| 17:55 Uhr

Bildung
Hochschulstreit: Professoren kündigen

 Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Professoren und Studierenden der Philosophie gingen in Bernkastel-Kues gerne neue Wege. So zum Beispiel mit der Aktion „philosophisches Sofa“ im vergangenen Sommer, als Studierende ein Sofa auf den Bernkastel-Kueser Marktplatz stellten, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Die Aktion „philosophisches Sofa“ fand  im Zuge eines studentischen Projekts des Philosophie-Bachelor der Cusanus Hochschule statt. Die Leitfrage „Jeder Mensch ein Philosoph?“ sollte zum gemeinsamen Denken anregen.
Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Professoren und Studierenden der Philosophie gingen in Bernkastel-Kues gerne neue Wege. So zum Beispiel mit der Aktion „philosophisches Sofa“ im vergangenen Sommer, als Studierende ein Sofa auf den Bernkastel-Kueser Marktplatz stellten, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Die Aktion „philosophisches Sofa“ fand  im Zuge eines studentischen Projekts des Philosophie-Bachelor der Cusanus Hochschule statt. Die Leitfrage „Jeder Mensch ein Philosoph?“ sollte zum gemeinsamen Denken anregen. FOTO: TV / privat
Bernkastel-Kues. Erst vor wenigen Jahren hat sich die Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues etabliert. Im vergangenen Jahr gab es massive Differenzen zwischen der Leitung und den Professoren und Studierenden. Nun ist das Tischtuch zerschnitten. Von Hans-Peter Linz
Hans-Peter Linz

Fristgerecht haben - bis auf eine Ausnahme – alle Mitglieder des Instituts für Philosophie an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues die Kündigung ihrer Arbeitsverhältnisse eingereicht, darunter auch Professor Harald Schwaetzer, ein renommierter Philosophie-Experte, der zu den Gründungsmitgliedern der Hochschule gehörte. In einem offenen Brief, der dem Trierischen Volksfreund vorliegt, begründen sie diesen Entschluss damit, dass die Zusammenarbeit mit dem Präsidium unter Professorin Silja Graupe nicht mehr möglich sei. Sie kritisieren unter anderem einen zentralistischen Führungsstil.

Die Verwaltungsstrukturen seien nicht effizient, Entscheidungen seien nicht transparent und würden damit demokratische Prozesse blockieren. So gebe es für die Studierenden unter anderem keinen Einblick in ein Strategiepapier des Präsidiums. Auch das Fundraising, also die Erwerbung von Fördergeldern - überlebenswichtig für die private Hochschule - sei nicht effektiv gewesen. Die cusanische Philosophie, werde nicht ausreichend beachtet, ein Profil des Instituts für Philosophie werde abgelehnt. Außerdem sei ein „bewusstes Verlassen einer wahrheitsgemäßen Darstellung der Studiengänge durch ,Narrative’“ feststellbar.

Professor Silja Graupe nimmt dazu auf TV-Nachfrage Stellung. Demnach befindet sich die Cusanus Hochschule seit einem Jahr in einem Prozess, die Studiengänge neu zu akzentuieren und die Hochschule auf diverse Akkreditierungsverfahren vorzubereiten. Graupe: „Das ist nach fünf Jahren Aufbaubetrieb und vor Amtsantritt eines neuen Präsidenten eigentlich ein Standardvorgang, der sich aber zu einer Krise auswuchs. Das Problem: In den letzten Monaten separierten sich die Mitarbeitenden des Instituts für Philosophie immer weiter vom Gesamtgefüge der Hochschule. Inhaltlich äußerte sich dies durch einen endgültigen Wegfall des Interesses an einer fachlichen Zusammenarbeit mit der Ökonomie.“

Die Kollegen der Philosophie hätten sich aus Verantwortungsbereichen der Hochschule zurückgezogen. Die Erwerbung von Fördermitteln sei auf sieben Prozent geschrumpft, im Vergleich zu 15 Prozent in den Vorjahren und zirka 60 Prozent für die Ökonomie im gleichen Zeitraum. Graupe: „In der Folge drohten noch höhere, sechsstellige Defizite in diesem ohnehin schon defizitären Bereich.“  Man habe   auf persönlichen Netzwerken als institutionellen Kern der Philosophie beharrt, obwohl dessen Strukturen nicht den Standards einer staatlich anerkannten Hochschule entsprechen.

Zwei von vier Kollegen hätten sich  nahezu allen Aufgaben in Aufbau und akademischer Selbstverwaltung vor Ort entzogen.

Graupe: „Vollends drohte der Konflikt zu eskalieren, als es neben dieser Verweigerung von normaler Zusammenarbeit, darüber hinaus zu ebenso heftigen wie einseitigen Schuldzuweisungen und Vorwürfen

gegen das Präsidium insgesamt sowie zu schweren Diffamierungen und  im erweiterten Personenkreis  Einschüchterungsversuchen gegen mich als kommissarische Präsidentin kam.“

Die Verwaltung und das Institut für Ökonomie, seien indes  für die anstehenden Aufgaben gut gerüstet. Graupe: „Und selbstverständlich werden wir allen Studierenden, die bereits in den philosophischen Studiengängen immatrikuliert sind, einen sicheren Studienabschluss gewähren.“ Silja Graupe wird am 1. April von Professor Reinhard Loske abgelöst.  Loske ist Volkswirtschaftler  an der Universität Witten/Herdecke. Er ist Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, war von 1998  bis 2007 Mitglied des Deutschen Bundestages,  zeitweise als  Stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.