahr bei Hochwasser dar.
Deshalb muss auch ein Kunstrasen verlegt werden, der ohne Granulat und Sand auskommt. Und der wird teurer als die Normalausfertigung. Allerdings, so Kalle, ist das Grün nicht mehr so teuer wie geplant. Auch der Unterbau muss erneuert werden. Eine LED-Flutlichtanlage und ein Zaun gehören ebenfalls ins Programm.
Der Sportverein hat sich auch selbst mächtig unter Zeitdruck gesetzt. "Mitte Juni müssen wir fertig sein", sagt Uwe Molz. Denn vom 23. bis 25. Juni findet das große AH-Turnier mit mehr als 350 Spielern statt - eine wichtige Einnahmequelle.
Trainiert wird in den kommenden Wochen in Ürzig und Bernkastel-Kues. Das ist aber nichts Neues. Die meisten Spiele werden auf dem Kunstrasen in Bernkastel-Kues ausgetragen. Der Verein hatte gehofft, dass die Gemeinde ihren Zuschuss noch etwas erhöht. Doch auch ihr sind ab einem gewissen Rahmen die Hände gebunden. Das bestätigt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. Aber letztlich dürfe ein Verein, der selbst eine Anlage betreibt nicht schlechter gestellt sein, als wenn die Gemeinde sie zur Verfügung stellt.GROßE TRADITION UND VIELE MITGLIEDER

Extra

Der SV Zeltingen-Rachtig hat eine lange Tradition. Er wurde 1886 gegründet. Im Angebot sind Fußball, Tischtennis und Turnen. Bei den Kickern sind zwei Seniorenteams (Kreisliga A/Kreisliga C) aktiv. Dazu kommt eine Alte-Herren-Mannschaft. Besonders stolz ist man auf die Jugend, die von den Bambini bis zu den A-Junioren in allen Altersklassen vertreten sind. Derzeit gehören dem Verein etwa 470 Mitglieder an. Auf dem Sportplatzgelände befindet sich auch eine vereinseigene Tennisanlage. Das Geld für den neuen Kunstrasen kommt vom Kreis (63 600 Euro), vom Land (130 000 Euro) und von der Ortsgemeinde (200 000 Euro). Der Verein will 170 000 Euro finanzieren und zusätzliche Eigenleistungen von 50 000 Euro erbringen. Die Anlage in Zeltingen wird der vierte Kunstrasenplatz in der mehr als 28 000 Einwohner zählenden Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues sein. Weitere befinden sich in Bernkastel-Kues, Mülheim und Piesport. Die Ortsgemeinde Burgen verfügt über einen Hybridrasenplatz.

Der Naturrasen hat ausgedient. Foto/TV-Archiv: Sebastian Schwarz
Der Naturrasen hat ausgedient. Foto/TV-Archiv: Sebastian Schwarz FOTO: (m_mo )