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Stiftung will Enkircher Fachwerkhäuser retten

Enkirch. Als Schatzkammer rheinischen Fachwerkbaus gilt der Moselort Enkirch. 39 denkmalgeschützte und 20 weitere nicht geschützte historische Häuser prägen das Ortsbild des 1550-Einwohner-Ortes. Die neugegründete Stiftung Fachwerkdorf Enkirch will sich für den Erhalt dieser Gebäude einsetzen. Winfried Simon

Enkirch. Zahllose Stunden hat der 66-jährige Rentner Dieter Bautz in den vergangenen zwei Jahren in ein ehrgeiziges Projekt investiert, das ihm ganz besonders am Herzen liegt. Er und etliche Mitstreiter aus Enkirch wollen sich für den Erhalt der Fachwerkhäuser in ihrem Heimatort einsetzen. Jetzt ist aus der Idee ein konkretes Konzept geworden. Es nennt sich Stiftung Fachwerkdorf Enkirch. Das notwendige Stiftungskapital - 25 000 Euro - liegt auf dem Konto. 15 Privatleute haben die Hälfte der Summe eingebracht, mit 12 500 Euro beteiligt sich außerdem die Ortsgemeinde. Eine Stiftung hat unter anderem den Vorteil, dass Erbschaften und Schenkungen in voller Höhe von der Erbschaftssteuer befreit sind. Viel Geld wird notwendig sein, um alte und leer stehende Fachwerkhäuser zu sanieren. Dieter Bautz, der zum geschäftsführenden Vorsitzenden der Stiftung gewählt wurde, erklärt: "Wir fangen klein an, sind uns aber sicher, dass wir im Laufe einiger Jahre, beginnend mit kleinen Schritten, immer größere Schritte machen können. Und da kann ein jeder mit einem mehr oder weniger großen finanziellen Beitrag mithelfen." Erstes Objekt: Haus Jakoby

Ein erstes Objekt hat die Stiftung bereits im Blick: das marode Haus Jakoby in der Weingasse. Es ist in einem sehr schlechten Zustand und daher sehr preiswert zu haben. Die Stiftung hat vor, es mustergültig zu sanieren und wird ein Finanzierungskonzept mit Fördermitteln und Eigenleistung erarbeiten. Zahlreiche Fachleute wollen unentgeltlich ihre Kenntnisse einbringen, um das Projekt zu realisieren. Dem Stiftungskuratorium gehören unter anderem Architekten, Steuerberater, Schreiner und Zimmerleute an. Mit von der Partie ist außerdem Dr. Christian Schüler-Beigang von der Landesdenkmalpflege in Mainz. Er hat bereits eine Schadensanalyse erstellt und eine Kostenermittlung zur Restaurierung des Hauses Jakoby in Auftrag gegeben. Das Kuratorium entscheidet in Abstimmung mit der Stifterversammlung, welche Aufgaben und Projekte angegangen werden. Vor allem will man sanierungswillige Hausbesitzer bei der Restaurierung ihrer Häuser mit Rat und auch finanziell unterstützen, öffentliche und private Zuschüsse organisieren und später vielleicht leer stehende Häuser erwerben, sanieren und günstig wieder weiterveräußern oder vermieten. In einem ersten Schritt wird die Stiftung ein Kataster aller Fachwerkhäuser und historischer Gebäude in Enkirch erstellen. Ferner ist vorgesehen, eine Internetseite zu gestalten, die interessierte Käufer und Verkäufer alter Fachwerkhäuser zusammenbringt. Meinung

Die Bürger packen\\'s an Es gibt zahlreiche staatliche Förderprogramme, damit die Dörfer lebenswert bleiben. Sie kommen Gemeinden und Privatleuten zugute. Das ist notwendig und lobenswert. Am besten entwickelt sich ein Dorf aber, wenn die Bürger selbst die Initiative ergreifen und Probleme anpacken. So wie jetzt in Enkirch. Das Projekt Stiftung Fachwerkdorf kann ein Vorbild für andere Orte sein. Ein Dorf braucht nicht nur ein Bürgerhaus und einen Sportplatz, ein Dorf braucht junge Familien mit Kindern, die die Dorfgemeinschaft beleben. Was fehlt, ist oft kostengünstiger Wohnraum in den hübschen Dorfkernen. Die Enkircher wollen was tun. Das ist vorbildlich. w.simon@volksfreund.deExtra

Geschäftsführender Vorstand der Stiftung: Dieter Bautz (Vorsitzender), Heinz Schütz (stellvertretender Vorsitzender), Roland Bender; Vorsitzender der Stifterversammlung: Gerald Caspari, Doris Weißgerber-Franz (Stellvertreterin); Kuratorium: Dirk Aldermann, Friedhelm Caspari, Nico Caspari, Hubertus Langen, Ralf Meyer, Jörg Rücker, Christian Schüler-Beigang. red