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Fremdenverkehr
Touristiker gehen neue Wege

Traben-Trarbach. Die Stadt Traben-Trarbach entwickelt ein neues Konzept für den Fremdenverkehr. Drei Zielgruppen stehen im Fokus. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Es ist fünf Jahre her, als der Reisejournalist Jakob Strobel y Serra in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit der Moselregion auf seine eigene Art abrechnete. In seiner Beschreibung des „Tals der Moselochsen im Schnitzelparadies“ warf er den Moselanern vor, nur auf „Ballermann und Kegelclub-Tourismus“ zu setzen.

Seine bewusst polemische Kritik traf an der Mosel auf vehementen Widerspruch. Allen voran Landrat Gregor Eibes, der in einem offenen Brief eine Entschuldigung für den Begriff Ochsen forderte (TV vom 3. September 2013). Denn auch 2013 gab es viele moderne Hotels, Restaurants und Weinstuben an der Mosel, die vom Ballermann-Tourismus meilenweit entfernt waren.

Das Angebot hat sich seitdem kontinuierlich weiter entwickelt. Von Stillstand keine Spur. Das zeigt sich zum Beispiel in Traben-Trarbach. Dort haben die für den Tourismus Verantwortlichen ihre Hausaufgaben gemacht. Tourismus-Expertin Wiebke Pfitzmann hat in einem Projekt das bereits 2013 aufgesetzte Tourismuskonzept, das bis 2017 galt, aufgearbeitet.

„Es ist die Fortschreibung des bestehenden Konzepts, in dem wir die Stimmen und Bedürfnisse der einzelnen Akteure mit berücksichtigen,“ erzählt Pfitzmann. Dazu wurden Workshops mit Hoteliers, Politikern, Winzern, Gewerbetreibenden, Gastronomen und weiteren veranstaltet.

Nach einer Ist-Analyse wurde ein Maßnahmenkatalog erarbeitet. Welche Touristen besuchen Traben-Trarbach – und welche wünschen sich die Traben-Trarbacher? „Es gibt Stammkunden und es gibt aber auch eine Generation, die nachwächst. Die dürfen nicht denken, dass nur  Leute mit dem Wohnwagen an die Mosel fahren,“ sagt Pfitzmann augenzwinkernd.

Für ganz Rheinland-Pfalz seien demnach drei Gruppierungen herauskristallisiert worden: Die reiferen Natur- und Kulturliebhaber, die als „Stammkunden“ erachtet werden, Menschen aus der jüngeren Generation, die wandern, aber auch genießen wollen und als dritten Schwerpunkt „urbane Paare“, die für Wochenendtripps eher hochpreisige Unterkünfte mit Wellness-Angebot und gutem Essen suchen. „Das sind Menschen, die zum Beispiel ein Fünf-Gänge-Dinner mit moselländischem Twist erwarten. Das ist eine anspruchsvolle, aber auch finanziell spannende Gruppe,“ sagt Pfitzmann. Für diese Ansprüche würde Traben-Trarbach mit der Moseltherme für Wellness und mehreren Hotels und Restaurants im gehobenen Segment eine gute Basis bieten.

Im Bereich Freizeit- und Kulturangebote gebe es hingegen Handlungsbedarf. „Das muss nochmals betrachtet werden. Die Stammkunden müssen die Möglichkeit haben, auch in den nächsten Jahren wiederzukommen. Da ist Barrierefreiheit wichtig, denn es muss Freizeitangebote für Menschen mit Einschränkungen geben“, erklärt Wiebke Pfitzmann.

Durch die Teilnahme Traben-Trarbachs am Smart City Programm der Energiegesellschaft Innogy könne das digitale Angebot verbessert werden, unter anderem mit freiem WLAN. Wichtig sei auch eine E-Auto-Ladestation, über die Traben-Trarbach bislang noch nicht verfügt. Im Zuge des Smart City Programms könnten aber drei E-Ladestellen geschaffen werden.

Stadtbürgermeister Patrice Langer weist zudem darauf hin, dass auch die Flusstouristik Chancen bieten würde. Traben-Trarbach verfüge über Anlegestellen für große Kreuzfahrtschiffe. Vor dem Hintergrund, dass die Stadt keinen direkten Autobahnanschluss habe, sei es sinnvoll, auch auf Flusstouristik zu setzen.